Am 13. - 14. April 2019 schlossen sich insgesamt vier Tauchvereine/Tauchclubs zusammen und brachen für ein Tauchwochenende in die deutsch-französische Grenzregion auf. Neben dem TCTT bestehend aus den Mitgliedern Michael Neukirch, Arne Schmidt und Nini Mahlitz, fanden sich auch die Trierer Sporttaucher vom TST, der Post-Sportverein Trier PST und der Tauchsportclub Bonn-Rhein-Sieg (TSC) ein. Wer nun vermutet, dass es aufgrund der unterschiedlichen Tauchorganisationen VDST & I.A.C zu einer eher angespannten Stimmung kam, hat weit gefehlt! Das miteinander war freundlich, lustig und laut und die Chance einander kennenzulernen wurde genutzt. Natürlich auch gemeinsam gegrillt und Erfahrungen ausgetauscht!
Ziel dieses Wochenendtrips waren der Matschelsee bei Ichenhausen und der Apostelsee bei Ettenheim in Baden und der Graviére du Fort bei Holtzheim in Frankreich nahe Straßburg.

Nach einer langen Anreise für Arne und mich aus Bad Neuenahr, begleitet mit Schneefällen im Hunsrück, dem normalen Wahnsinn auf deutschen Autobahnen und etlichen Blitzern in Baden Württemberg, erreichten wird am frühen Vormittag den Matschelsee. Auf unserer Anfahrt zum Einstieg 1 begegneten wir bereits vielen Tauchern, die aufrödelten und wie wir gespannt auf das für uns noch unbekannte Gewässer waren. Neben den ins Gewässer hineinragenden Bäumen sollten viele Tothölzer, behangen mit Algen, eine unwirkliche Kulisse unterhalb der Wasseroberfläche schaffen und geisterhaft aus dem Nichts auftauchen. Außerdem, so wurden wir angetreasert, würde eine Vielzahl von „Überraschungen“ auf uns warten und große Fischbestände zu sehen sein. Das Beste jedoch, die zu erreichenden 50m Tiefe.
Während wir uns den richtigen Weg über die Feldwege rund um den See suchten, trafen wir auch schon auf die PSTler und wenig später trafen dann auch die TSTler am Treffpunkt ein. Nachdem die Pavillions aufgebaut, die Campingstühle aufgestellt, der Grill vorbereitet und die Tauchreservierungen vom 1. Tauchclub Offenburg 1975 e.V., welche zur Nutzung des Sees notwendig ist, verteilt wurden, hieß es: Einstieg sichten!


Der Einsteig 1 ist ein mäßig steiler Kieselweg und bietet bereits über der Wasseroberfläche einen Blick auf das vorhandene Totholz im See. Gleichzeitig dient dieses als guter Fixpunkt, um bei Beendigung des Tauchganges den Einstieg per natürlicher Orientierung wiederzufinden. Zum Hilfe, beim Ein- und Ausstieg, liegt ein festes, gut griffiges Seil bereit, da das Gelände doch sehr rasch und steil abfällt. Das Anziehen der Flossen bietet sich daher im Wasser an.

Gesagt, getan! Da Michael erst am Mittag zu uns stoßen würde, lag es nun an Arne und mir. Als nun mehr CMAS** unser erster, eigener Tauchgang miteinander – und das in einem unbekannten Gewässer: Entdeckungsdrang! Wir einigten uns auf eine maximale Tiefe von 30m und entschieden das Ufer zu unserer Rechten zu behalten, bis wir auf eine Absperrung nahe der Anglerstege stoßen würden. Während die PSTler bereits unterwegs zum 50m Loch waren und die Trierer ihre Ausbildung zum CMAS* starteten, rödelten wir auf, verabschiedeten uns, wie es die Tauchliste ebenso will und begannen unseren Tauchgang.

Wie vermutet fiel das Gelände weiterhin steil ab, so dass wir nach dem Abtauchen zwar an einigen Unterwasserpflanzen vorbeikamen, sonst aber über eine sandige Halde bis auf 30m abtauchten. Die Sicht reichte bis auf 5-6m. Auf unserer Reisetiefe & in der Dunkelheit angekommen, begegneten wir großen Halden aus Konglomerat, die senkrecht im Wasser thronten und sogar kleine Überhänge bildeten. An diesen hafteten vereinzelt pinke Weichschwämme. Immer wieder hoben sich gewaltige Aufschüttungen des Konglomerats aus dem Nichts hervor und wir erreichten das rote Flatterband, dass den Bereich der Angler markierte – Umkehr. Ca. auf 25m dann und das Ufer zu unserer Linken geschah es. ENDLICH! Ein großer Stör mit etwa 50cm direkt vor uns und gut getarnt auf dem Grund & eine jubelnde Nini. Kaum hatte er uns jedoch entdeckt, schlängelte sich die Knubbelnase langsam aber sicher davon und verschwand in der Trübung des Sees. Klasse, endlich ein Stör live gesehen – bereits jetzt war der Tauchgang mehr als genial. Allmählich tauchten wir aus und nach allen notwendigen Stopps folgte noch die Übung eine Boje zu setzen. Am Einstieg angekommen und zunächst unbemerkt, rollte sich das Reel langsam aber sicher ab und verschwand im aufgewühlten 0-Sicht-Bereich des Einstiegs.

Worst Case Szenario…oder doch die erste, vollkommene 0-Sicht-Such-Erfahrung? Das Reel war schnell gefunden und die Oberflächenpause begonnen & genossen.

Noch während ich mich im Wasser entspannte, traf Michel ein. Gemeinsam verputzten wir den mitgebrachten traditionellen Taucher-Rotweinkuchen und grillten im Zusammensein mit den anderen Tauchvereinen. Käsewürstchen, Fleisch und für einige wohl auch ein Dekobier…
Leider spielte das Wetter nicht mit. Es war windig-stürmisch, zügig und einfach nur kalt. Die Sonne ließ sich nicht blicken. Doch der Austausch zwischen den Vereinen lief in vollem Gange. So kannte Michael jemanden von den PSTlern, ein ***TSTler sprach über das technische Tauchen und dass er dahingehen gerne eine Ausbildung absolvieren würde und ein Anderer berichtete von seinem Rebreather und erlebten archäologischen Tauchgängen in Frankreich. Das Wetter hielt uns jedoch nicht davon ab zu einem zweiten Tauchgang aufzubrechen – dieses Mal mit Michael an unserer Seite. Nach einem kurzen Konfigurationscheck stiegen wir direkt an Totholz vor dem Einstieg ab und betrachteten die geisterhaften Silhouetten. Das Ufer ließen wir eine Zeit lang zu unserer Linken, bis wir erneut auf unserer Reisetiefe ankamen. Lampen erleuchten und die Kommunikation fand nun auch über diese statt.

Auf dieser Seite des Sees erhoben sich noch mächtigere Halden aus Konglomerat und das Ufer war uns nun wieder zur rechten Schulter. Das Gelände fiel weiterhin steil ab, doch wir entschieden uns gegen einen Dekotauchgang und tauchten viel eher nahe an der Grenze zu dieser über die sandigen Halden. Leider begegnete uns kein Stör mehr, sondern nur ein kleiner brauner Flusskrebs, der sich aufbaute und uns seine Scheren entgegenstreckte. Wir passierten das Totholz am Einstieg und tauchten nun wieder linke Schulter zum Ufer. Und auch hier blieb die Überraschung nicht auf. Auf einer Düne, die sich vom Ufer entfernend steil abfiel, thronte ein kleiner Tannenbaum mit einer einzigen rot-glitzernden Kugel. Ich zumindest war total enthusiastisch – auch wenn es sich dabei eher um „Müll“ im See handelte, der absichtlich dort versenkt wurde. Auch am Ende dieses Tauchganges setzte ich wieder eine Boje um mehr Routine darin zu erlangen. Nach Verlassen des Einstieges war klar, dass wir unbedingt auch zu einem Nachttauchgang aufbrechen müssten. Diese Chance, wollten wir uns nicht entgehen lassen!
Doch aller Mühe vergebens – es war bereits 16:00 Uhr und kein Tauchgeschäft, noch eine Basis würde uns nun mehr Luft geben können. Wir ärgerten uns sehr darüber, rödelten ab und brachen auch die Zelte am Matschelsee ab. Als wäre die vergebe Hoffnung auf einen Nachttauchgang nicht genug, geschah das, was sich jeder Taucher nicht wünscht: Das Einreißen einer Halsmanschette am Trocki! Arne hat es erwischt – aber wir waren vorbereitet und führten eine Ersatzmanschette mit, die flink eingebaut wurde.



Nächster Halt war in Ichenburg das Hotel Zum Schwanen & unsere Bleibe für die kommende Nacht.
Nach einem ausgiebigen Essen, weiteren Unterhaltungen und der Ideeentwicklungen, wie man doch noch irgendwie zum Nachttauchen aufbrechen könnte, retteten uns die PSTler den Abend! Sie liehen uns drei ihrer 15l Flasche und ermöglichten es uns so zum Apostelsee bei Ettenheim aufzubrechen. Der Nachttauchgang war gerettet! In absoluter Dunkelheit erreichten wir den ersehnten See und sichteten zunächst den Einstieg. Der Zugang zum See glich einem steilen Abhang über Abbruchkanten und erodierten Boden. Besonders mit einer 15er bei Dunkelheit und Regen sollte dies zu einer Herausforderung werden und natürlich nahmen wir die Herausforderung an, jetzt, da wir schon so weit gekommen waren. Tauchlampen erleuchteten unsere Aufrödelstelle zwischen den Autos und wir schlüpften dem kalt-nass-windigen Wetter entkommend in die Trockis hinein. Fertig aufgerödelt wollten wir hinab zum See aufbrechen, als Arne ganz trocken frage: „Michael, blute ich?“ starkes Nasenbluten hatte bei ihm aufgrund der zu engen Halsmanschette eingesetzt und natürlich waren alle Autoschlüssel bereits fein säuberlich im Unterzieher von Michael verpackt. Nachdem wir den Schlüssel herausfischen und Arne von seiner Ausrüstung befreien konnten, brachen Michael und ich allein in den Apostelsee auf – schade, denn auch Arne hatte sich den Nachtauchgang ersehnt. Wirklich tief gehen konnten wir wegen den bereits absolvierten Tauchgängen am Tag nicht, obwohl auch der Apostelsee bis zu 40m hinunter reichen sollte. Kaum im Wasser und nach dem Abtauchen auf 5m angekommen tilte mein Tauchcomputer. E37 zeigte das Display und eine Tiefenanzeige war nicht mehr zu sehen. Nur die Maximaltiefe wurde noch gemessen und angezeigt. Mit einem Hinweis gen Michael führten wir den Tauchgang mit seinen zwei funktionierenden TCs fort – ich nun im völligen Blindflug und Abhängigkeit von ihm. Wahre Worte: So etwas hätte ich sonst mit niemandem gemacht. Schon nach wenigen Flossenschlägen über sandigen Grund und auf ca. 13m trafen wir auch im Apostelsee auf behangene Tothölzer, die formlich aus dem Nichts auftauchten und bei einem Nachtauchgang wie diesen gespenstisch wirkten. Bei diesem Tauchgang begegneten wir unzählig vielen Aalen, überwiegend kleinen Exemplaren, kleineren und größeren Barschen, Rotfedern und oder Rotaugen und zum krönenden Abschluss einem großen Hecht von ca. 60cm. Außerdem rettete Michael einen Fisch, der sich in einem Kartoffelsack mit Pappe verfangen hatten und wir mussten ein Stück ohne Grundsicht im Freiwasser um einen umgekippten Baum herum. Der größte Schreck- sowie Lachmoment war jedoch, als Michael sich näher zum Uferhang positionierte, ich zu ihm blickte und nur etwas wahnsinnig, schwarzes, großes vor meiner Maske erblickte…es war seiner Flosse! Über eine von Arne installierte Taschenlampe am Einstieg fanden wir diesen wieder. Der Abend klang dann bei Kuchen, leckeren Getränken, Geschichten und Erzählungen im Bus von Michael aus. Ein genialer Abend! Um 03:30 fanden dann auch Arne und ich unseren Weg ins Bett.

Am nächsten Morgen hieß es dann auf nach Frankreich – wenn auch müde! Wegen des Graviére du Fort waren wir hier und freuten uns auf das Gewässer! Der Parkplatz explodierte. So viele Taucher auf einem Fleck sah man selten…und bei erster Sichtung des Sees wurde deutlich, dass dies wohl der Touristenmagnet unter den französischen Seen sein musste. Die Sichtweiten ließen anmuten weswegen! Aber lange Rede, kurzer Sinn: Nur die PSTler brachen an diesem windig-kalten-regnerischen Morgen zum Tauchen auf. Neben der zu engen Manschette von Arne, fühlten wir uns nicht fit und da wir durch müdigkeit den Tiefenrausch nicht begünstigten wollten, beschlossen wir, diesen See ein andermal zu entdecken. Ärgerlich, aber wohl auch vernünftig. Um so Argerlicher: das französische Tauchrecht…als CMAS** darf hier miteinander nicht tiefer als 20m gegangen werden. Um tiefer zu gehen, ist ein CMAS*** nötig. Auch TL* dürfen hier nicht mit CMAS* & ** tauchen. Auch hier wird *** vorausgesetzt…ein bitterer Beigeschmack.
Dennoch ein klasse Wochenende mit ganz unterschiedlichen Tauchern, jede Menge Tauchen & Erfahrungen! Seid doch das nächste Mal einfach mit dabei!
J. Mahlitz




