DAHAB

Oktober 1994 von René

Es gibt zwei Wege, um nach Dahab zu kommen. Die einfachere und meistbenutzte Reiseroute führt via Kairo nach Sharm el Sheik. Zweimal pro Woche fliegt Condor von allen großen deutschen Flughäfen dort hin. Am Flughafen warten Sammeltaxis, welche einen in 1 1/2 Stunden nach Dahab bringen. Startet man gegen 7 Uhr in Tübingen, so kommt man um ca. 17 Uhr in Dahab an.

Die zweite Möglichkeit besteht, indem man mit El-Al von München nach Tel Aviv und von dort nach Elat fliegt. Dann über die ägyptisch-israelische Grenze nach Taba. Weiter geht’s dann wieder mit einem Sammeltaxi nach Dahab. Diese Route ist zwar um knapp 250 DM preiswerter, doch verliert man wegen der ungünstigen Flugzeiten einen Reisetag. Die späte Ankunft in Elat (ca. 23 Uhr) zwingt einen zu einer Übernachtung und die ist nicht gerade preiswert. Die Vorteile dieser Strecke liegen im fast immer vorhandenen Last-Minute-Platz und in der Möglichkeit, in Elat schon mal in das Rote Meer einzutauchen.

Tina, Siggi, Ulli Egert und ich nahmen der Bequemlichkeit halber im März die Sharm-Strecke. Beim Umsteigen am Flughafen München gesellte sich noch Alf zu uns, ein Taucher aus Saarbrücken. Für 60 DM brachte uns ein wirklich anständiger Fahrer nach Dahab. Dort bezogen wir sofort unsere Zimmer im Camp. Dabei handelt es sich um 12 qm Räume mit 6 Teppichen, einem Fenster und einer Holztüre. Der Innenhof bietet Sitzgelegenheiten unter kleinen Grünpflanzen, einen Ziehbrunnen nebst antiker Waschmaschine und mehreren Wäscheleinen sowie im hinteren Teil zweier Toiletten und dreier Duschen. Die sanitären Anlagen waren stets in sauberem Zustand. Natürlich packten wir auch unser Tauchgerödel, um am nächsten Morgen möglichst schnell ins Wasser zu kommen.

Der folgende Morgen stellte uns vor einen ganzen Berg organisatorischer Probleme. In welcher Kneipe gibt es Frühstück innerhalb einer Stunde, welcher Tauchplatz ist bei Wind möglich, wo holen wir unsere Flaschen, fünf und Refill oder doch gleich zehn Stück, muss ich noch auf den Topf... usw? Nach Hinterlegung unserer Tauchpässe war es dann soweit. Rein ins Wasser und... Toll! 20 Grad, gute Sicht und jede Menge Getier.

Dahab selbst bietet um die zehn verschiedenen Tauchplätze, welche alle mit dem Pickup innerhalb 45 min zu erreichen sind. Für manche ist eine Sondergenehmigung nötig, man muss sie jeden Tag neu erwerben, die Fahrer sind einem dabei behilflich. Nur ein paar der schönsten Plätze: Three Pools sind 3 flache Tümpel im Saumriff, welches weiter draußen auf bis über 50 m langsam abfällt. Ideal zum Eingewöhnen. The Islands sind zwei riesige, parallel stehende Riffblöcke, die vom 20 m tiefen Sandgrund bis fast an die Oberfläche reichen. Dort bietet sich eine wunderschön zerklüftete Landschaft und Barrakudaschwärme gehören zum Standard. Am Eelgarden lebt die größte Sandaalkolonie, die ich kenne. Mehrere hundert Einzeltiere wiegen sich dort in der Strömung. Der Canyon ist auch bei starkem Wind zu betauchen, da der Einstieg durch eine seichte Lagune führt. Der Canyon selbst ist durch Übertauchung leider so gut wie tot. Nördlich dann das Blue Hole. Schon von Weitem kann man das ca. 50 m im Durchmesser große Loch im Saumriff sehen. Im Inneren leben einige kapitale Zackis, Rochen und der obligatorische Schwarm Barrakudas. Mit etwas Glück begegnet man Thunfischen, da es tief unten eine Öffnung ins Freiwasser gibt. Die Außenwand ist ein 300 m tiefer Steilhang, welcher etwas nördlich an den Bells sogar leichte Überhänge bietet.

Wem das Alles noch zu wenig ist, der kann eine Tour in ein Wadi (trockenes Flusstal) unternehmen. Zwischen schroffen Felshängen schlängelt sich das Flussbett durch die bizarre Berglandschaft. Wenn’s für den Jeep zu eng wird, geht es zu Fuß weiter. Nach einer kurzen Kletterpartie eröffnet sich einem ein neues, weites Flussbett. Diese Tour kann man beliebig ausdehnen, bis einem der Durst zurück zum Jeep treibt, wo der Fahrer schon mit frischem Tee wartet.

Wer einen Tag opfert, kann einen Trip zum Katharinenkloster unternehmen. Vor mindestens genauso vielen tausend Jahren, wie dort Touristen anzutreffen sind, brannte angeblich der Dornbusch. Weiter geht’s auf den Mosesberg, um den Sonnenauf-/untergang zu bewundern. Ein anderer Tagesausflug führt in den Süden. Bei Nabeq (ca. 70 km südlich) wachsen die nördlichsten Mangroven der Welt. Auf den dortigen Riffen ragen Wracks mehrere Stockwerke hoch in den Himmel. Sie wurden von Stürmen in der Straße von Tiran dort hinaufgeworfen. Angeblich kann man dort auch tauchen, bei uns war jedoch starke Strömung und schlechte Sicht. Alles in Allem ist Dahab immer einen Kurzurlaub wert.

Nachtrag zu Dahab

Steffen und ich waren jetzt im August noch mal in Dahab. Diese Reisezeit ist aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Zwar ist das Wasser klarer und auch wärmer (27-31 Grad), doch ist es an Land sehr heiß. Die Temperaturen gehen auch nachts kaum unter 35 Grad. Wenn dann auch das Meer kaum eine Abkühlung bietet, dann kann die ganze Angelegenheit doch schon sehr anstrengend werden.