Schwaben-Offensive am Roten Meer: 13-köpfige Tauchgruppe auf Abzeichenfang in Dahab
November 1994 von Susanne Kutter und Armin Dahl

Gerührte Kamelscheiße und ein Plastikflaschen-Meer
Herbstregen ließ das Wadi Dahab überlaufen – Blue Moon Café fehlt jetzt die Seitenwand
DAHAB/TÜBINGEN/ROTTENBURG – Dahab im Herbst ist einfach verlockend: Nicht so regnerisch und stürmisch wie das Mittelmeer um diese Zeit, Wassertemperaturen von konstant 27 Grad Celsius und das Korallenriff ist natürlich auch ein Argument. Wenn Thomas Wiedmeier als frischgebackener TL 2 dann noch anbietet, dort ein Nachttauch-Brevet zu organisieren sowie Silber- und Gold-Prüflingen Tauchgänge abzunehmen, ist es kein Wunder, dass eine Reisegruppe schnell auf 13 Leute anschwillt.
Der massive Schwaben-Strom, der sich demzufolge Anfang November auf Dahab ergoss, löste allerdings im fast leer stehenden Oasis Camp keinen Kollaps, sondern freudiges Händeschütteln aus: Saleh, der inzwischen zum Organisator des Camps aufgestiegen ist, ließ die Hüttenschlüssel klimpern, Awayed, Sebil und Faradsch machten die Pickups für die tauchgierigen Tübinger und Rottenburger startklar.
Tauchen, Fische- und Korallen-Gucken und sogar die Abnahmen – das alles klappte ziemlich reibungslos und so relaxed, wie es sich eben für einen Dahab-Urlaub gehört. Nur mit den Wetterprognosen lagen wir etwas daneben: Während in Oberägypten ganze Dörfer wegschwammen, bekamen wir in Dahab ein paar Wolkenbrüche mit grandiosem Blitz-Gewitter-Spektakel und zwei Mal das Überlaufen des Wadis geboten.
Dabei muss das eine mit dem anderen nichts zu tun haben: Nach einem recht wolkigen Tag, der aber für Dahab keinen einzigen Regentropfen brachte, stand nachts urplötzlich das Wasser rund 20 Zentimeter hoch im Wadi. Recht amüsant, wenn man da nach dem Biertrinken im Nesima auf der anderen Seite des Wadis steht und nicht mehr ins Camp zurückkommt. Die Polizei hatte alles abgesperrt, weil trotz des geringen Wasserstands die braune Brühe ganz schön Strömung hatte und der Untergrund direkt am Strand so glibberig ist, dass man wohl nicht rübergekommen wäre. Also mussten wir den Umweg über die Teerstraße nehmen, aber auch da war es ganz schön unangenehm, die Kiesel um die Knöchel gewirbelt zu bekommen.
Zwei Tage später hat es dann auch in Dahab ganz heftig geregnet, was uns aber nicht davon abhielt, den zweiten Nachttauchgang für das entsprechende Brevet zu machen.
DAHAB
Thomas hatte das Lighthouse als Tauchplatz ausgewählt und sich noch ein paar nette Zusatzübungen für uns einfallen lassen: Den Partner auf und ab oder in einer großen Acht führen, während er die Augen vertrauensvoll schließt und seine Lampe ausmacht. Unter Wasser traf uns dann schier der Schlag, weil der viele Regen die Sichtverhältnisse in der Bucht auf Erzgruben-Niveau gebracht hatte – maximal eine Handbreit.
Brav begannen trotzdem alle Gruppen über dem sandigen Hang mit den Übungen, was jedoch nach kürzester Zeit zu einem Crash führte: Ich landete mit Spoony an der Hand in Tinas Truppe, sein Video-Leuchten-Kabel verfing sich in ihrem Tauchgerödel, wir zubbelten alle an irgendwelchen Ausrüstungsteilen herum, um das Ganze zu entwirren, und Spoony hielt die ganze Zeit die Augen fest geschlossen, in dem Glauben, das gehöre alles mit zum Spiel. Fast gleichzeitig tauchten kurz danach alle Gruppen auf, um zu besprechen, ob in der Soße weitergetaucht werden sollte. Sobald wir um die Riffecke am Nordende der Bucht bogen, war das Wasser aber wieder ganz klar. Es war wirklich nur der Dreck, der immer noch das Wadi hinunter und in die Bucht trieb, der uns die Sicht raubte.
Schon am kommenden Tag steigerte sich das Ganze zu einer wahren Schlammflut, die sich in die Bucht ergoss: So gegen zehn Uhr abends kündigte sich das Wasser, das wieder ohne Regenfälle vor Ort aus den Bergen kam, durch ein tiefes, durchdringendes Grummeln an. Alle rannten zum Wadi, wo sich diesmal ein regelrechter Sturzbach mit ein bis anderthalb Metern Höhe zwischen den Cafés und Restaurants hindurchzwängte. Die Bucht füllte sich in Windeseile mit „gerührter Kamelscheiße“ (O-Ton Armin) und Unmengen von Plastikflaschen, die von den Beduinen seit Jahren zwecks Abfallbeseitigung in die Berge gekarrt werden. Gerade als ich unsere Tauchlampen geholt hatte, um etwas herumfunzeln zu können, hatte sich der Fluss so weit in das Fundament des Blue Moon Cafés, das genau gegenüber am Wadi steht, gefressen, dass die Seitenwand den Halt verlor. Nach einem filmreifen Absacken um rund einen Meter kippte sie um und platschte am Stück ins Wadi, was uns trotz Rettungs-Sprint in eine Wolke feinen braunen Sprühnebels tauchte.
Nach diesem spektakulären Naturschauspiel brachen die Rottenburger gen Kairo auf, um sich ein bisschen Kultur einzuschenken: Katharinenkloster, Pyramiden und Basars Anschauen stand auf dem Programm. Die Tübinger Fraktion vergnügte sich derweil im deutlich trüberen Wasser noch ein paar Tage mit dem Tauchen.
Susanne Kutter
Dahab im November oder wie kriege ich preisgünstig das Logbuch voll
von Armin Dahl
Die folgenden Zeilen sind als kleiner Erlebnisbericht von zwei Kurztrips auf den Sinai (93+94) zu verstehen, wobei wir (Kutti und ich) natürlich nicht alles „abgehakt“ haben! Allerdings war es bestimmt nicht das letzte Mal, wenn also jemand Tipps, Erfahrungen und Sonstiges beisteuert, können wir jederzeit eine Neuauflage anpeilen.
FLIEGEN – FAHREN – WOHNEN: Preise und Zeiten
Der Flug mit Aero-Lloyd ab Stuttgart über München nach Sharm el-Sheikh hat inklusive Reiserücktrittsversicherung und Flughafengebühren etwa DM 925,- / Person gekostet, Reiseveranstalter war Nautico-Reisen/TUI in Hamburg. Die Aero-Lloyd sollte von Leuten, die pünktlich ankommen wollen, möglichst weiträumig umflogen werden. Abflug war in Stuttgart morgens 5:20 Uhr, Ankunft in Dahab ca. 16:00 Uhr, entspricht 17:00 Uhr Ortszeit. Auf dem Rückweg Abfahrt in Dahab 10:00 Uhr, Ankunft in Stuttgart 22:00 Uhr.

Bei Anreise über Sharm ist nur ein 14-Tage-Visum erforderlich (gibt es kostenlos am Flughafen). Wer länger bleibt, aus Kairo kommt oder ans Ras Mohamed will, muss einen Stempel mit Briefmarke für nochmals DM 10,- kaufen und seinen Pass bei der Polizei in Dahab registrieren lassen, sonst gibt es bei der Ausreise Ärger. Für das Taxi Sharm-Dahab muss man 120 ägyptische £ (1 £ ≈ 0,45 DM) hinlegen, egal wie viele Personen (maximal 7) mitfahren. Wer auf der Rückfahrt mit dem Bus von Dahab nach Sharm (8 £) fährt, kann auch an der T-Kreuzung vor Naama-Bay aussteigen, das spart Zeit und Geld (Taxi von Sharm zum Airport kostet mindestens 20 £).
Bei der Einreise über Israel wird man meist auf dem Militärflughafen in Ovda, in der südlichen Negev-Wüste abgeladen. Das kostet einen beim Campingflug mindestens 30,- DM Transfer hin und zurück nach Eilat und jeweils eine Stunde Fahrt. Besser ist der Direktflug nach Eilat (nur mit El-Al oder Arkia), von da aus braucht man über die Freihandelszone Taba mit Bus und Taxi mindestens zwei Stunden nach Dahab (wenn die Grenzer und Taxifahrer wollen). Der Grenzübertritt macht einen nochmals um ein paar Dollars ärmer. Das 7-Mann-Taxi Taba-Dahab kostet maximal 120 £.
Wer unbedingt über Kairo fliegen will, sollte sich überlegen, ob er lieber im Nachtbus stundenlang ohrenbetäubende ägyptische Video-Schmachtfetzen anschauen will oder sich lieber mit Mikrobus oder Taxi fahren lässt. Der Bus fährt am Sinai Terminal („Midan Abasair“) zwischen 1:00 und 2:00 Uhr morgens ab. Busfahrkarte 50 £, 11 Stunden Fahrtzeit. Minibus maximal 12 Personen, 600 £, acht Stunden Fahrt. Taxi 8 Personen, 450 £, sechs Stunden Fahrt.
Für das Zimmer im Camp „OASIS-Fighting Kangaroo“ sind ohne Dusche 5 £ pro Nase und Nacht zu berappen, mit Dusche 10 £ (für die Weicheier!, die Duschen über den Hof tun es eigentlich prima und sind Zentrum der Internationalen Völkerverständigung). Das einfache Kabuff hat Kiesboden, Teppiche und Matratzen, die feineren Leute liegen in richtigen Betten. Wichtiges Ausrüstungsstück ist ein Moskitonetz! In Dahab-City und im Pullman-Hotel gibt es Möglichkeiten zum Geldwechseln, Euro- und Travellerschecks werden problemlos akzeptiert.
VORHER – NACHHER – ANSTATT
Softdrinks, Tee, Nescafe kosten 1 £ (= 45 Pfennig). Deko-Bier: Außer im Pullman-Hotel und in der Dorfdisco gibt es im Sphinx-Hotel und bei der Nesima-Basis ägyptisches Stella Bier für 6.50 bzw. 6.75 £. Rauchwaren: Cleopatra-Zigaretten 20 Stück 1 £, Marlboro 4,50 £, alles andere ist Verhandlungssache und überall zu haben. Essen: Pfannkuchen, Rührei, Bohnenpampe („Foul“) jeweils 2-3 £. Praktisch kein Hauptgericht ist teurer als 12 £, auch in den wenigen Restaurants mit gehobenem Standard (z. B. Nesima) kann man/frau im Vergleich zu daheim immer noch günstig essen.
TAUCHPREISE UND TECHNIK
Fahrten zum Tauchen, d.h. Taxi den ganzen Tag, inklusive Fahrten zum Füllen kosten zwischen 40 £ pro Auto (für alte Bekannte in die nähere Umgebung) und 150 £ (ins Wadi Nabek, ca. 150 km Fahrt). Für eine durchschnittliche Tour zum Canyon oder Blue Hole haben wir 1994 immer um die 60 £ gezahlt. Alle Basen haben in etwa gleiche Preise: Flasche 5 $, Nachfüllung 3,50 $, Blei 2 $, Lampe 6 $!. PADI Open Water-Kurs inkl. Ausrüstung 280,- US $, Advanced-Kurs 180,- $, wie immer zzgl. Brevetierungen.

Getaucht wird überall mit 12-Liter Alu-Flaschen mit einem Abgang und internationalem Anschluss, also Adapter nicht vergessen. Der Golf von Aqaba hat einen Salzgehalt von ca. 4 %, bei vollständigem Anzug braucht ein 70-Kilo-Taucher mindestens 4 Kilo mehr Blei als daheim, deshalb genügend Bleistopper mitnehmen! Steckdosen sind Mangelware, wer zu zweit reist/wohnt sollte einen Doppelstecker für die Ladegeräte der Tauchlampen mitnehmen. Das Tauchzeug, vor allem Automaten und Jacket, sollte wie überhaupt immer am Meer nach dem Ausspülen möglichst nass !!! eingepackt werden, damit sich keine Salzkristalle bilden können.
ALLGEMEINES ZUM TAUCHEN IN DAHAB
Nur ein einziger Tauchplatz vor Dahab wird ab und zu von Schlauchbooten angefahren: Das „Napoleon-Reef“ knapp 2 km südlich der „Islands“. Alle anderen Tauchgänge finden von Land aus statt, man lässt sich also bis ans Wasser fahren und ab geht’s! Im November wird es in Dahab so gegen 5:00 Uhr hell, um 17:00 Uhr ist es schon sackdunkel! Da die Saumriffe alle an der Ostküste und damit nachmittags rasch im Dunkeln liegen, empfiehlt es sich, den 2. Tauchgang recht bald zu machen, damit die Farben des Riffs nicht im blaugrauen Matsch verschwimmen. Mit morgendlicher Flaschenleihe-Anfahrt-Refill und Anfahrt zum zweiten Tauchgang ist das Ganze allerdings eine ziemliche Rennerei, besonders bei größeren Gruppen. Wer mit den Beduinen ein bisschen gemütlich schwätzen und am Strand ein paar Muscheln auflesen will, muss entweder morgens früh los oder – vor allem bei weiteren Touren zu empfehlen – jeweils doppelten Flaschensatz mitnehmen (kostet jeweils 1,50 $ mehr).
Die Wassertemperatur liegt Anfang November um die 27° C, bei den langen Tauchgängen und dem ständigen Wind ist trotzdem volles Neopren anzuraten, sonst ist man nach wenigen Tagen völlig platt. Nachttauchgänge können entweder an den Hausriffen bei Inmo, Nesima oder am Lighthouse durchgeführt werden, Flaschen können bis spätabends abgegeben werden, für die ganz Wilden ist Übernacht-Ausleihe möglich. Der Frühmorgens-Tauchgang lohnt sich nach eigener Erfahrung nicht so richtig, eher schon das Hineintauchen in die Dämmerung/Nacht.
DIE TAUCHBASEN
- INMO-Taucherhaus (Ingrid und Mohamed), im Süden des Beduin-Village: Hotel mit Tauchbasis, Restaurant, Moschee und einigen wenig beeindruckenden Sicherheitsbediensteten, die vor allem im Hof den Verkehr durcheinanderbringen. Reibungsloser Betrieb auch für größere Gruppen. Auch die Reisepass-Registrierung wurde 1994 als Service von INMO durchgeführt. Ab und zu raschelte schon mal ein abgebrochenes Steigrohr in der Flasche, ansonsten waren die Tanks immer gut voll. Es gibt einen bewachten Raum, in dem man nachts (kostenlos) seine Klamotten lassen kann.
- NESIMA: Etwas kleinere Basis mit gutem Restaurant, dafür erheblich familiärer und gemütlicher als INMO und m.E. die Ausrüstungen in Top-Zustand. Schließfächer gibt’s, wenn man halbwegs brav ist, umsonst, hinzu kommt als unschlagbarer Standort-Vorteil die Bierlizenz.
- FANTASEA-DIVERS (an der Nordspitze der Bucht, beim Lighthouse): Ausrüstungen sollen OK sein, der schwedische Tauchlehrer („Bo“) ist ein netter Bursche.
- CANYON-DIVE-CLUB: Füll- und Verleihstation ca. 5 km nördlich von Dahab, mit kleinem Hotel, Restaurant. Hubert (der Österreicher, der den Canyon bis zum Sommer organisierte) hat keine Verlängerung der Pacht gekriegt, gerüchteweise weil sein Laden zu gut lief und andere das Geschäft machen wollten. Jetzt wird die Basis von Steve (aus England) betreut, der morgens umsonst Taxi-Lifts zum Canyon anbietet (Abfahrt am Bamboo-House 9:00 Uhr). Insgesamt schien nicht allzu viel zu laufen, das Flaschen-Füllen dauerte ewig und die Pizza im Restaurant konnte man echt vergessen.
- LAGOONA-Hotel und Tauchbasis (unter deutscher Leitung): In einer Hotelburg südlich von Dahab, direkt an den „Islands“, hat am Tag vor unserer Abreise eröffnet, wir waren nicht dort.
- PULLMAN-Hotel und Füllstation: Da waren wir auch nicht.
SICHERHEIT UND MEDIZIN
Alle Basen sind mit Sauerstoff ausgerüstet, die Tauchlehrer können für wenig Geld in Sharm an der Deko-Kammer eine Assistenten-Ausbildung machen. Ein Funknetz, das alle Basen und die zugehörigen Fahrzeuge verbinden soll, wird gerade aufgebaut. Trotzdem: Die Rettungskette in Dahab ist lang und mühsam, die medizinische Versorgung vor Ort nicht gesichert, auch mit dem Helikopter nach Sharm dauert es mindestens 1-2 Stunden, in das sogenannte „Krankenhaus“ im Beduin-Village möchte ich lieber nicht hinein!!
Beim Tauchen in Dahab gilt deshalb noch mehr als anderswo: Je weiter der Tauchplatz von der Ortschaft weg liegt, desto geringer wird die Chance, dass man bei einem Unfall seinen Hals (oder den von jemand anderem) retten kann. Wer schon mal versucht hat, auf einem Pickup-Truck bei der Fahrt über einen Sturzacker einen Menschen mit Kreislaufstillstand zu reanimieren, wird in Zukunft schön vorsichtig sein und lieber einmal einen Tauchgang abbrechen oder auslassen. Lustig wird es auch dann, wenn man nach Sharm telefonieren muss (und wenn es nur zur Bestätigung des Rückflugs ist), nachdem die Flutwelle im Wadi die Telefonmasten geknickt hat!
DIE TAUCHPLÄTZE
Das Saumriff entlang der Küste zwischen Eilat und Ras Mohamed ist 180 Kilometer lang, im Prinzip kann bis auf wenige Plätze überall getaucht werden! An den Stellen, wo in den letzten Jahren kleine oder große Wadis ins Meer gelaufen sind, ist meistens ein mehr oder weniger breiter Bereich des Riffs abgestorben, am auffälligsten in der Bucht vor Dahab. Derartige Riffabschnitte und Sandfelder sind jedoch durchaus interessante Tauchplätze, hier finden sich als Pionierbesiedler große Felder mit Weichkorallen, einige Fischarten leben bevorzugt in toten Korallenstöcken.
Die Tauchbasen beschränken ihre Aktivitäten auf eine Handvoll Plätze, an denen es besondere Sachen zu sehen gibt oder wo man bei jedem Wetter bequem ein- und aussteigen kann. Dort kann einem ausnahmsweise schon mal ein Rudel Tauch-Anfänger begegnen, daneben finden sich jedoch auch kilometerlange, völlig unbetauchte Strecken.
Aber Vorsicht! Besonders im November, wenn die stabilen Wetterlagen im nördlichen Roten Meer durcheinandergeraten, kann urplötzlich starker Nordostwind aufspringen. Besonders bei Niedrigwasser (der Wasserstand schwankt zwischen Ebbe und Flut um knapp 1m) entsteht dabei an der Riffkante eine extrem unangenehme Brandung. Beim Aussteigen an derartigen Stellen schindet man Knie, Hände, Ausrüstung und vor allem auch die Korallen, kullert eine Weile auf dem Riffdach herum und ist gespickt mit Seeigelstacheln. Deshalb solltet Ihr den Gezeitengang im Auge behalten, am geschicktesten wird der Tauchgang dann begonnen, wenn man/frau bei auflaufendem Wasser genügend Wasser zum Schnorcheln über das Riffdach hat.
TAUCHEN VON NORD NACH SÜD
Ras Abu Galum
Nur mit dem Kamel zu erreichen, die Zahl der Lastenkamele, die gleichzeitig Flaschen und Leute tragen können, ist begrenzt, man kann natürlich auch zu Fuß die fünf Kilometer vom Blue Hole nach Norden laufen. Wer war schon mal da?
Bells
Mehrere hundert Meter tiefe, teilweise überhängende Steilwand direkt nördlich des Blue Hole. Der Einstieg kann direkt am Ende der Schotterpiste erfolgen (dort hängen einige Gedenktafeln!). Man/frau kann auch in zwei Minuten über einen kleinen Hügel, der von fossilen Korallen gebildet wird, klettern und steigt in der „Badewanne“ ein, einem schräg nach unten durch das schmale Riffdach führenden Schlitz, der einen in 5-6 Metern Tiefe ins freie Wasser entlässt. Einer der großartigsten Tauchplätze, so richtig was für die Wallhausen-Freaks. Großfische sind nicht selten zu sehen, manch einer verwechselt in größerer Tiefe allerdings einen Hai schon mal mit einer Plastiktüte....
Blue Hole
Das „Hole“ ist ein ca. 60-80 m großer Trichter im Riffdach, ab 60 m Tiefe gibt es einen domartigen Ausgang ins Freiwasser. Besonders frühmorgens, wenn die tiefstehende Sonne durch das Loch scheint, soll das „Hole“ wirklich phantastisch aussehen, der Tiefenrausch tut wahrscheinlich sein übriges: Das konnten wir uns gerade noch verkneifen! Das Innere des Lochs ist mittlerweile vom vielen Tauchen ziemlich fertig, lustig sind besonders die nixnutzigen Arschlöcher, die an den Hängen des Trichters auf dem Rücken liegend Rutschbahn fahren. Die Riffwand an der Außenseite ist wunderschön bewachsen und ziemlich steil. Ein- und Ausstieg entweder direkt am Rand des Trichters, oder man taucht nach Süden entlang des Riffs und lässt sich nach ca. 400 Metern hinter der nächsten Felsnase wieder abholen. Besonderheiten: Als neueste Errungenschaft gibt es mittlerweile am Ufer eine Cola-Pfannkuchenbude mit Schatten für die Bleichgesichter.
Canyon-Garden
Wenig betauchter Riffabschnitt mit dem für Dahab typischen Riff-Profil, d.h. Riffwand bis ca. 20 m Tiefe, danach leicht abfallender Sandgrund mit einzelnen Korallenblöcken. Ein schöner, gemütlicher Tauchgang führt einen in ca. 50 Minuten zum Ausstieg am Canyon.
Canyon
Der Canyon ist eine schmale Bodenspalte, die sich mit mehreren Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten von 12 m Tiefe bis auf mindestens 50 Meter hinunterzieht. Der meistbenutzte Einstieg liegt etwa bei 18 Metern und ist relativ leicht zu finden: Am besten schnorchelt man zwischen den mittlerweile angebrachten Bojenketten nach Südosten durch einen schönen, mit Sandgrund bedeckten Pool. An der Riffkante wendet man sich nach halblinks (Peilung 100°) und schnorchelt an der Oberfläche weiter, bis das Einstiegs-Loch als großer Schatten unter einem liegt. Wer sich bereits tauchend zum Eingang des Canyon bewegen will, muss mit satten Dekozeiten rechnen, die gesamte Durchtauchzeit beträgt gut 5 Minuten, falls nichts dazwischenkommt. Kehrt man danach an der Luftblasenkette über den Riffhang zurück, kann man auch noch den kürzeren, oberen Teil des Canyons durchtauchen. Zum Austauchen ist die wunderschön bewachsene Sandhalde etwas weiter südlich zu empfehlen. Besonderheiten: Im Canyon sind immer größere Schwärme von Beilbauchfischen unterwegs, die sich durch Taucher nur wenig stören lassen.
Abu Talha (= „Akazie“, eine einzelne Akazie steht an einem Mini-Wadi am Fuß der Felsen)
Der Einstieg erfolgt durch ein größeres Loch an einer besonders schmalen Stelle des Riffdachs, die vom Ufer aus deutlich zu sehen ist. Fast geradeaus liegt bei 28 Metern ein Topf von ca. 4-5 Metern Durchmesser, dessen Boden bei 36 Metern liegt, hier gab es die einzige größere Languste in knapp 50 Tauchgängen (1993-94). Die anderen sind mittlerweile über die Tische der Feinschmecker in Sharm el-Sheikh und anderswo gewandert. In 12-20 m Tiefe nach rechts (Süden) getaucht, wird der Riffhang aus zerklüfteten, massiven Korallenblöcken gebildet, außen vor der Riffmauer liegt nochmals eine leichte Erhebung, ein wunderschöner Tauchplatz! Wer einigermaßen Luft gespart hat, erreicht (ohne Strömung) nach frühestens einer Stunde Abu Helal und sieht vielleicht wie wir in diesem Jahr eine ausgewachsene Schildkröte. Wer nach Norden taucht, erreicht nach 300 m besterhaltenem Riff eine (vom Ufer gut sichtbare) Riffnase, hier gibt es mit Sicherheit ab und zu stärkste Strömung, dafür war hier auch der bisher einzige Glasfisch-Schwarm (Parapriacanthus güntheri) in meinen mittlerweile knapp 50 Dahab-Tauchgängen zu sehen. Weiter nördlich ist das Riff auf knapp 100 m Länge komplett zerstört. Auf dem Ufer liegen dort gut sichtbar größere Korallenblöcke, die durch einen Sturm an Land geworfen wurden.
Abu Helal (= auf Arabisch „Mondsichel“)
Eine sichelförmig nach Süden gebogene Riffnase bietet an der Südseite einen relativ brandungssicheren Einstieg, allerdings ist dort praktisch immer leichte Strömung, die durch die Riffstruktur aus allen möglichen Richtungen kommen kann. Wer keine Lust zum Strampeln hat, kann auch nördlich der Sichel einsteigen und sich von der Strömung um die Spitze herumtragen lassen. Ein Geheimtipp vom Flaschenfüller am Canyon: Südöstlich der Sichel soll auf ca. 30 m ein zweiter Canyon anfangen, der sich bis auf 80! Meter hinunterzieht. Beim nächsten Mal vielleicht....
El Gabadud (oder so ähnlich, heißt auf jeden Fall „Schlange“)
Irgendein Wahnsinniger baut zwischen Dahab und Canyon ein kleines Hotel. An dieser Stelle ist das Riffdach verbreitert, eine kleine blaue Lagune ist vom Auto aus gut erkennbar. Eingestiegen 100 m südlich der Hotelbaustelle, erstreckt sich nach Norden das schönste Tischkorallenfeld Dahabs zwischen 15 und 25 Metern Tiefe (vielleicht auch noch tiefer). Angeblich wurden hier früher Napoleon-Lippfische angefüttert, 1994 wurden wir dort von einem Hai-Schiffshalter (Echeneis naucrates) verfolgt, der leider seinen Hai nicht dabei hatte.
Eel-Garden
Direkt am Nordende des Beduinendorfes, bei der letzten Palmengruppe. Hier wird das durchgehende Riff von den Schuttmassen des Wadi Dahab nach Osten abgedrängt, die Uferlinie zeigt einen leichten Bogen. Durch einen schmalen Kanal gelangt man an die Riffkante, halblinks davor ist eine schräge, fast unbewachsene Sandfläche, die sich bis auf über 45 m hinunterzieht. Derartige Sandflächen sind immer Anzeiger für starke Strömungen, die durch das Abknicken der Uferlinie entstehen und am Eel Garden auch mal von oben nach unten blasen können! Hauptattraktion ist die Kolonie der Röhrenaale (Gorgasia sillneri) mit mehreren hundert Tieren. Sehr sparsame Luftschnapper tauchen in 10-15 m Tiefe am praktisch unbetauchten Riff entlang zum Lighthouse (ohne Strömung ca. 80 Minuten). Etwa in der Mitte zwischen beiden Punkten ist auf dem Riffdach eine knapp 3 m tiefe, parallel zum Ufer laufende Rinne mit vielen abgestorbenen Korallen ausgebildet, dort lässt sich einige Luft sparen.
Lighthouse
Das Lighthouse liegt an der Riffecke im Norden der Bucht vor Dahab, der alte Leuchtturm steht heute im Hinterhof eines der Beduinen-Camps, die sich dort in den letzten Jahren wie eine Seuche ausgebreitet haben. Die Bauwut der Beduinen ist ungebrochen, in ein paar Jahren sieht es in Dahab wahrscheinlich aus wie heute in Leinfelden-Echterdingen... Durch die regelmäßigen Schlammfluten aus dem Wadi haben die riffbildenden Korallen vor dem Beduin-Village nichts zu lachen. Der Riffhang vor dem Lighthouse fällt steil ab und ist mit besonders vielen Weichkorallen bewachsen, die gegen Sediment und Kamelmist etwas resistenter sind. Besonders einfach ist der Einstieg über die Sandfläche am Lighthouse-Café, der Standard-Tauchgang führt nach Norden um die Spitze des Riffs in Richtung Eel-Garden und zurück. Etwa 100 m nördlich der Riffspitze liegt in 6-10 m Tiefe ein flacher Sattel, dort sind meistens etliche größere Schnapper und Brassen zu beobachten. Empfehlenswert ist der Nachttauchgang, da der Einstieg vor der Lighthouse-Kneipe mit einem kleinen Strahler beleuchtet ist. Die Sandhalde dort liegt voll mit Müll, ist aber wohl der beste Platz für Ausbildung und Ähnliches.
Nesima-Hausriff
Am Südende der Bucht vor dem Beduin-Village. Zwischen Flaschenausgabe und Riffdach liegen hier gerade mal 20 Meter, nach dem Tauchgang kann man direkt unter die Süßwasserdusche steigen. Der normale Tauchgang führt nach Norden über die Sandfläche im Vorriff (Hier eine riesige senkrecht stehende Gorgonie auf 24 m, in einem großen, toten Korallenblock am Fuße des Riffs eine Putzergarnelen-Station) zum Brandungs- und Strömungspunkt etwa in Höhe der Polizeistation. Dort ist ein sehr schmaler, leicht zu übersehender Ausstieg, besser man taucht entlang des Riffs zur Basis zurück. Auch nach Süden hin ist das Riff noch prima erhalten, besonders schön sind dort die einzelstehenden Korallen auf der Sandfläche. Bei Nachttauchgängen kann man die Flaschen im Restaurant abgeben, die Basis schließt um 18:00 Uhr.
Inmo-Hausriff
Dürfte im Prinzip ähnlich aussehen wie die meisten Tauchplätze vor Dahab, ich (AD) kenne es nur vom Nachttauchgang. Bei Nacht sind auf dem Riffdach sowohl bei Inmo wie bei Nesima schöne Sachen zu sehen, so beispielsweise Laternenfische (Photoblepharon palpebratus, bei Neumond!), viele kleine Muränen und mindestens zwei Arten der auffälligen, aber harmlosen Schlangenaale. Das Riff selbst war 1994 bei Nacht auffallend unbelebt, bis auf einige kleine Langusten und Bärenkrebse war nicht viel los.
Islands
Zwei freistehende Riffpfeiler direkt vor dem neuen Lagoona-Hotel, am Südende des Beduin-Village, ca. 1 km südlich der „Black-Prince“-Disco (die wir uns auch diesmal wieder erspart haben). Massive Korallenformationen weisen auf regelmäßige starke Strömung hin, hier gibt es dafür regelmäßig auch mal größere Fische zu sehen ('93: Adlerrochen, '94: Napoleon). Weiter draußen liegen bei ungefähr 20 m Wassertiefe ausgedehnte Seegraswiesen.
Napoleon-Reef
Auf der Sandzunge südlich der „Islands“ kann man noch etwa 1 km nach Süden fahren, danach biegt die Uferlinie nach Nordwesten in eine große Lagune ab (in Richtung Pullman-Hotel). An dieser Spitze soll vor der eigentlichen Riffmauer ein freistehendes kleines Riff liegen, das nach Aussagen von Mohamed (INMO) ab und zu mit dem Schlauchboot angefahren wird (vielleicht beim nächsten Mal, das Napoleon-Riff ist wohl der einzige wirkliche Freiwasser-Tauchplatz in Dahab). Beim Tauchen vom Ufer muss man sich auf mindestens 1 km Schnorchelstrecke (ein Weg) einrichten, was besonders bei Wind ein reichlich gefährliches Unterfangen ist. Schafft man den Rückweg nicht, muss man sich vom Wind ca. 3-4 Kilometer über die Bucht treiben lassen und krabbelt an Land etwa bei der Southern Oasis.
Southern Oasis
Für die Anfahrt zu den folgenden drei Tauchplätzen braucht man immer eine Genehmigung, die am Ortsausgang des Beduin-Village geholt werden muss, also Reisepässe mitnehmen! Südlich von Dahab-City liegt ein ziemlich perverser, neuerbauter Hotel-Komplex, in dem angeblich die reichen Saudis den Sommer verbringen, weil es in Dahab so schön kühl sein soll... Hat man den trägen, fast vergessenen Polizeiposten südlich von Dahab-City überwunden (auf einem der Absperrungs-Ölfässer liegt seit Jahren ein riesiger getrockneter, rot angestrichener Anglerfisch), erreicht man nach ca. 1 km Fahrt eine Reihe von Palmen, dort steht auch ein großes „Diving-Area“-Schild, wie an allen im „Red Sea Divers Guide“ aufgeführten Tauchplätzen. Am Südende der Palmengruppe gibt es einen brandungsfreien Einstieg, die Riffwand reicht hier nur bis in 6-12 m Tiefe. Nach Norden taucht man im Vorriff über einige tief eingeschnittene Erosionsrinnen hinweg, die sich bis in mindestens 40 m Wassertiefe fortsetzen. Im November sind übrigens die Datteln reif, die man dort ungescholten von den Bäumen klauen darf.
Three Pools
Südlich der Oasis in einer kleinen Bucht gelegen, kann man die drei blauen „Pools“ im Riffdach schon von weitem sehen. Nach Norden steigt der Boden vor dem Riff an, die am Ufer massenhaft herumliegenden Gehäuse von großen, sandbewohnenden Schnecken lassen hier auf vorgelagerte Seegraswiesen schließen. Nach Süden kann man sich schnell mal auf 45 m runterlassen, auch bei guter Sicht war dort noch kein Ende des Riffhanges erkennbar.
Um Sid
Etwa in der Mitte zwischen Three Pools und den Caves, da soll ein wunderschönes Tischkorallenfeld liegen, wer weiß mehr?
Caves
Der südlichste von Dahab mit dem Auto erreichbare Tauchplatz, dort endet der Feldweg. An der strömungsexponierten, an einigen Stellen unterspülten Felsnase fehlt das Riff auf einigen Metern Länge, ein kleines Loch als Einstieg ist gut zu finden. Bei rauher See ist davon abzuraten, hier zu tauchen. Der Einstieg erfolgt durch einen vorschriftsmäßigen Fußsprung in die hochstehende Welle, und dann aber nichts wie ab ins freie Wasser! Der Ausstieg geht bei Seegang meistens unfreiwillig flott vonstatten, also Knieschützer oder Neopren-Klebstoff mitnehmen! Die Caves sind zwei Unterspülungen von einigen Metern Tiefe, aufgefallen ist mir 1993 vor allem ein Schwarm von roten Plankton-Krebschen, sonst gab es nicht viel zu sehen. Die Sandhalde vor den Caves ist steil und endet auch bei 58 m noch nicht. Nach Norden zu soll sich eine wunderschöne Steilwand anschließen, nach Süden soll es sich leichter ein- und aussteigen lassen. Natürlich weiß es jeder am besten, beim nächsten Mal.......
Die folgenden Tauchplätze liegen 10-30 km weiter südlich und sind nur auf dem Umweg über das Wadi Kid bzw. Wadi Nabek zu erreichen, es sei denn man/frau hat zu viel Geld und bucht eine Kamel-Tauchsafari bei INMO. Das Wadi Nabek wird auch von Sharm aus als Landvergnügung angeboten.
Ras Atantur (oder Ras Tantor, wie der Beduine sagt)
Liegt am Nordende des Wadi Nabek, das Studium der verschiedenen Reiseführer brachte den Hinweis auf einen schönen Canyon mit Ausstieg bei 60 m....... Wir sind etwas weiter südlich eingestiegen, am Wadi Arrabi („Arrabi“ ist das Beduinen-Wort für die dort häufigen Wüstenraben, wenn Arabisch immer so einfach wäre..). Vom Ufer aus ist eine kleine Riffnase mit einem vorgelagerten Pfeiler zu sehen, der auf gut 16 m tiefem Sandgrund steht. Nach der Umrundung des Pfeilers kann man mit der üblichen leichten Südströmung einige hundert Meter an der Riffkante nach Süden tauchen und sich dort wieder aufsammeln lassen. Völlig unbetauchte Gegend, als Hit 1994: „Mirhennenadlerrochegsäde...“ (Moni Wiedmaier).
Lagoon
Im Wadi Kid ist der nördlichste Mangrovensumpf der Welt und zwei größere Lagunen zu bestaunen. Am Strand stehen einige Hütten der Beduinen, die dort Fische, Oktopusse, Langusten und große Schnecken für den Kochtopf fangen (z. B. die Spinnenschnecke Lambis lambis). Unter israelischer Besatzung war anscheinend das Fischen von Krustentieren auf dem Sinai verboten, damals muss es nur so gewimmelt haben von Bärenkrebsen und Langusten. Die nördliche Lagune hat knapp 300 m Durchmesser, ist nur wenige Meter flach und halb von Mangroven umstanden, in denen unter anderem Fischadler, Mangrovenreiher und anderes Getier zu beobachten ist. Höchst interessant auch die bei Niedrigwasser hervorkommenden blauen Winkerkrabben, die sich mit ihren riesigen roten Scheren Unverständliches zuwinken. In der südlichen Lagune (3-4 m tief, Schnorcheln!) sind große Flächen von Saugschirmquallen (Cassiopeia) bedeckt, das Ganze sieht einer bunten Blumenwiese ähnlich. Hier soll es auch viele Stechrochen und ab und zu Mantas geben. Am nördlichsten Mangrovenbusch der Welt sind wir 1993 über ein elend breites Riffdach getrabt, die massiven Orgelkorallen an der Riffkante lassen auf häufige und starke Strömung schließen, die Sicht war durch das aus dem Mangrovensumpf ablaufende Wasser miserabel. Nur bei auflaufender Flut zu empfehlen, wenn man auf dem Riffdach schnorcheln kann! Zu dem im „Red Sea Divers Guide“ unter „Shora el Manquata“ beschriebenen Tauchgang kann ich nur sagen, dass er mindestens zwei Kilometer lang ist, also ohne Strömung nicht zu machen. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!
Maria Schröder (auf beduinisch „Boat“)
Der Frachter „Maria Schröder“ liegt seit 1976 postkartenwürdig auf dem Riffdach, der seeseitige Rumpf ist allerdings mittlerweile weggerostet, das Heck abgebrochen. Wer Lust und Kraft hat, über das mindestens 300 m breite Riffdach zu quirlen, wird von einigen größeren Blech- und Maststücken enttäuscht, die auf dem Riffhang herumliegen. Die beiden Anker des Schiffs sollen auch noch da irgendwo sein, aber auch darauf kann zur Not verzichtet werden. Der Sandboden wird bei knapp 20 m erreicht, für die Wrackumrundung braucht man eine gute halbe Stunde. Immerhin ein witziger Tauchplatz, vielleicht haben wir beim nächsten Mal mehr Zeit und besseres Licht.
GRÖSSERE AUSFLÜGE
Ras Mohamed
An der Südspitze der Sinai-Halbinsel liegt eine mittlerweile zum Naturschutzgebiet erklärte Landzunge. Hier liegen einige der berühmtesten Tauchplätze des Roten Meeres. Die meisten davon sind allerdings nur mit dem Boot zu erreichen, besonders im Mai-August soll es dort von Großfischen wimmeln. Mit Sicherheit lohnt sich jedoch auch die Erkundung der Landtierwelt, hier soll z. B. der Fennek (Wüstenfuchs) häufig sein, es gibt auch eine Mangroveninsel. Beste Besuchszeit für biologisch Interessierte (und wer ist das nicht?) ist Ende August-September, wenn sich dort tausende von Großvögeln vor dem Weiterzug nach Afrika sammeln.
Wadi-Übernachtungen
Für den durchschnittlichen Zivilisationseuropäer ist eine Nacht ohne Lärm, Licht und Mief immer noch ein Erlebnis. Hat man sich erst einmal an die unzähligen herumliegenden Plastikflaschen und Picknick-Reste gewöhnt, kommt beim Schein der Wachskerzen doch noch echte Wüsten-Atmosphäre auf. Wer irgendwelches Grünzeug oder Getier sehen will, sollte möglichst in Wadis mit kleinen Wasserstellen übernachten. Nach vorhergegangenen stärkeren Regenfällen lebt die Wüste auch an anderen Stellen ein wenig. Am besten sind solche Touren wahrscheinlich gegen Ende des „Winters“, also im Januar-Februar, im Sommer ist es selbst nachts in den Bergen mit Sicherheit wahnsinnig heiß.
Katharinenkloster
Der Tanz um das goldene Kalb, den die Kinder Israels am Fuße des Berges Horeb (Mount Sinai, Jebel Musa) aufführten, ist heute dem Drängeln nach den harten Devisen der Religions-Touristen gewichen: Sonnenaufgang auf dem Mount Sinai, Besichtigung vom (nicht mehr) brennenden Busch und Moses-Brunnen gehören zum Pflichtprogramm aller Israel- und Sinai-Touristen.
In Sichtweite des Klosters liegt eine Übernachtungs-Herberge mit hunderten von Betten. Der Eintritt ins Kloster ist frei, allerdings müssen die Knie bedeckt sein (Röcke und lange Tücher werden umsonst ausgeliehen). Das Kloster schließt um 14 Uhr, Freitags ist Ruhetag! Wer ein großes Kloster erwartet hat, wird allerdings enttäuscht sein. Einige Teile der bereits im 2. Jahrhundert erbauten Anlage bleiben für die Pilgermassen verschlossen, beim Eintreffen größerer Reisegruppen gibt's schon mal ein bisschen Ellenbogenschieben in der Bibliothek, am brennenden Busch versuchen einige ältere Damen mit Hilfe einer Räuberleiter ein paar Blätter abzureißen....
Auf- und Abstieg auf den Jebel Musa dauern mindestens zwei Stunden und etliche tausend Treppenstufen, Faule können sich allerdings auch ein Kamel mieten. Wer noch höher hinauf will, besteigt den Katharinenberg (2637 m), den höchsten Berg Ägyptens (Aufstieg 5-6 Stunden). Das Ganze liegt im Hochgebirge, zumindest im November ist deshalb feste Kleidung angesagt: In diesem Jahr hat es während unseres Aufenthaltes dort oben mindestens zweimal kräftigst geregnet und gehagelt!
VIECHEREIEN
Wer scharf auf Großfische, Haie, Wracks und Ähnliches ist, sollte lieber eine Bootstour durch das südliche Rote Meer machen. Durch die Nähe der Küste sind größere Tiere in Dahab eher Ausnahmeerscheinungen; Adlerrochen, Schildkröte, Napoleon, große Barrakudas und Muränen sind seltene, dafür umso mehr gefeierte Ereignisse. Die Kleinfischfauna ist hingegen prima erhalten, wie der Blick auf Kuttis Fischliste zeigt.
Und überhaupt zum Thema Fisch! Wenn man die Mengen an kleinen und großen Zackenbarschen, Schnappern, Süßlippen und allem sonstigen Getier sieht, die täglich auf den Tischen der Händler in Dahab liegen, kann einem der Fisch im Halse stecken bleiben! In den Restaurants liegen regelmäßig Großfische aus, bis hin zu halbwüchsigen Barrakudas mit 150 cm Länge. Langusten und Bärenkrebse sind schon fast verschwunden, wenn das so weitergeht, wird die Fauna bald ebenso verarmen wie in weiten Teilen des Mittelmeeres. Der Mensch, der zum Fischegucken und Naturerleben ans Rote Meer gekommen ist, wird beim nächsten Barbecue vielleicht doch besser Hühnchen bestellen. Und wenn der 70-cm-Zacki noch so gut geschmeckt hat, irgendwer muss damit anfangen!
Wer Strandwanderungen mit gesenktem Blick liebt, kann in kürzester Zeit eine beachtliche Anzahl von wunderschönen Schnecken- und Muschelschalen finden. In diesem Jahr habe ich in der kurzen Zeit knapp 100 verschiedene Arten gesammelt, die meisten davon sind unter Wasser nur schwer zu finden. Dass man sich dabei ausschließlich auf Strandgut beschränkt, ist natürlich Ehrensache, in den unter Wasser gefundenen Schneckengehäusen sitzt immer ein Vieh drin, meist ein Einsiedlerkrebs! Dafür ist dann die eine oder andere Schale halt nicht mehr so schön bunt und schon ein bisschen abgerollt. Die Korallen und das ganze sonstige Gezösel werden wir vielleicht beim nächsten Urlaub genauer unter die Lupe nehmen können.

À propos Krebs: Wer sich morgens im Beduin-Village seinen Pfannkuchen im Strandcafé reinzieht, kann direkt am Strand die Reiterkrabben (Gattung Ocypode) herumflitzen sehen, die ihre Löcher an der Hochwasserlinie graben und im Spülsaum nach dem Frühstück suchen. Am allerschärfsten sind natürlich die Winkerkrabben (Gattung Uca) am Rande des Mangrovensumpfes bei Nabek, deren Männchen bei der Balz ihre überdimensionierten Scheren schwenken.
In der näheren Umgebung Dahabs leben einige typisch afrikanische Vogelarten, schon im Beduin-Village kann man Palmtaube, Gelbsteißbülbül, Steinschwalbe und Wüstenraben beobachten. Im Hinterland und am Katharinenkloster leben verschiedene Steinschmätzer-Arten, Tristramstare, bei einer Übernachtung im Wadi gab's vor Tagesanbruch sogar Flughühner zu sehen (wahrscheinlich Wellenflughuhn, Pterocles lichtensteinii).
In den Mangrovensümpfen bei Nabek sind als spektakuläre Arten vor allem die wenig scheuen Fischadler, Mangrovenreiher, Weißaugenmöwen (Larus leucophthalmus) und Raubseeschwalben erwähnenswert, daneben überwintert hier eine große Zahl nordeuropäischer Schnepfenvogelarten, z. B. Steinwälzer und Rotschenkel. In der Gegend von Sharm el Sheik und auf Tiran Island lohnt sich eine Vogelexkursion immer! Ein Projekt zum Schutz des Weißstorches auf dem Sinai ist im letzten Jahr angelaufen, darüber beim nächsten Mal mehr.
FAZIT UND SCHLUSS
Dahab ist was für Leute, die für wenig Geld viel schön warm tauchen wollen und denen die Hotelburgen in Sharm, Hurghada oder Safaga auf die Nerven gehen. Denen eine Bootstour zu öde oder teuer ist, die ein paar Tage auch ohne den ganzen Schickimicki-Kram auskommen und die auch beim Anblick einer Küchenschabe noch keinen Schreikrampf kriegen. Tauchen in Dahab ist easy, für einen erzgruben-, boden- und baggerseefesten Süßwassertaucher ein echtes Kindervergnügen.
Dahab ist nicht Ägypten, die Bewohner freundlich, aber nicht aufdringlich, geklaut wird nichts (außer Schnaps), von Polizei und Militär ist praktisch nichts zu sehen. Dahab lebt, ist ein buntes Gemisch aus Beduinen, Ägyptern, Kiffern, Weltenbummlern, Tauchern und Faulenzern, und wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal da!!
LITERATURTIPPS
Die mit einem * versehenen Bücher kann man am billigsten in der Flughafenhalle von Sharm, jedoch auch in Sharm selbst oder in Naama-Bay (im Buchladen des Fayruz-Hilton, dort allerdings zu Höchstpreisen) kaufen. Video-Freaks können bei der Abreise am Flughafen Sharm ein ganz ordentliches Video über das Ras Mohamed erwerben (in deutscher Sprache). Es gibt haufenweise Reiseführer zum Thema Ägypten-Sinai, in Tübingen hat die Osiandersche Buchhandlung die beste Auswahl.

- * ATIYA, F. 1993: Ras Mohamed Führer für Wildleben und Tauchen. 48 Seiten. ISBN 977-00-5321-X. Kurze Beschreibungen der wichtigsten Tauchplätze am Ras, ärgerlich schlecht übersetzt, dazu einige falsch oder gar nicht beschriftete Abbildungen, garniert mit einigen ganz netten Über- und Unterwasserfotos. Für den Preis von knapp DM 10,- ist allerdings auch nicht viel mehr zu erwarten. Die englische Ausgabe ist mit Sicherheit zumindest sprachlich besser!
- DEBELIUS, H. 1990: Unterwasserführer Rotes Meer, Band 2: Fische. 2. Aufl., 167 Seiten, Nagischmid-Verlag (Stuttgart). ISBN 3-925342-18-4. Pflichtgepäck!, für Einsteiger völlig ausreichend, fast alle enthaltenen Arten (abgesehen von den großen Trümmern) können in einem durchschnittlichen Dahab-Urlaub gesehen werden. Superfotos, leider wurde mit den umfangreichen Piktogrammen und der englischen Übersetzung ein Haufen Platz verschenkt, dafür fällt das Ganze nach dem zweiten Urlaub auseinander.
- * FRIEDMAN, D. & T. MALMQVIST: Die Wunder des Roten MEERES. 96 Seiten, ISIS (Cairo). David Friedman ist Mitbegründer von "Coral World", einer mittlerweile weltumspannenden Organisation, die z. B. das Großaquarium in Eilat betreibt. Tolle Fotos, gute Zeichnungen, informativer Text, für knappe DM 25,- zu haben.
- LIESKE, E. & F. MYERS 1994: Korallenfische der Welt. 398 Seiten, Jahr-Verlag (Hamburg). ISBN 3-86132-112-2. Unentbehrlich für Fischfreaks, wer genau hinguckt und sich das Ganze bis über Wasser merken kann, wird praktisch alle Fischarten bestimmen können. Lohnt sich wirklich!
- PAZ, U. 1987: The birds of Israel. 264 Seiten, Stephen Greene Press (Massachusetts). ISBN 0-8289-0621-1. Professionelles Kompendium der in Israel nachgewiesenen Vogelarten, durch die langjährige Anwesenheit der Israelis auf dem Sinai sind auch alle dort vorkommenden Arten erfasst. Kein Bestimmungsbuch, jedoch als Ergänzung unentbehrlich, da die europäischen und afrikanischen Feldbestimmungsbücher im südlichen Sinai an ihre Grenzen stoßen.
- JOHNSSON, L. 1992: Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. 558 Seiten, Franck-Kosmos (Stuttgart). ISBN 3-440-063-57-7. Derzeit wohl das beste deutschsprachige Bestimmungsbuch, das alle Vogelarten behandelt. Der Sinai liegt gerade noch im Bearbeitungsgebiet.
- MASTALLER, M. 1979: Beiträge zur Faunistik und Ökologie der Mollusken und Echinodermen in den Korallenriffen bei Akaba, Rotes Meer. Dissertation Ruhr-Universität Bochum. Umfangreiche Arbeit über Lebensräume und Bewohner der Riffe im nördlichen Roten Meer, im Literaturverzeichnis praktisch alle relevanten Arbeiten über den Indopazifik. Nur über Fernleihe zu erhalten.
- * RANDALL, J. E. 1992: Red Sea Reef Fishes. 192 Seiten, Cairo. Paperback-Ausgabe des berühmten Rotmeer-Klassikers, mit einem Preis von 45,- sehr günstig! Flossen- und Schuppenmerkmale der in Fotos vorgestellten Arten, dazu ausführliche Angaben zu Vorkommen und Ökologie, ganz wie es der Biologe gerne hat.
- SCHMID, P. & D. PASCHKE 1986: Unterwasserführer Rotes Meer, Band 1: Niedere Tiere. Nagischmid-Verlag (Stuttgart). Ebenfalls Pflichtgepäck, siehe unter DEBELIUS.
LANDKARTEN
Normale Ägypten-Landkarten taugen in der Regel nichts, da fast alle im Maßstab über 1:1.000.000 liegen. Brauchbar ist die von Kümmerly+Frey herausgegebene Israel-Karte (1:750.000, für 15,- DM im Buchhandel, ISBN 3-259-01161-7). Es gibt vom östlichen Sinai auch 1:100.000er Karten, die je Blatt über 20,- DM kosten (6 Blätter von der Sinai-Ostküste, bei besseren Buchhandlungen nach dem GEO-Katalog fragen). Mit Sicherheit gibt es natürlich auch Küstengewässer-Karten, ich würde gerne mal eine sehen, wer hat sowas?
Fisch-Arten-Liste Dahab 1994
"Alles so schön bunt hier", das war natürlich auch in diesem Herbst wieder der erste Eindruck beim Eintauchen ins Rote Meer. Aber diesmal hatte ich mir fest vorgenommen, diese knallbunten Fischschwärme nicht einfach nur so zu konsumieren, sondern die flossenbewehrten Tierchen rund um Dahab auch zu bestimmen. Ausgerüstet mit dem "Unterwasserführer Rotes Meer" von Helmut Debelius und einem ziemlich neuen und genialen Buch "Korallenfische der Welt" von Ewald Lieske und Robert F. Myers (Jahr-Verlag, Hamburg) kam dabei eine ganz beachtliche Arten-Liste zustande, die wir Euch nicht vorenthalten wollen.
Die lateinischen Namen sind nicht nur zur Erheiterung der zahllos im Club vertretenen Biologinnen und Biologen erwähnt, sondern um Verwechslungen auszuschließen: Leider sind die deutschen Bezeichnungen von Buch zu Buch wirklich sehr unterschiedlich. Außerdem habe ich jeweils noch Tafel- und Abbildungsnummer des Korallenfisch-Buches angefügt.
Haie (und ihre Begleiter)
Tja, die gab es auch in diesem Jahr nicht zu sehen. Ebse und Klaus meinen zwar, einem Hai bei den Bells begegnet zu sein, aber ihr Mittaucher Joachim sagt, es sei bloß ne olle Plastiktüte gewesen (die gab es je nach Strömung an manchen Tagen haufenweise, dann tagelang wieder keine einzige). Armin und ich sind trotz objektivem Haimangel einem rund einen Meter langen Hai-Schiffshalter (Echeneis naucrates, 40/11) über den Weg geschwommen - besser gesagt, er hat uns fast den Weg verstellt, so aufdringlich war er. Wir mussten ihn mit erhobener Flosse davon abhalten, sich bei uns anzusaugen.
Rochen
Auch die waren nicht sehr üppig gesät. Aber hin und wieder begegnete uns dann doch der ein oder andere Marmor-Zitterrochen (Torpedo sinuspersici, 3/7) - zum Beispiel an der steilen Riffwand bei den Bells - oder ein Blaupunkt-Stechrochen (Taeniura lymma, 4/1). Uli und Thomas haben am Ras Atantur einen Gefleckten Adlerrochen (Aetobatus narinari, 4/6) gesehen.
Muränen
Wunderhübsch, aber nur gelegentlich zu Gesicht zu bekommen ist die Sternflecken- oder Schneeflocken-Muräne (Echidna nebulosa, 5/1). Häufiger, besonders auf dem Riffdach, haben wir die bis 65 Zentimeter langen Weißen oder Grauen Muränen (Siderea grisea, 7/11) gesehen. Dort zwängen sie sich öfters auch zu zweit in die Spalten der Korallenblöcke. Seltenere Arten, die uns diesmal begegneten, sind die Gelbmaul-Muräne (Gymnothorax nudivomer, 6/4) und die Rußkopf-Muräne (Gymnothorax flavimarginatus, 6/5).
Üppiger in den Ausmaßen ist die Riesen-Muräne (Gymnothorax javanicus, 6/1), die bis zu drei Metern lang werden soll, was man/frau natürlich nicht sieht, weil nur ein Bruchteil des Fischs aus der Wohnhöhle ragt. Ein besonders monströses Exemplar lebt direkt vor der Inmo-Tauchbasis: Zwei Oberschenkel dick soll sie sein. Glücklicherweise ist sie mir bei meinem Nachttauchgang mit Sigi nicht begegnet; er hatte sie bei Tageslicht schon mal gesehen und alles daran gesetzt, sie weiträumig zu umtauchen.
Meeraale
Lebend ist uns kein Conger über den Weg geschwommen, einen toten Bart-Conger (Conger cinereus, 8/5) – zumindest den Kopf – hat Armin aber am Lighthouse entdeckt. Einfach zu finden ist die Kolonie von Rotmeer-Röhrenaalen (Gorgasia sillneri, 8/7) am Eel-Garden, wenn man/frau sich langsam und in Bodennähe heranpirscht. Dieses Feld wogender Fischleiber sieht einfach zum Piepen aus.
Schlangenaale
Diesen auffällig gefärbten Tieren sind wir immer nur nachts begegnet – mit Vorliebe auf dem Riffdach. Im ersten Moment sehen die flinken Schwimmer aus wie Seeschlangen. Mehrere Ringel-Schlangenaale (Myrichthys colubrinus, 8/9) haben uns an Inmos Hausriff erst mal einen Schrecken eingejagt, fünf Gefleckte Schlangenaale (Myrichthys maculosus, 8/12) dümpelten vor der Nesima-Basis herum.
Eidechsenfische
Tja, gesehen haben wir sicher welche, aber welche? Drei der vier Arten sind sich verdammt ähnlich, und der Schwanzfleck-Eidechsenfisch (Synodus jaculum, 9/9) ist zudem leicht mit dem Schwanzfleck-Sandbarsch (Parapercis hexophthalma, 112/4) zu verwechseln. Sicher identifiziert habe ich nur den Riff-Eidechsenfisch (Synodus variegatus, 9/7).
Hornhechte und Halbschnabelhechte
Hier versagte meine Buchbestimmerei. Auf jeden Fall schwimmen große Schwärme von Horn- und Halbschnabelhechten herum, die auch vom Ufer aus bei ihren Sprüngen über der Wasseroberfläche zu beobachten sind. Ob ihre Schnäbel nun aber halb oder ganz oder abgebrochen oder noch nicht ausgewachsen sind, das war beim besten Willen nicht auszumachen.
Soldaten- und Husarenfische
Diese zumeist rotgrundigen, glubschäugigen Fische sind auch nicht leicht auseinanderzuhalten, außerdem lassen sie sich mit den Großaugenbarschen verwechseln. Sicher erkannt habe ich den Weißsaum-Soldatenfisch (Myripristis murdjan, 12/8), den Blutfleck-Husar (Neoniphon opercularis, 13/7), den Silberfleck-Husar (Sargocentron caudimaculatum, 13/8) und den Rotstreifen-Husar (Sargocentron rubrum, 14/7).
Laternenfische
Es sieht total irre aus, wenn die Kleinen Laternenfische oder Rotmeer-Blitzfische (Photoblepharon palpebratum, 15/2) einen beim Nachttauchgang plötzlich anplinkern. Sie haben unter den Augen ein Leuchtorgan, das sie an- und ausschalten können – 50 Mal pro Minute. Die symbiontischen Leuchtbakterien der Laternenfische schwimmen aber auch frei herum: Wenn man/frau die Lampe ausschaltet, sich auf den Sandgrund kniet und dann heftig mit einer Hand herumwedelt, gibt das das schönste Meeresleuchten.
Trompetenfische
Völlig unverwechselbar sind die Flötenfische (Fistularia commersonii, 15/6), die uns regelmäßig in Schwärmen von 10 bis 20 Tieren begegnet sind. Bei einem Nachttauchgang haben wir wohl eine Gruppe aufgeweckt: Sie dösten kopfunter stehend am Fuß der Riffwand.
Schlangennadeln
Zwar sind mir einige Schlangennadeln – meist paarweise – begegnet, bestimmen konnte ich aber nur die Schultz-Seenadel (Corythoichthys schultzi, 16/6). Seepferdchen waren weit und breit leider nicht zu sehen.
Skorpionsfische
Ein echtes Drama für eine vom Bestimmungsfieber ergriffene Biologin: Man/frau muss ja schon zufrieden sein, wenn diese verdammt gut getarnten, finster dreinblickenden Gesellen sich überhaupt vom Untergrund abheben. Ein ziemlich steinfischartiges Geschöpf haben Uli und ich beim Canyon Garden gesehen: Es klemmte schräg und halb stehend im Korallenblock, hatte aber einen ausgeprägten Buckel und war vermutlich ein Buckel-Drachenkopf (Scorpaenopsis diabolus, 19/1). Einen Fransen-Drachenkopf (Scorpaenopsis barbatus, 19/4) haben Thomas, Joachim und ich bei unserem Nachttauchgang am Lighthouse gesehen.
Feuerfische
Sind recht häufig anzutreffen und auch gut voneinander zu unterscheiden: Der Strahlen-Feuerfisch (Pterois radiata, 20/2) hat zarte weiße Streifen auf rotbraunem Grund, beim Indischen Rotfeuerfisch (Pterois miles, 20/4) sind die braunen und weißen Streifen eher gleich dick.
Zackenbarsche
Die sind nun wieder etwas heikler, weil sie ihre Färbung sehr stark variieren können; je nach Lust und Laune des Fischs werden aus Punkten Streifen und umgekehrt. Sicher dabei waren in diesem Jahr: Juwelen-Zackenbarsch (Cephalopholis miniata, 25/1), Rotmaul-Zackenbarsch (Aethaloperca rogaa, 24/1), Pfauen-Zackenbarsch (Cephalopholis argus, 24/11), Rotmeer-Zackenbarsch (Cephalopholis hemistiktos, 25/4), Masken-Zackenbarsch (Epinephelus fasciatus, 26/11), Panther-Forellenbarsch oder Leoparden-Zackenbarsch (Plectropomus pessuliferus, 29/6), Rotflecken-Zackenbarsch (Epinephelus tauvina, 27/4), Dunkelflossen-Forellenbarsch (Plectropomus areolatus, 29/4) und Mondsichel-Juwelenbarsch (Variola louti, 29/1).
Ein besonders großes Exemplar von mindestens 1,30 Meter haben wir beim Abu Helal aus gebührendem Abstand beobachtet; das konnte nun wieder alles vom Malabar-Zackenbarsch (Epinephelus malabaricus, 27/1) bis zum Dunklen oder Gefleckten Riesen-Zackenbarsch sein (Epinephelus lanceolatus oder E. tauvina, 26/1, 26/2). Vielen Zackis begegnet man auch in weniger lebhaftem Zustand abends auf Dahabs Strandpromenade – mit Zitrone im Maul warten sie darauf, auf den Grill geschmissen zu werden.
Fahnenbarsche
Das ist Riff-Feeling: Hunderte von knallbunten Fahnenbarschen ziehen im Schwarm rund um den Korallenblock und natürlich auch um unsere Köpfe. Zwar sehen sie alle ein bisschen unterschiedlich aus, weil Weibchen und Männchen verschieden gefärbt sind und sich langsam ineinander umwandeln. Aber eigentlich sind es nur zwei Arten: Der Rotmeer- oder Streifen-Fahnenbarsch (Pseudanthias taeniatus, 22/4) und der Juwelen- oder Harems-Fahnenbarsch (Pseudanthias squamipinnis, 22/11).
Seifenbarsche, Mirakelbarsche, Zwergbarsche
Recht einfach zu bestimmen ist der scheue Sechsstreifen-Seifenbarsch (Grammistes sexlineatus, 30/1), wenn man/frau ihn denn mal sieht: Er ist dunkelbraun und hat schmale gelbe Längsstreifen. Wunderhübsch, aber eher selten sind Augenfleck-Mirakelbarsche (Calloplesiops altivelis, 30/7). Nicht zu verfehlen bei einem Rotmeer-Urlaub sind die pink bis lila gefärbten (hängt stark von der Wassertiefe ab) König-Salomon-Zwergbarsche (Pseudochromis fridmani, 31/1): Sie haben etwa Kleinfinger-Format und lugen meistens frech unter den Korallenblöcken hervor, genau wie ihre nahen Verwandten, die Kobalt-Zwergbarsche (Pseudochromis springeri, 32/1). Die sind schwarz mit azurblauen Rallye-Streifen am Kopf.
Korallenwächter
Der Gestreifte Korallenwächter (Paracirrhites forsteri, 34/2) macht seinem Namen alle Ehre: Er thront unerschrocken auf Korallenblöcken, den Körper auf die Brustflossen gestützt.
Großaugenbarsche
Ziemlich versteckt in Spalten und kleinen Höhlen leben tagsüber die Riff-Großaugenbarsche (Priacanthus hamrur, 39/7).
Torpedobarsche
Nur ein einziges Mal ist mir am Canyon Garden ein Pärchen Gestreifter Torpedobarsche (Malacanthus brevirostris, 40/2) begegnet. Die fast armlangen, aalförmigen weißen Fische haben Uli und mich eine ganze Weile lang eskortiert: Einer schwamm links, der andere in fünf Meter Abstand rechts von uns, immer dicht am Boden und beide ständig auf gleicher Höhe.
Stachelmakrelen
Zum Teil beeindruckend große Exemplare können einen ganz schön erschrecken, wenn sie einzeln oder in kleinen Gruppen plötzlich aus dem Freiwasser auftauchen und einen umrunden. Da die meisten Arten uni-silberfarbig sind und die schnellschwimmenden Raubfische meist auch rasch wieder außer Sichtweite sind, lassen sich nur wenige eindeutig bestimmen – eben solche mit auffälligen Flecken oder Flossenfarben wie die Gelbflecken-Makrele (Carangoides fulvoguttatus, 41/1). Die Zitronen- oder Orangefleck-Makrele (Carangoides bajad, 41/8) gibt's als silbrige Variante mit orangen Tupfen oder ganz quietschgelb – oft in ein und demselben Schwarm. Gut zu identifizieren ist auch die Blauflossen-Makrele (Caranx melampygus, 42/2).
Füsiliere
Diese stromlinienförmigen blau-silbrigen Fische umkreisen einen immer gleich hundertschaftenweise, oft in gemischten Schwärmen. Besonders häufig sind die nur im Roten Meer lebenden Rotmeer-Füsiliere (Caesio suevica, 46/5) und der Himmelblaue Füsilier (Caesio lunaris, 46/4). Seltener zu sehen sind Schwarzstreifen-Füsilier (Caesio varilineata, 46/10) und Goldstreifen-Füsilier (Pterocaesio chrysozona, 47/2). Nachts stolpert man/frau recht häufig über dösende Tiere, die dann oft einen rot- bis roséfarbenen Grundton haben.
Meerbrassen & Süßlippen
Immer gleich farbenfroh erscheinen die gelbflossigen Schwarztupfen-Süßlippen (Plectorhinchus gaterinus, 49/4), die wie die Zackis recht häufig auf den Auslagetischen der Kneipen enden. Mit einem halben Meter Länge sind die hochrückigen Doppelband-Meerbrassen (Acanthopagrus bifasciatus, 51/11) ganz schöne Brocken, wenn sie auf einen zuschwimmen.
Schnapper & Straßenkehrer
Der Schwarze Schnapper (Macolor niger) sieht erwachsen recht langweilig aus, dafür ist er als junger Fisch wild gefärbt (glücklicherweise ist im Korallenfisch-Buch eine Abbildung davon drin, sonst hätte ich diesen Harlekin im Leben nicht herausbekommen). Ziemlich ähnlich in Körperform und Aussehen sind die Straßenkehrer. Gesichtet haben wir diesmal den Großaugen-Straßenkehrer (Monotaxis grandoculus, 52/1), den Blaukopf-Straßenkehrer (Lethrinus mahsena, 53/3) und den Blaustreifen-Straßenkehrer (L. nebulosus, 53/7).
Meerbarben
Forsskals Meerbarben (Parupeneus forsskali, 54/7) wühlen mit ihren langen Barteln gerne in kleinen Gruppen den weichen Untergrund durch ; die Gelbflossen- oder Großschulen-Barben (Parupeneus vanicolensis, 54/2) sind eher in großen Verbänden anzutreffen. Zitronen- oder Gelbsattel-Barben (Parupeneus cyclostomus, 55/2) gibt es wiederum in zwei Farbvarianten: Die eher bläulichen Tiere haben zumindest einen gelben sattelartigen Fleck vor der Schwanzflosse, die anderen sind komplett gelb.
Beilbauchfische
Schwarzrand-Beilbauchfische (Pempheris oualensis, 55/8) sind regelmäßig am oberen Einstieg des Canyons zu finden. Vom Abu Helal aus in Richtung Norden entdeckten wir auf 18 Metern Tiefe an einem vorgelagerten inselartigen Riffpfeiler in diesem Jahr auch einen ganzen Schwarm Glasfische (Parapriacanthus guentheri, 55/6).
Falterfische
Diese fast kreisrunden Korallenfresser gehören einfach zu einem Riff-Tauchgang. Wenn man/frau sich an die Vielfalt der Farben, Streifen und Flecken erst mal gewöhnt hat, lassen sie sich sogar ganz gut auseinanderhalten. Wir haben diesmal gesehen: Den Fähnchen-Falterfisch (Chaetodon auriga, 57/8), den Rotmeer-Winkel-Falterfisch (Chaetodon paucifasciatus, 58/8), den Tabak-Falterfisch (Chaetodon fasciatus, 59/2), den Masken-Falterfisch (Chaetodon semilarvatus, 59/8), den Rotmeer-Rippen-Falterfisch (Chaetodon austriacus, 62/2) und den Rotmeer-Wimpelfisch (Heniochus intermedius, 66/3).
Barrakudas
Diese schnittigen Räuber haben sich diesmal ziemlich rar gemacht, nur ein paar Mal waren wir von Großschulen-Barrakudas (Sphyraena jello, 111/3) umringt.
Meeräschen
In der sandigen Lagune oberhalb des Canyons begegneten uns drei Stumpfmaul-Meeräschen (Crenilabrus crenilabrus, 111/8).
Kaiserfische
Besonders imposant sind der Imperator-Kaiserfisch (Pomacanthus imperator, 72/2), der Pfauen-Kaiserfisch (Pygoplites diacanthus, 72/1), der Arabische Kaiserfisch (Pomacanthus maculosus, 73/1) und der Halbmond-Kaiserfisch (Pomacanthus asfur, 73/2), deren Jungfischformen wiederum ganz anders gemustert sind. Etwas schlichter gefärbt ist der gar nicht seltene Braune Zwergkaiserfisch (Centropyge multispinis, 69/3). Der Rotmeer-Lyrakaiserfisch (Genicanthus melanospilos, 71/2) sieht dagegen eher aus wie ein Zebra.
Anemonenfische
Gnadenlos und unerschrocken verteidigen die Rotmeer-Anemonenfische (Amphiprion bicinctus, 76/11) ihre lebende Behausung, wenn man/frau sie ein bisschen neckt.
Riffbarsche
Da gibt's nun wieder eine derartig große Zahl von Arten, die sich teilweise verdammt ähnlich sehen. Sicher dabei waren: Der Indopazifik-Sergeant (Abudefduf vaigiensis, 74/1) – zum Beispiel am Einstieg zum Blue Hole –, der Gelbbauch-Riffbarsch (Amblyglyphidodon leucogaster, 77/3), der Blaugrüne Chromis (Chromis viridis, 78/2), der Braunmantel-Chromis (Chromis pembae, 79/1), der Trauermantel (Chromis dimidiata, 79/5), der Leuchtfleck-Chromis (Chromis trialpha, 80/2), die Schwefel-Demoiselle (Pomacentrus sulfureus, 86/1) und der Dreibinden-Preußenfisch (Dascyllus aruanus, 82/5). Der Dreifleck-Preußenfisch (Dascyllus trimaculatus, 82/7) hat nur als Jungfisch wirklich drei Flecken; die helle Stelle auf der Stirn verschwindet mit dem Erwachsenwerden. Mirys Demoiselle (Neopomacentrus miryae, 84/9) ist fast so häufig wie der Blaugrüne Chromis, in den Bestimmungsbüchern aber schier nicht zu finden, weil die Merkmale unter Wasser viel mehr ins Auge springen: Das silbergraue Fischchen hat einen gelben Anflug an der Schnauze, eine orange gerahmte, gegabelte Schwanzflosse und an der Schwanzbasis einen auffällig hell leuchtenden, cremefarbenen Fleck.
Lippfische
Mit den Lippfischen hat es der Gott der bunten Farben besonders gut gemeint: Da ist selbst mein sonst ganz passables optisches Gedächtnis oft schlichtweg überfordert. Erkannt habe ich: Herzog- oder Lyraschwanz-Schweinslippfisch (Bodianus anthiodis, 90/1), Diana-Schweinslippfisch (Bodianus diana, 90/2) und Achselfleck-Schweinslippfisch (Bodianus axillaris, 90/4) – die Jungen dazu tragen große weiße Flecken auf dunklem Grund. Etwas größere Modelle sind der Napoleon (Cheilinus undulatus, 92/1) – er kann 2,30 Meter lang werden –, der Rotbrust-Lippfisch (Cheilinus fasciatus, 92/2), der Besenschwanz-Lippfisch (Cheilinus lunulatus, 92/4) und der Wangenstreifen-Lippfisch (Oxycheilinus diagrammus, 92/6). Zierlicher ist der Seitenstreifen-Lippfisch (Oxycheilinus mentalis, 92/11).
Ein wahrer Farb-Verwandlungskünstler ist der Stülpmaul-Lippfisch (Epibulus insidiator, 93/1), der zudem noch sein Maul zu einem Saugrohr ausfahren kann. Apart getupft sind der Braune Bäumchenfisch (Novaculichthys taeniourus, 93/7), der Gelbschwanz-Perljunker (Anampses meleagrides, 96/1) und der Gelbbrust-Perljunker (Anampses twisti, 96/6). Beim Spiegelfleck-Junker (Coris aygula, 97/1) wurden Jugend- und Adultform früher als eigene Arten beschrieben. Schachbrett-Junker (Halichoeres hortulanus, 98/1), Streifen-Banner-Lippfisch (Hemigymnus fasciatus, 100/1), Zigarren-Lippfisch (Cheilio inermis, 101/1) und Blauer Vogelfisch (Gomphosus caeruleus, 101/2) sind ziemlich eindeutig anzusprechen. Vom Diamant-Lippfisch (Macropharyngodon bipartitus, 101/4) haben wir immer nur Weibchen gesehen. Bei Kurzstreifen-Regenbogenjunker (Stethojulis interrupta, 102/13), Mondsichel-Junker (Thalassoma lunare, 103/6) und Brandungs-Junker (Thalassoma purpureum, 103/9) war ich dagegen schon froh, die Männchen zu erkennen. Gemeiner Putzerfisch (Labroides dimidiatus, 104/5) und Blauer Rotmeer-Putzerfisch (Larabicus quadrilineatus, 104/3) gehen auch auf Mitesser und Pickel los.
Papageifische
Auch hier herrscht das Malkastenprinzip. Besonders heiter ist das Artenraten bei den Papageifischen, weil sie je nach Lust und Laune Farben und Muster ändern. Ergo: Wir haben verdammt viele Papageifische gesehen – ohne sie bestimmen zu können. Nur wenige haben sich eindeutig zu erkennen gegeben: Buckelkopf-Papageifisch (Scarus gibbus, 105/3), Kugelkopf-Papageifisch (Scarus sordidus, 105/6), Indische Langnase (Hipposcarus harid, 107/1) und Rostnacken-Papageifisch (Scarus ferrugineus, 110/1).
Sandbarsche
Glücklicherweise gibt's von den vielen ähnlichen Arten im Roten Meer nur den Schwanzfleck-Sandbarsch (Parapercis hexophthalma, 112/4); der ist allerdings leicht mit einem Eidechsenfisch zu verwechseln.
Schleimfische
In der Nähe der Röhrenaale beim Eel-Garden tauchte ein Segelflossen-Säbelzahnschleimfisch (Petroscirtes mitratus, 113/10) durch den Sand. Außerdem gab es zu sehen: Dussumiers Säbelzahnschleimfisch (Aspidontus dussumieri, 114/1), Piano-Säbelzahnschleimfisch (Plagiotremus tapeinosoma, 114/3), Gepunktete Säbelzahnschleimfische (Meiacanthus nigrolineatus, 114/10), Mimikry-Kammzähner (Ecsenius gravieri, 116/1) und Schwarze Kammzähner (Atrosalarias fuscus, 117/2).
Torpedogrundeln, Wächtergrundeln, Riffgrundeln
Sehr elegant sehen die Scherenschwanz-Torpedogrundeln (Ptereleotris evides, 119/4) aus, wenn sie in kleinen Gruppen oder paarweise durchs Wasser segeln. Sungamis Wächtergrundeln (Amblyeleotris sungami, 120/8) oder Nonnen-Wächtergrundeln (Lotilia graciliosa, 121/10) kann man/frau endlos zusehen, wie sie für ihre blinden Pistolenkrebse die Wohnröhre freischaufeln. Ganz anders die Zitronen-Grundelchen (Gobiodon citrinus, 123/1): Sie machen es sich auf der Oberseite von Tischkorallen bequem.
Doktorfische
Auch die Doktorfische mit ihren messerscharfen Skalpellen an der Schwanzbasis gehören unbedingt zum Korallenriff-Feeling; sie lassen sich auch ganz gut auseinanderhalten. Zu sehen waren Blauer Segelflosser (Zebrasoma xanthurum, 124/6), Fledermaus-Segelflosser (Zebrasoma desjardinii, 124/3), Arabischer oder Sohal-Doktorfisch (Acanthurus sohal, 125/2), Mönchs-Doktorfisch (Acanthurus gahhm, 125/10), Brauner Borstenzahndoktor (Ctenochaetus tominiensis, 126/8), Gelbklingen-Nasendoktor (Naso lituratus, 128/1) und Blauklingen-Nasendoktor (Naso unicornis, 128/3).
Kofferfische
Sehr häufig sind Kofferfische auf dem Riffdach anzutreffen; wenn sie aber mal richtig durchs offene Wasser gondeln, sehen sie völlig cool aus. Den Gelbbraunen Kofferfisch (Ostracion trachys, 136/4) gibt es mit mehr oder weniger Flecken; die Jungen sind quietschgelb mit pechschwarzen Punkten. Auf dem Riffdach vor den Bells wimmelte es nur so von jungen Kofferfischen.
Kaninchenfische
Mit ihren vorgestülpten Lippen sehen Kaninchenfische immer ein bisschen bedeppert aus. Gängiges Unterwasser-Zeichen: Zwei Finger von der Oberlippe herab ragen lassen. Gesehen haben wir Silber-Kaninchenfische (Siganus argenteus, 129/4), Braune Kaninchenfische (Siganus luridus, 129/8) und Tüpfel-Kaninchenfische (Siganus stellatus, 130/10).
Plattfische
Auf dem Rückweg vom Canyon ist uns auf dem sandigen Boden der Lagune jedes Mal mindestens eine Moses-Seezunge (Pardachirus marmoratus, 131/9) begegnet.
Drückerfische
Es waren auch in diesem Jahr keine Stanzlöcher in Flossen oder Kniekehlen zu verzeichnen; die Drückerfische waren alle ganz friedlich. Nur einer hat uns mal angeglupscht, als wir zu nahe kamen. Gesehen haben wir Rotzahn-Drückerfisch (Odonus niger, 132/1), Blaustreifen-Drückerfisch (Pseudobalistes fuscus, 132/6), Rotmeer-Drückerfisch (Sufflamen albicaudatus, 133/2) und Arabischen Picasso-Drücker (Rhinecanthus assasi, 133/10).
Kugelfische
Auch die winzigen Zwerg-Spitzkopf-Kugelfische (Canthigaster pygmaea, 137/12) und die Augenfleck-Spitzkopf-Kugelfische (Canthigaster margaritata, 137/7) begegneten uns vor allem auf dem Riffdach. Die bis 1,20 Meter langen Riesen-Kugelfische (Arothron stellatus, 138/1) schwimmen dagegen gerne in kleinen Gruppen im Freiwasser herum oder dösen auf dem Sandboden. Dort stöbert man/frau auch leicht mal einen Masken-Kugelfisch (Arothron diadematus, 138/4) oder einen Weißfleck-Kugelfisch (Arothron hispidus, 138/8) auf. Seltener ist der Gelbflecken- oder Rotmeer-Igelfisch (Cyclichthys spilostylus, 138/13), der sich tierisch aufblasen kann, wenn er sich aufregt.