Vereinsausfahrt ans Mittelmeer (10. bis 17. Juni 2017)


Jährlich lädt der Tauchclub Triton Tübingen 80 e.V. zu seiner Jugendausfahrt ein, die uns im Juni 2017 nach Italien, auf die toskanische Insel Elba (Abb. 1) führte. Mit einem Autobus und zwei PKW starteten wir aus Tübingen und Kusterdingen. Ein Auto unserer Kolonne befand sich bereits in Italien und aus organisatorischen Gründen fuhr das durch Gas betriebene Auto voraus. Die beiden übrigen Fahrzeuge fuhren gemeinsam aus Rottenburg ab.
Nach dem die Schweizer Grenze passiert war, die Sonne langsam die schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen anstrahlte und die Fahrt entlang des Vierwaldstättersees fortgeführt wurde, galt es den Gotthardtunnel zu durchqueren. Vom Glück begleitet geschah dies recht zügig, so dass uns auf der italienischen Seite der Schweiz warmer Sonnenschein erwartete. Doch das Glück war nicht mit jedem – kurz hinter dem Tunnel bremste uns ein Unfall aus, bei dem wir als Ersthelfer vor Ort waren. Frieder und Julia, die sich beide im DRK engagieren und entsprechende Ausrüstung im Wagen mitführten, kümmerten sich schnell und kompetent um die geschockten Verunfallten, während wir anderen versuchte den Standort auf der Autobahn auszumachen – zur Verständigung von Rettungskräfte und Polizei. Nach einer ¾ h nahmen wir die Fahrt wieder auf und erreichten das Zielland Italien. Weitere Unfälle trotz der Fahrweise der Einheimischen wurden uns zum Glück erspart. Ab Piombino erwartete uns die Fähre, die gegen die Nachmittagsstunden gen Portoferraio ablegte. Auf Elba nun als vollständige Kolone versammelt, galt es die letzten 40 km auf der Insel zurück zu legen. Marcone, nahe Capoliveri, war unser Zielort und auch der Standort unserer Tauchbasis: Aquanautic Elba, die wohl beste Tauchbasis am Mittelmeer (Gewinner des Taucher Awards 2015-2017) (www.aquanautic-elba.de).


Freundlich wurden wir auf dieser in Empfang genommen und mit den Räumlichkeiten bekannt gemacht. Neben dem großen Gerätehaus, in dem Flossen, Maske, Schnorchel, Jackets und weitere Ausrüstung gelagert wurde, standen uns mehrere Spundwände zum Einhängen von Füßlingen und Handschuhen zur Verfügung, außerdem drei doppelschienige Wagen zum Aufhängen der Anzüge, vier große Auf- und Abbauplätze, ein großes Auswasch- und Reinigungsareal für die Ausrüstung, eine mittelgroße Lounge Ecke mit Bar und Erfrischungsmöglichkeiten & Kaffeemaschine, außerdem ein Bücherregal mit Bestimmungsbüchern und anderer Literatur, eine Angebotswand mit Tauchlisten und möglich buchbaren Kursen. Frei begehbar waren auch der Flaschenfüllraum, die Außentoilette und die Bleikammer. Gefehlt haben uns die Außenduschen und ein weiterer Nachteil ist die Entfernung zum Strand (~150m) mit Gefälle, jedoch größten Teils geteert.

Nach dem Verteilen der Clubeigene Ausrüstung, immer eine Herausforderung, erst recht bei 19 Personen mit zusätzlicher privater Ausrüstung, dem einräumen des Equipments in die jeweiligen Kisten und dem ersten Begehen unserer Unterkunft, erwartete uns ein All-you-can-eat Pizza Abend, der ebenfalls von der Basis organisiert war. Gesättigt und den Sonnenuntergang verfolgend, klang der Anfahrtsabend aus. Am nächsten Morgen dann erwartete uns ein wunderschöner Ausblick auf die Bucht von Morcone, der Sonnenschein und die liebevoll mit vielen Blumen und Ziergewächsen gestaltete Terrasse, auf der sich nach und nach alle Clubmitglieder zum Frühstücken einfanden – die einen früher, die anderen etwas später. Nach diesem dann brachen wir gemeinsam zur fußläufig entfernten Tauchbasis auf, da der erste Tauchgang, sowie der Tauchurlaub nicht länger auf sich warten lassen will!

Der erste Tauchgang fand in der Bucht von Morcone, bei 23°C Wassertemperatur, auf 6,5 Meter und knapp einer dreiviertel Stunde statt. Dabei begegneten uns eine Vielzahl von Mönchsfischen, Barben, Brassen, grüne Lippfische, Meerjunker, ein Zackenbarsch, natürlich Seeigel, Seesterne und Seegurken, außerdem ein versenkter Eisenstuhl in den man sich gemütlich hineinlegen hätte können, ein Anker und von der Wasseroberfläche fallende Schiffsplanen, die in der Ferne wie markante und gewaltige Felsen wirkten. Das Wetter, wie immer hervorragend sonnig bei einer Sicht von ca. 30 Metern. Nach dem Verlassen des Wassers, dem Genehmigen einer Mittagspause mit kräftestärkender Nahrung und einer gewissen Zeit des Ausruhens, ging es dann am Nachmittag erstmals per Boot aufs Meer hinaus. Corbelli, zu Deutsch der Affenfelsen, ca. 2,5 km von der Insel entfernt, wurde im Laufe des Urlaubs für uns zum typischen italienischen Wort und fand immer mal wieder scherzhafte Einfassungen in Gesprächen. Die meisten wohl mit einer 200 bar Flasche ausgerüstet und mehr als die überwiegende Mehrzahl in Nassneopren gekleidet, verließen mit einem Vorwärtssprung das „überdachte Nussschalenboot“ bei Wellengang. Bei 21°C Wassertemperatur und 30 Metern Sicht, führte uns der Tauchplatz auf eine Tiefe von 18 Metern bei einer Dauer von 50 Minuten. Auch bei Corbelli wurden zahlreiche Unterwasserarten gesichtet. So zum Beispiel eine Hand voll Moränen, Barrakudas im Freiwasser, gelbe Fächerkorallen, natürlich Mönchsfische, Pfauenlippfische, Schriftbarsche und Wachsrosen. Auch bei diesem Tauchgang war uns das Wetter wohlgesinnt, begleitet wurden wir jedoch von etwas leichter Strömung.



Am nächsten Tag, ebenfalls von strahlendem Sonnenschein begleitet, was das Anziehen des Neoprens nicht gerade einfach gestaltete, stand die nächste Bootsausfahrt an. Unser Ziel stellte dieses Mal den Gemini Rock (Zwillingsfelsen) dar. Auch an diesem Tag begleitete uns der Wellengang mit einer Wassertemperatur von 22°C, ausgehend von den bereits gesehenen Fisch- und Pflanzenarten, begegneten uns hier Goldbrassen in großen Schwärmen, die wunderschön golden in der Sonne glitzerten, außerdem Goldstriemen, ein brauner Zackenbarsch und ein roter Fahnenbarsch. Ein Tauchteam jedoch wich stark vom Tauchplatz ab und fand sich zwischen den Zwillingsfelsen wieder. Nach dem fixen einsammeln der „Verschollenen“ ging es zurück zur Basis, es wurde abgerödelt, das Equipment gewaschen und gesäubert, anschließend ausgeruht oder alternativen Aktivitäten nachgegangen, z.B. wandern, fotografieren, den Liebsten daheim schreiben, Musik hören und vieles mehr. Einige von uns ließen sich auch an der Tauchbasis nieder, leisteten anderen Tauchern oder den Betreibern der Tauchbasis Gesellschaft. An den meisten Abenden dann, so auch an diesem, hieß es nach Einbruch der Dunkelheit entlang der Felsklippen der Bucht von Morcone mit Tauchlampen zu Schnorcheln. So konnten im Laufe der Zeit viele Nachtaktive Tiere beobachtet werden, unter anderem: jagende und uns langsam verfolgende Pferdemarkelen, meist nur ein Tier, außerdem kleine, sowie große Drachenköpfe, drei Oktopusse, sowohl braune, als auch orangefarbene getarnt auf Steinen oder dem Sand, ein roter Kalmar und eine Vielzahl von unterschiedlich großen Sepien.

Am 13. Juni dürfte der Tagesablauf für die Clubmitglieder ziemlich unterschiedlich ausgesehen haben, denn eine Handvoll abenteuerlustige Taucher von uns befanden sich bereits um 5:50 Uhr unterhalb der Wasseroberfläche des Mittelmeeres. Der Early Morning Dive an der Scoglio che Bara, der „Gelben Wand“ mit Sonnenaufgang unterhalb der Wasseroberfläche – ein wohl unvergessliches Erlebnis: Einzutauchen in die dunkle noch farblose, kalt wirkende See und mit dem Aufgehen der Sonne die golden leuchtende Wasseroberfläche erblicken, die sich öffnenden Gelben Krustenanemonen in ihrer Farbenpracht bewundern, sowie Goldstriemen, Barrakudas, Doraden und Gorgonien betrachten. Nach 44 Minuten, bei einer Wassertemperatur von 18°C und maximalen 23 Metern war das magische Ereignis vorüber und es war jedem klar, dass es sich gelohnt hat, sich aus den Federn zu bewegen. Hinzu kommt das fantastische Frühstück, dass zum Early Morning Dive dazu zählt – Schokocrossaints, Crossaints mit Marmeladen und Puddingfüllung. Erst recht ein Traum, sofern im Vorfeld keine Zeit fürs frühstücken blieb.
Noch am selben Tag stand uns eine Reise quer über die Insel bevor. Freundlicher weise lieh uns die Basis ihren Anhänger, so dass ausreichend Platz zum Packen dar war. Unser Ziel: das Relitto die Pomonte, ein Schiffswrack an der Westküste der Insel, auf 2 bis 13 Metern gelegen. Durch die Lage an der Westküste und den entsprechenden Windrichtungen, schlug uns extreme Strömung entgegen. Besonders deutlich zu bemerken an der Wasseroberfläche, glücklicherweise jedoch nicht mehr allzu stark auf 6 bis 8 Metern. Für die meisten des Vereins wird es wohl ein wahrlicher Kampf gewesen sein – doch die Anstrengungen zahlten sich aus. Abgesehen von dem gigantischen Wrack, das mit Korallen bewachsen und von Tieren bewohnt wurde und in welches man hinein tauchen konnte, begegneten uns Goldstriemen, Bandbrassen, Petermännchen und vieles mehr. Natürlich auch eine enorme Anzahl von Tauchern bei den herrlichen 24°C Wassertemperatur. Die meisten von ihnen traf man in der besten Eisdiele Elbas wieder. Nach gemeinsamen Aufbruch, verteilten sich die einzelnen Autos auf der Insel. Während einige über den Panorama Pass fuhren, ließen sich andere in Kaffees nieder, noch andere gingen einkaufen um ihre privaten Vorräte aufzufüllen. Mit dem Eintreffen des Anhängerfahrzeuges wurde gemeinsam ausgeräumt, ausgewaschen und verstaut, während andere Clubmitglieder das Abendessen zubereiteten. Auch dieser Abend klang gemütlich aus.


Am darauf folgenden Tag ging der Bootstauchgang in der Mittagshitze erneut zur Scoglio che Bara, der gelben Wand. Von Wellengang und leichter Strömung begleitet, suchten wir auf 36 Meter ein altes, sehr verlottertes, kleines Wrack auf, von dem weitergehest nur noch der Motor übriggeblieben war. Ein Oktopus kreuzte unseren Weg, genauso wie Barrakudas im Freiwasser, große Bandbrassenschwärme, Schnecken, die sich im Fels gut tarnten und die üblichen kleinen Schwarmfische. Nach fast 50-minütigen Tauchgang galt es eine Boje zu setzen, langsam aufzutauchen und wieder an Bord des Schiffes zu gehen. Und erneut führte uns ein Tauchgang nach Corbelli – ein Nachttauchgang. Auch hier ließen sich nur wenige Taucher des Vereins überzeugen, vermutlich auch, weil es für viele ein Wiederholungstauchgang gewesen wäre. Nach dem abtauchen um 21:30 Uhr wurden wir von Oktopussen, Moränen, Einsiedlerkrebsen, Mönchsfischen, Brassen und Drachenköpfen beäugelt. Ein Conger verfolgte uns sogar – seltsames Gefühl, in totaler Dunkelheit, nur mit dem Lichtkegel der Taschenlampe und den Tauchpartnern gewappnet. Ebenso ungewohnt und fremd das Auf- und Abtauchen bei Dunkelheit, jedoch wohl einer der erlebnisreichsten Tauchgänge überhaupt. Nach dem Zurückkehren ans Ufer erwartete uns eine kleine Gruppe unserer Mitglieder und begleitete uns hinauf zu der Basis.
Am Folgetag, dem 15.06 fanden zwei Bootstauchgänge statt, wovon einer am Nachmittag zur Punta Morcone führte und sich die Gruppe, wenn auch nur ein wenig, teilte. Die große Mehrheit tauchte mit Flasche und voller Ausrüstung, Arne und Nini jedoch kamen zum Boot geschnorchelt und schossen per Apnoe ein paar Bilder von der tauchenden Gemeinschaft. Freundlicherweise nahm der Bootsführer, Herr über die „überdachte Nussschale“, die beiden mit zurück zum Ufer, so dass ihnen das zurückschnorcheln erspart blieb. Am selben Tag noch, brachen Valentin, Arne und Nini erneut zum entfernten Relitto di Pomonte auf, um dort gegen die Abendstunden noch etwas Apnoe am Wrack zu betreiben. Die Strömung war stark abgeflaut und entsprechend angenehm zu Schnorcheln. Ausklingen ließen sie den Abend mit einem Eis und einer Pizza – verpassten dadurch aber die Taufe der Neulinge in Morcone. Zu jeder bestandenen Tauchausbildung gehört als Neuabkömmling von Neptun eine Weihung durch das Meerwasser und das Erhalten eines Taufnamens. So wurden vier Taucherinnen und Taucher in stürmischer Nacht bei brausender Brandung von Neptun mit folgenden Namen getauft: David Dorade (**), Dilara Diamant-Regenbogenfisch (*), Anna Alicia Mirabilis (Wunderanemone) (*) und Aleksandra Atlantischer Blauflossenthunfisch (*). Besonders einprägsam dürfte der zusammengebraute Trank gewesen sein, bestehend aus Meerwasser und anderen Substanzen, die sich finden ließen. Gefüllt in den Schnorchel lag es nun an den Getauften das Gemisch zu trinken, wohlgemerkt mit aufgesetzter Maske. Amüsant so wie unappetitlich zu gleich, aber ein Muss!


Auch am 16. Juni erwarteten uns zwei Bootstauchgänge. Der Erste führte zum Tauchplatz Picchi di Pablo mit Steilwand. Vor halb 12 ging es dann hinab in die Tiefe auf 38 Meter um rote Gorgonien zu bestaunen, Barrakudas, Gabeldorsche und Doraden zu beobachten und in der Felswand nach Schnecken zu suchen. Ein sehr entspannter und langsamer Tauchgang von ca. 50 Minuten bei 18°C Wassertemperatur. Mit dem Austauchen und dem Zurückkehren aufs Boot ging es dann weiter zum zweiten Tauchplatz, der sich Relitto Aereo nannte. Wie zu erwarten ein kleines Flugzeugwrack auf 15 Meter Tiefe, bewohnt von braunen Zackenbarschen in der Tragfläche und Moränen im ehemaligen Motorraum, dabei dicht umwachsen von Seegras. Nach dem Zurückkehren an die Basis, dem Packen des Equipments und des Gepäcks wurde der Abend in Capoliveri mit dem Besuch der Ortschaft und einem Besuch in einer Pizzeria abgeschlossen und Resümee über den Urlaub gezogen. Mit der Heimkehr zu unseren Unterkünften wurde letztes Gepäck verstaut und recht schnell die Wege in die Betten gefunden. Denn am nächsten Tag stand die Rückfahrt und frühes Aufstehen bevor.

Da uns nun ein weiteres Auto auf der Rückfahrt zur Verfügung stand, konnten glücklicherweise aus den Autos, die mit jeweils fünf Personen besetzt waren, Personen umgesetzt werden. Welch göttliche Eingebung, nicht länger in der Mitte auf der Rückbank über 8-10 Stunden eingequetscht zu sein! Nach dem wir unsere Unterkünfte verlassen hatten, Die Fähre zurück ans Festland nahmen und dort an Land gingen, verstreuten sich die einzelnen Fahrzeuge – auch, weil unterschiedliche Wege genommen wurde. Etwa durch 1:45 h Stau vor dem Gotthard, wurde der Gotthard-Pass benutzt oder aber auf den Bernardino-Tunnel ausgewichen. Letztlich erreichten wir Tübingen zwischen 21 und 23 Uhr und während einige schon schlummerten in ihren Betten daheim, waren andere noch unterwegs um nach Haus zu gelangen.

Alles in allem ein sehr gelungener, mit guten Wetter und „guter Luft“ begleiteter Urlaub, wenn auch mit kleinen Niederschlägen, wie beispielsweise das nicht Vertragen des Wellengangs bei Bootstauchgängen oder das „Küche sein“. Doch wie jeder Urlaub und mit der entsprechend großen Anzahl von Teilnehmern bürgte auch dieser positive, als auch negative Ereignisse.


Besonderer Dank gebührt Michael für die Organisation und Planung der Reise sowie Klaus, der kurzfristig vorher ausfiel und dennoch seinen Autobus zur Verfügung stellte, außerdem Arne für das Besorgen der Schweizer Plaketten, allen Köchen & Köchinnen sowie deren Helfer & Helferinnen, dem Einkaufsteam und dem Packteam!
Mit dabei waren: Michael, Nina, Oonagh, Frieder, Julia, Valentin, Nini, Arne, Uli, Markus, Marco, Silian, Christina, David, Christel, Aleksandra, Dilara, Anna, Achim.
J. Mahlitz