August 1993 von Bea Rüttiger

Mitten im August 93 machten wir uns mit dem Auto und der kompletten Tauchausrüstung auf den Weg nach Katalonien. 5 Tage, mit Fahrt 7, sind nicht übertrieben viel zum Tauchen. Aber die Frage, ob sich das trotzdem lohnt, mussten wir uns nicht stellen, weil wir als Alibi Freunde in der Nähe von Figueras besuchten, bei denen wir Kost und Logis hatten.

Tauchen fahren konnten wir von unserer Wohnung in Castello d'Empuries aus entweder nach Rosas oder nach Escala Montgo, alles so zu erreichen, dass man nicht allzu früh aufstehen musste. In Rosas machten wir eine Füllstation aus, deren Boot "The Diver" (welch fantasievoller Name für ein Tauchboot) die Küste Richtung Süden abklapperte.

Getaucht wurde bei "Tres Coves" an der Steilwand. Auf dem Boot trifft man natürlich allerhand Landsleute. Ich habe verewigt, wie Herman "The Killershark" lautstark den Beschuldigungen begegnet, er hätte fast seinen Kumpel ermordet (was ich bezeugen kann). Erstaunlich, wie uns Deutschen Deutsche gleich so deutlich deutsch auffallen!

Außer Herman beobachteten wir beim Tauchen Edelkorallen, Pumanacktschnecken, Weißspitzenriffgurken, Purpurschrecken etc., aber die benahmen sich besser. Am nächsten Tag zuckelte das Boot an der Küste Richtung Frankreich lang. Vor einer Grotte, mit schwimmbadtürkisem Wasser gefüllt, wurde geankert und auf drei Meter hineingetaucht. In einem schornsteinartigen Gang (mehr artig als schornsteinig) konnten wir aufsteigen und uns ein bisschen Luft schnappen, wobei die Luft aus dem Automaten dann doch vorzuziehen war. Wir hatten da oben zu dritt Platz, um uns in die aufgequollenen Gesichter zu grinsen. Der Dritte war eine Französin, die von der farblosen Tiefe, in die es nach dem Höhlenbesuch ging, magisch angezogen wurde.

Ich fragte mich, ob da unten ein Loch mit Sogwirkung war, jedenfalls stach Madame Plongeuse den vielen lila Fadenschnecken, weißen Gorgonien, Mundskorallen und Eisseesternen Missachtung schenkend immer weiter ins Unwirtliche, bis man sie mit der Kordel ihrer Lampe fesseln musste, um sich in Ruhe alles ansehen zu können.

Weitere Grotten besuchten wir tags drauf in Escala Montgo. Zwar nicht groß, aber interessant bewachsen. Beängstigend, wie Ramona aus Karlsruhe sie empfand, waren sie leider nicht. Ihr Freund war übrigens nicht deshalb dabei, um sie zu beschützen, sondern um ihr Blei zu tragen, das für sie zu schwer war.

Von Rosas aus Richtung Cadaqués schipperten wir am nächsten Tag eine Stelle an, bei der man direkt über einer versenkten antiken Kanone abtaucht. Dann ging es ruckzuck tiefer an einer gorgonienbewachsenen Steilwand lang und runter in diffuse Tiefe. Benoit aus der Champagne, der uns an Bord mit seinem ekelhaft akzentfreien Deutsch neidisch gemacht hatte, tauchte grundsätzlich 10 Meter unter uns. Das muss teilweise ziemlich komprimierend gewesen sein und gesehen hat er sicher nichts. Wir aber dafür (ätsch!) auf 40 Meter und über uns die Steilwand: Den größten Oktopus unserer erst 2-jährigen Tauchkarriere. Wir bekamen Augen wie Untertassen und die Monstersaugnäpfe waren genauso groß.

Am Abend des 4. Tages ließen wir nur unsere Flaschen füllen und fuhren mit dem Auto nach Cadaqués. Hierfür braucht man allerdings einen besseren Magen als mit dem Schiff. Unser Costa Brava Tauchreiseführer beschrieb eine von Land aus begehbare Stelle, bei der ein Schiffswrack liegen sollte. Die Stelle fanden wir nur mit Ach und Krach, das Wrack dafür umso leichter. Es lag auf 23 Metern und bedeckte den Meeresboden, soweit die Maske reichte. Wir tauchten ungelogen stundenlang darauf herum. Ein ästhetisches Erlebnis für sich, nicht zu vergessen der Bewuchs und die Fischschwärme darauf. Der Rückweg in die Bucht war jedoch ziemlich beschwerlich; meist auf 3 Metern und bei starkem Wellengang. Und wenn man den Tauchgang dann abgeschlossen hatte, gab es nicht mal Calamares und Bier.

Als Abschluss des Kurztrips traten wir noch einen Austauch bzw. Ausflug zu den Medas-Inseln an. Mit dem Boot aus Escala, das mit 25 Leuten ein bisschen überladen war. Ramona aus Karlsruhe war auch wieder mit dabei und stand mit ihren 12 Kilo Blei wie eine Eins im Wasser (was nicht positiv gemeint ist). Sie und ihre Kollegen rückten uns beim Tauchen immer näher auf die Pelle. Da wir aber keine Unterwasserführungen machen, drückten wir uns zwischen den Felsen durch. Dank dieser Flucht trafen wir eine Rotte fetter, verschüchterter Zackenbarsche, die ebenfalls geflüchtet sofort die Farbe der Umgebung annahmen (doch einen alten Tauchhasen täuscht das nicht, hähä!).

Die Islas Medas sind quasi bis zur Halskrause voll mit Tonnen von Fischen, so dass man gern Zeit, Ort und Bar vergisst und vor Staunen fast den Automaten loslässt. Das kann zum Verhängnis werden, zumal man glaubt, bei einer bestimmten Insel zu sein, und dabei ist es eine ganz andere. Dann kann es passieren, dass man mit leerer Flasche auftaucht und das Boot ist ein Punkt am Horizont. Muss man eben zurückschnorcheln, das geschieht einem recht!

Damit war unser Tauchkurzurlaub oder Kurztauchurlaub beendet. Immerhin ist die Fahrt dahin nicht weit und es ist beruhigend, dass Tauchplätze, die besser sind als ihr Ruf, in relativ kurzer Zeit zu erreichen sind. Und wenn man nicht gerade taucht, gibt es genügend Sehenswertes an Land. Z.B. die Sümpfe Aiguamolls oder eine Wanderung in lauschigem Gebirgsflussbett inklusive Bad.

Doch nicht zu vergessen: Den Tag Autofahrt zum Urlaubsziel hin macht man mit links. Aber zurück in den Alltag... da sieht es dann wieder anders und etwas stressiger aus.