In einem meiner vorherigen Berichte über die Nagoldtalsperre erwähnte ich hie und da die Sauertalsperre in Luxemburg. Vergangenes Wochenende (17.- 18. August 19) war ich, gemeinsam mit Arne, wieder dort und nun möchte ich euch mit diesem Bericht einladen, die Sauertalsperre selbst zu entdecken. Für eine kleine Clubausfahrt bietet sie sich auf jeden Fall an!

Die Sauertalsperre liegt im Ardennenmassiv im mittleren Norden Luxemburgs innerhalb eines Naturparks und ist der Trinkwasserspeicher des kleinen Landes. Das Tauchen ist ganzjährlich erlaubt, es fallen keine Kosten oder Genehmigungen an, eine Vielzahl von Tauchplätzen sind vorhanden, sowie die nötige Tauchinfrastruktur und Nächtigungsmöglichkeiten.

Auch dieses Mal verschlug es uns in den kleinen, ruhigen, im Wald und am Wasser gelegenen Ort Lultzhausen, den wir durch den Trierer Verein TST kennenlernten. Das besinnliche Dörfchen wirkt verschlafen und nur eine Straße, sogar eine Einbahnstraße, führt hindurch. Taucher, Wanderer, Kayakfahrer, Kanufahrer, Radfahrer und Spaziergänger jedoch trafen wir an jeder Ecke.

Auch der Fußballplatz und die Basketballanlage waren gut besucht. Der Kompressor der Tauchbasis brummte leise an der Landspitze von Lultzhausen und dennoch war da diese bergische Ruhe – ein Urlaubsfeeling. Schön, endlich angekommen zu sein.

Zugegeben, dass Wetter spielte nicht so recht mit und ein bedeckter Himmel erwartete uns bei 16 Grad. Natürlich hatten wir auf Sonnenschein und warmes Wetter gehofft, doch wenigstens brach die Sonne ab und an mal durch. Gerade einmal gute 100 Meter vom Wasser der Sauer entfernt, kehrten wir mit Blick auf das Gewässer in ein Hostel ein. Liebevoll JuHe (Jugendherberge) geschimpft, wurden wir bereits erwartet und freundlich empfangen. Anschließend fuhren wir mit dem Auto zum Entladen vor.

Unser Equipment brachten wir im Taucherraum am Fuße der Sauertalsperre unter. Neben Stauraum und einer Druckluft-Füllanlage für gleichzeitig 4 Flaschen, stehen hier auch Duschen, sowie Toiletten und Umkleideräume bereit.

Die große, überdachte Terrasse bot genügend Platz zum Aufbau der Geräte, denn der erste Tauchgang sollte nicht lang auf sich warten lassen. Insgesamt hatten wir für das Wochenende 5 Tauchgänge eingeplant, in denen wir uns mit der neuen Gerätekonfiguration vertraut machten und übten. Der Trimm mit den Doppelgeräten (D7 & D12) musste besser werden, wir mussten länger und besser stationär bleiben können (also ohne jegliche Bewegung im Wasser still schweben), außerdem waren Backkick (rückwärtiger Flossenschlag) und Helicopterturn (drehen um die eigene Achse bei horizontaler Wasserlage) angesagt. Demonstrations- charakter sollten die auszuführenden Übungen besitzten...ha...leichter gesagt als getan. Ein reines Übungswochenende also erwartete uns, welches uns den Einstieg ins technische Tauchen erleichtern sollte bzw. Voraussetzungen waren.

Wir starteten den ersten Tauchgang an der JuHe und stiegen links der Ponton-Brücke ins Wasser. Das Ufer zu unserer linken. Der für mich vierte Tauchgang mit der Doppel 7 begann und wir wunderten uns über den geringen Wasserstand der Talsperre. Mit so wenig Wasser hatten wir die Sauer bisher nicht zu Gesicht bekommen. Die natürlichen Orientierungspunkte langen nun allesamt oberhalb der Wasseroberfläche. Normalerweise lag auch die Betonführung des Brückenzugangs bis zur Hälfte hinauf zur Grasnarbe unter Wasser. Nun gut, 3-5 Meter weniger Wasser machten schon einen Unterschied, dennoch trafen wir auf die Leine, die zur Plattform in den See hinausführte.

Die erste Überraschung erwartete uns direkt an der Plattform im schimmernden Grün auf 5 Meter. Ein großer, ca. 60-70 cm langer Saibling ruhte sich genüsslich auf dieser aus und beobachtete uns mit großen Augen...und wir beobachteten ihn. Der magische Moment verflog, als er sich langsam zum Rand der Plattform aufmachte und im trüben Wasser verschwand. Dennoch: ein weiterer einheimischer Fisch, den wir auf unserer „Gesehen“-Liste ankreuzen konnten! Klasse! Nun konnten wir mit den Übungen beginnen. Nur schemenhaft konnten wir einander erkennen, wenn wir beide an den gegenüberliegenden Enden der Plattform waren. Die Sicht betrug etwa 3-4 Meter, recht akzeptabel trotz der Regenfälle. Nach 63 Minuten kehrten wir der Plattform den Rücken und gelangten zum Einstieg zurück. Auch hier war ein Umdenken nötig, denn das Betonfundament ragte ebenfalls aus dem Wasser und konnte nicht als Anhaltspunkt dienen.

Das Nachbriefing war, trotz der Snacks ernüchternd. Die Atemregler mussten umkonfiguriert werden, um den Kopf überstrecken zu können. Gleichzeitig jedoch waren wir Beide enorm kopflastig und verrenkten den Oberkörper so steil, dass wir ins Hohlkreuz fielen. Da half auch Körperspannung nicht. Um eine V-Blei Schiene (die zwischen den beiden Flaschen geführt wird) zu simulieren, und dadurch mehr Gewicht im unteren Rumpfbereich zu erhalten, halfen wir uns mit zwei Kilostücken am hinteren D-Ring des Schrittgurtes aus und es funktionierte. Unsere Wasserlage stabilisierte sich beim zweiten Tauchgang und das stationär bleiben konnten wir mit einem Haken versehen. Nun in der Lage horizontal im Wasser zu schweben, begannen wir mit den Übungen, doch leider machte uns die Sicht einen Strick durch die Rechnung: Videoaufnahmen fürs Nachbriefing waren nun nicht mehr möglich, da es im Hinterland offensichtlich stark regnete und die Sich damit auf ca. 1-2 Meter fiel. Schade, dennoch führten wir die geplanten Übungen durch, beobachteten einander und gaben uns Tipps.

Nach einer weiteren Stunde kehrten wir an die Oberfläche zurück. Die Flaschen und unsere Mägen wollten befüllt werden. Die Füllanlage des dort ansässigen Tauchvereines funktioniert simpel: 50ct gegen etwa 50-70 bar Luft. Die Füllstation wurde zu unserem besten Freund, an diesem Wochenende. In der JuHe duftete es bereits nach leckerem Essen. Neben einem Salat und einer Tomatensuppe als Vorspeise, gab es als Hauptgang einen Fleischspieß mit Reis, Nudeln und Bohnen in leckerer Soße. Als Nachtisch lockte Creme Brulee. Der Speisesaal füllte sich mehr und mehr mit Leuten, die in und um die JuHe unterwegs waren. Freudig über den gelungenen Erfolg genossen wir das Essen und bezogen anschließend unser Zimmer im Hauptgebäude. Etwas relaxen musste sein, denn wir wollten fit in den Nachttauchgang starten. Immerhin besaßen wir selten die Gelegenheit dazu.

Das Zimmer, dass uns erwartete war super. Viel Platz, viele Fenster, Schränkchen, ein Tisch, ein eigenes WC mit eigener Dusche und ein Doppelbett. Epic Win! Besser hätte es uns nicht treffen können! Offensichtlich war es auf mehrere Personen ausgelegt, doch das störte uns nicht. Ohnehin würden wir uns nur zum Schlafen in den Räumlichkeiten aufhalten. Wir nahmen unsere Logbücher zur Hand und fertigten Eintragungen an. Das Nachbriefing hatten wir bereits beim Essen erledigt und kamen zu dem Ergebnis, dass V-Blei Schienen hermussten. Außerdem würden wir das Brückenventil an der D12 umschrauben müssen, um es in eine aufrechte Lage zu bekommen – erst dann war das vernünftige Überstrecken des Kopfes möglich. Ein Vorhaben, dass wir erst in Deutschland wieder lösen könnten.

Um halb Zehn begleitet von Dunkelheit wateten wir ins Wasser und brachen zum Nachttauchgang auf. Auch hier hielten wir das Ufer zu unserer Linken. Wir begegneten zwei weiteren großen Saiblingen, großen Barschen von ca. 30 cm und beobachteten Unmengen brauner Flusskrebse dabei, wie sie sich schützen vor ihre kleinen Höhlen stellten. Deren Augen funkelten...es funkelte überall. Kleine schlafende Barsche sowie Grundeln begegneten wir und die dunklen, schwarzen Schieferwänder schluckten das Licht unserer Lampen. Die Sicht hatte sich nicht gebessert, der Regen wurde stärker. Konzentriert beobachteten wir die Flusskrebse und ihre glimmenden Augen, als wir beide vor die Plattform der nahegelegenen Basis döckten. Arne mit dem Kopf voran zuerst und als ich verwirrt zu ihm rüber schaute bremste mich mein Brückenventil aus. „Ach ja! Mein Aufbau ist höher als sonst!“ fiel es mir wieder ein. Ich musste mich noch an den kleinen Kühlschrank auf dem Rücken gewöhnen. Liebgewonnen hatte ich ihn schon. Prompt waren wir beide wieder wach und lachte über die kuriose Situation. Ab jetzt Augen nach vorn. Überhänge untertauchten wir, bis wir uns zur Wende entschlossen, denn das Schiefer schluckte das Licht nach wie vor und wir waren in einem Bereich angelangt, in dem wir uns nicht auskannten. Erschrocken fanden wir uns wenig später unter einen Anlieger wieder, eine Treppe, die ins Wasser führte. Dieses Mal eckten wir nicht an! Die Leine, die zur Plattform in den See hinaus führte sahen wir früh genug und der Einstieg konnte nicht mehr weit entfernt von uns sein. Ich verblieb auf 2 Meter, wo wir uns zuvor ein paar Punkte gemerkt hatten. Arne jedoch hing in etwa 4 Meter Entfernung tiefer am flachen Hang. Durch die Lampen konnten wir einander nicht verlieren und es geschah, was geschehen musste. Ein großer Wels, anmutig in seiner Schönheit, begegnete Arne auf einer Tiefe von ca. 6 Meter. Ein Fisch, den ich unbedingt sehen wollte! Verdammt! Ich traf auf die Markierungen und deutete Arne zu mir. An der Oberfläche stellten wir fest, dass sein Computer über eine falsche Amplitude verfügte und er die Tiefe nicht richtig anzeigte. „Ich dachte, ich wäre auf zwei Meter und du an der Wasseroberfläche...“ sagte er und erzählte von dem Wels. Den ganzen Abend ärgerte ich mich darüber.

Der nächste Morgen war ebenso diesig. Es fisselte leicht und dicke Wolken zogen über die Hügel des Ardennenmassivs. Das Buffet-Frühstück stand bereit und so locken uns verschiedene Müslis, Brote, Brötchen, unterschiedliche Käse- und Wurstbelege, Marmelade, Nutella, Honig, Milch, Tee und Multivitaminsaft in den Speisesaal. Reichhaltig gesättigt packten wir unsere Sachen, brachten unsere Bettwäsche hinunter zur Wäscherei und übergaben das Zimmer (Übergabe bis max. 10 Uhr). Zu unserer Überraschung hatten wir heute im Taucherraum französische Gesellschaft. Wir sattelten unser Equipment auf dem Rücken und brachen gen Wasser auf. Über das kleine gepflasterte Stück, entlang der Parkverbotszone führt eine kleine Treppe bis an die Sauer hinunter. Nach ca. 100m Fußweg ist man dann frei von Schwerkraft.

Nach dem Abtauchen fanden wir uns auf dem Weg zur Plattform wieder und Arne deutete mir, dass sein Computer ausgefallen sei. Der TC registrierte nicht, dass wir uns bereits auf zwei Meter tiefe befanden. Wir setzten den Tauchgang fort und übten wie geplant auf der Plattform bei 5 Meter. Der Backkick funktioniere immer besser bei uns beiden, dennoch gerieten wir ab und an in eine Pendelbewegung, die uns aus der horizontalen Lage zwang. Das hieß weiterüben – irgendwo hakte es noch. Durch die starken Regenfälle in der Nacht verminderte sich die Sicht und eine gewisse Strömung war aufgekommen. Die kleinen Schwebeteilchen huschten an uns vorbei, während wir den Helicopterturn übten. Auch dieser funktionierte zunehmend erfolgreicher. Immer wieder sahen kleine, neugierige Barsche und andere Fische auf der Plattform nach dem Rechten. Nach vierzig Minuten stand dann die Frage im Raum, ob wir weiter üben oder die restliche Luft beim Dahintauchen verbrauchen wollen. Wir kehrten wegen des ausgefallenen Computers zum Einstieg zurück.

Die Hoffnung, dass sich der Computer zurücksetzen würde, wenn wir die Batterie einmal entnehmen und wiedereinsetzen, bestätigte sich und ich nutzte die Gelegenheit eine kleine Runde mit der D12 auf 6 Meter zu drehen und die Synchronität der Computer zu testen.

Ja, zugegeben, die Doppel 12 ist an Land mit ihren 44 kg ein ziemlich großer, sperriger und unbequemer Kühlschrank und 2/3 meines eigenen Körpergewichtes, aber unter Wasser ist sie genial! Ohne großartig etwas dazu zu tun, konnte ich stationär bleiben, einen sauberen Backkick ausführen und trotz der großen Flaschen wendig bleiben. Nach vier Minuten jedoch kehrte ich an die Oberfläche zurück (auch wenn ich gerne noch geblieben wäre!) und konnte Arne freudig berichten, das sein TC wieder korrekt und intakt lief. Das Umrödeln erfolgte, während wir einen der französischen Taucher beobachteten. Es war ein Sidemount, womit er tauchte und ich beneidete ihn um die Erfahrung. Zu gerne hätte ich ihn unter Wasser beobachtet. Wir wateten bei inzwischen starkem Wind aus dem Wasser hinaus. Es ging zurück zur JuHe, wo wir füllten und snackten.

Ein letzter Tauchgang stand uns noch bevor, mein 111. und Arnes 199. Wir entschieden uns der Jolle, die wir im April gefunden hatten, einen Besuch abzustatten und uns umzusehen. Ein Feuerzeug steckte im Sediment das im Boot lag und bei 17 Meter war es nicht nur äußerst dunkel, sondern auch kalt! Unsere dünnen Unterzieher waren nicht auf 10 Grad ausgelegt und so stiegen wir wieder auf und verließen die Sprungschicht bei 8 Meter. Noch einmal betauchten wir die schwarzen Schieferhänge, wichen dieses Mal der Plattform aus und wendeten, als meine Lampe in den Sparmodus wechselte. Die Sonne brach durch die Wolken und erhellte das olivgrüne Wasser immer wieder. Dann geschah, was ich nicht für möglich hielt – ja, ein Traum ging in Erfüllung! –. Als wir unsere TCs anhand der Tiefe abglichen, schlängelte sich der größte reine Süßwasserfisch gemütlich unter einem Baumstamm her und präsentierte sich. Endlich! Ein Wels von ca. 40 – 50 cm. Ein vergleichsweise kleines Exemplar, aber dennoch! Endlich ein Wels! Die Barteln, die lange untere Flosse, die Gemütlichkeit und die Neugierde dieses Fisches. Er warf uns einen neugierigen Blick zu und verschwand dann Hang abwärts gen Sohle der Talsperre. Was ein Glück! Zu gern hätte ich ihn ein Stück begleitet! Wir tauchten weiter und mündeten an der Leine zur Plattform. Auf dieser vollzogen wir noch einmal alle Übungen und kehrten dann nach guten 63 Minuten zum Einstieg zurück. Ein Wochenende an der Sauertalsperre lohnt sich immer! Obwohl wir nicht nach Fauna gesucht hatten, begegneten wir großen Barschen, tollen Exemplaren von Saiblingen, einem Wels, einer Vielzahl von Flusskrebsen und Grundeln. Die Sicht war schon mal besser (6-10 Meter!), in der Tat, aber auch diese „Brackwasser“-Tauchgänge machen unheimlich Spaß!