November 1992 von Lukas Rüttiger

Will man eine Reise tun, dann sollte man sich rechtzeitig mit dem geeigneten Kartenmaterial, Reiseführern, Reiseberichten, Anfahrtsmöglichkeiten und vor allem persönlich eingeholten Urlaubserfahrungen versehen. So gemacht vor unserem seit längerem geplanten, wohlverdienten Urlaub, den wir dieses Jahr auf Sardinien verbringen wollten. Nein, ein normaler Urlaub sollte es dieses Jahr nicht werden, schließlich hatte man seit einiger Zeit sein Tauchsportabzeichen in der Tasche und will dann ja auch mal was anderes sehen als immer nur die zartgrünen 5 bis 10 m Sicht des Bodensees. Kurz gesagt: Das Meer ruft, schnell das Auto vollgepackt und ab zur Fähre nach Sardinien.

Kauft man einen Reiseführer, so sucht man in ihm Informationen über Land, Leute und Gegend. Will man auch noch tauchen gehen, so kauft man sich einen „Tauchreiseführer“. Was immer das heißen mag – der von uns erworbene „Tauchreiseführer Sardinien“ vom Nagelschmid Verlag Stuttgart stellte sich bald als unnötiger Ballast heraus: Im allgemeinen Teil erinnern die einschlägigen Passagen in Satzbau und Wortwahl schon sehr verdächtig an den „Merian Sardinien“. Allerdings ist der Merian (Erscheinungsjahr 1986) für Sardinienurlauber unbedingt zu empfehlen, auch alle Tipps und Hinweise sind trotz der 6 Jahre seit Erscheinen immer noch aktuell.

Ganz anders dagegen der Tauchreiseführer vom Nagelschmid-Verlag: Die wenigen „Alibi“-Tipps hätten sich die Autoren gleich sparen können; alles, was eventuell wichtig sein könnte, im Nagelschmid findet sich praktisch nichts davon. Ich vermute, selbst ausschließlich zum Tauchen angereiste, in der Masse einfallende, scheuklappenbemaskte bayerische Tauchclubmitglieder (die von uns leider auch zu beobachten waren) wären von diesem Führer enttäuscht: Im speziellen Tauchteil bietet der Nagelschmid eine kurze Charakterisierung von ganzen 5 (fünf!) Tauchbasen.

Zugegeben: Die Bilder dazu sind wirklich hübsch. Aber entweder hätte ich mir eine etwas bessere Beschreibung der Basen gewünscht oder etwas mehr von den weiteren 17 Tauchbasen, die auf Sardinien zu finden sind (und das ganz ohne Reiseführer). Enttäuscht war ich ehrlich gesagt am meisten davon, dass weder die Preise für Ausfahrten, Füllungen oder Leihgerät aktuell sind noch Ausfahrtzeiten. Von einem Reiseführer von 1990 sollte man zumindest erwarten, dass diese Angaben noch einigermaßen aktuell sind.

Wenn dann auf einmal gar kein Bootssteg da ist, wo dieser als so praktisch beschrieben wurde, oder mit fetten Lettern eine Tauchbasis mit „Höhlentauchen am Capo Testa“ beschrieben wird, obwohl sie am Capo Caccia am anderen Ende der Insel liegt, so mag man an der Güte des Recherchierens schon mal zweifeln. Wenn man dann aber die Beschreibung einer Tauchbasis liest, an der genau man im Moment im Sand liegt (Stintino), und merkt, dass der Autor ganz sicher nie persönlich hier gewesen ist und seine ganzen Informationen von einem Clown bezogen haben muss, dann fühlt man sich fast schon ein bisschen verarscht.

Mein Tipp an alle, die nach Sardinien gehen und tauchen wollen: Adressen abschreiben (die der Basen), Kurzbeschreibung durchlesen und Nagelschmid zurück ins Regal stellen. Einen handfesten Reiseführer kaufen (mein Tipp: Apa Guides von Apa Publications RV Verlag Stuttgart, sehr ans Herz gelegt sei auch der Merian Sardinien) und die „Freizeit“ vor und nach dem Tauchen mit Schmökern oder besser noch: mit kleinen Ausflügen in die Umgebung verbringen.

Sardinien ist ein Land, das sich optimal zu einem „nicht nur tauchen“-Urlaub eignet. Trotzdem: Was es unter Wasser zu sehen gibt, lässt keine Wünsche offen. Doch das im nächsten Heft.

Ich wünsche allen, die ich nicht mehr im Training, am Weihnachtsmarkt oder bei der Weihnachtsfeier sehe, einen guten Rutsch ins neue Jahr!

L.R.