98/99 von Riki

Dunkel war's und Nebelbänke versperrten uns immer wieder plötzlich die Sicht. Tom wähnte jeden Augenblick Elfen und Kobolde aus dem verwunschenen Wald hervorhüpfen zu sehen. Chris enthielt sich lieber jeder Antwort..., bis plötzlich MAN Roland aus den Nebelschwaden auftauchte: ein riesenhaftes Gebilde, das sich bei näherem Hinsehen als Villa entpuppte (die ursprünglich im Besitz der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg war): endlich waren wir am Ziel unserer nächtlichen Irrfahrt an den Bodensee!

Pflichtbewusst hatten wir drei uns noch die Jahreshauptversammlung "reingezogen", kräftig mitdiskutiert, ohne jedoch einigen Mitgliedern ernsthafte Konkurrenz machen zu können... Und jetzt endlich, um 2 Uhr morgens, hatten wir das Vereinsheim vom Sozialpädagogischen Segelverein direkt am Bodensee in Wallhausen erreicht. Es folgten bange Minuten: Würden wir uns ohne Schlüssel Einlass verschaffen können oder aber draußen in der klirrenden Kälte nächtigen müssen?

Wider Erwarten war das Eingangsportal unverschlossen (gelobt seien unsere schon nachmittags angereisten wackeren, jetzt längst schnarchenden Mittaucher Manni und Schneck mit Jan, Frank und Gunda sowie alle Anfänger, die an diesem denkwürdigen Wochenende hofften, in den Adelsstand der Bronzetaucher erhoben zu werden...); und der gutgefüllte Kühlschrank in den Küchenkatakomben versprach ein üppiges Nach-Mitternachts-Mahl... Dann irrten wir in dem riesigen Haus herum, bis wir unter den 11 Schlafräumen endlich unseren ausfindig gemacht hatten.

Am nächsten Morgen nach üppigem Nutellafrühstück war erst mal Villenbesichtigung angesagt: Hier also sollte der Legende zufolge Kulenkampff gewohnt haben?? Der Esssaal mit offenem Kamin und Blick auf den Bodensee direkt im Anschluss an den Garten, die vielen Aufenthaltsräume und Schlafzimmer auf zwei Etagen waren schon beeindruckend, wenn auch etwas in die Jahre gekommen (aber Hauptsache, die Küche war mit einer Geschirrspülmaschine ausgestattet!).

Und dann wurde es ernst für unsere fünf Anfänger, die schon in sichtlicher Vorfreude auf ihren ersten Freiwassertauchgang unter geradezu idealen Bedingungen hinfieberten: 13 m Sicht sollte es haben, und mehrere Grad Celsius (über Null, wohlgemerkt!) - es wurde von 3 °C gemunkelt, doch dann waren es sogar 6... Kein Problem für die Prüfer in ihren mollig warmen Trockis!

"Warum bin ich bloß hier? Warum tue ich mir das freiwillig an?"

So oder ähnlich müssen wir uns die begeisterten Gedanken von Petra, Sabine, Sven, Andreas und Matze vorstellen, als die kalten Fluten ihnen die Gesichter vereisten und auch die Finger in kürzester Zeit in bewegungslose, tarierunfähige Eisklötze verwandelten... Maximal 10, 12 m tief wollten die Prüfer mit ihren Schützlingen gehen, doch dann dümpelte alles im Schlamm auf 3 m herum, weil es angeblich "nicht tiefer ging"; nur Tom fand den von 3 auf 15 m sanft abfallenden Hang direkt rechts neben der Hafenumfriedung: ideal für Anfänger! Zu sehen gab es zwar um diese Jahreszeit keine Fische, aber massig Muscheln in allen Größen und geschäftig ihre Löcher ausbauende Süßwasserkrebse, die neugierig die Taucher beäugten.

Einhellige Meinung der Neulinge: toll war's! Zumal man nur den Garten unserer Villa durchqueren musste, um schon ebenerdig im mollig beheizten, fliesenbelegten Hobbykeller, unserem Luxus-Geräteraum, zu stehen. Nun aber nichts wie aus das Gerödel und unter die warme Dusche direkt im Keller!

Inzwischen hatte die Kochcrew ungeahnte kulinarische Genüsse gezaubert: leckere Erbsen-Konservensuppe gab's von ALDI, und am nächsten Mittag dann den berühmten Feuerzauber Texas - natürlich ebenfalls von ALDI!! Die meisten Taucher waren verständlicherweise von dieser darmreinigenden, ballaststoffreichen Hülsenfrüchtekost begeistert - zumal die Köche den nahrhaften Brei zur Abrundung des Geschmacks ordentlich hatten anbrennen lassen. Neidvoll werden die armen Daheimgebliebenen zudem das Abendmenü (Samstag) vernehmen: Schupfnudeln gab's mit Sauerkraut, und dazu den delikaten ALDI-Pennerwein vom letzten Weihnachtsmarkt (das zweite und dritte Glas schmeckte sogar noch besser als das erste...).

Während der Großteil Mittagsruhe vorm gemütlich prasselnden Kamin hielt, fuhren Tom und Manni geschwind zum Flaschenfüllen in der 200 m entfernten Tauchbasis Wallhausen (direkt am Hafen); praktischerweise haben die auch am Sonntag geöffnet und verlangen übrigens magere 10 DM für Luft inkl. Flaschenleihen. Dort können Fortgeschrittene übrigens auch in Richtung Teufelstisch tauchen (Einstieg links vom Hafen an der Slipanlage).

Nach allzu kurzer Mittagsruhe vorm gemütlich prasselnden Kamin ging's wieder hinein in die kühlenden Fluten. Jetzt fanden schon fast alle den Abhang der Halde; nur schade, dass sie schon bei Erreichen desselben (nach etwa 50 m) steifgefroren waren. Den absoluten Rekord im Langtauchen stellten Chris und Petra auf mit insgesamt 28 min unter Wasser! Allerdings dauerten die anschließenden Wiederbelebungsversuche von Petra dann ebensolange (Chris ging's gut in seinem Halbtrockenen und Spezialhandschuhen...).

Sonntagnachmittag, direkt nach dem vierten und letzten Tauchgang dann der absolute Höhepunkt dieser Ausfahrt: die (vor Angst?) schlotternden Anfänger wurden feierlich von Neptun (auch bekannt unter dem Decknamen Tom) getauft. Alle waren sich einig: die kulinarischen Höhenflüge dieser Tauchertaufe würden sie ihr Lebtag nicht vergessen!

Als Aperitif gab es süffigen Weißwein ad libitum, genussvoll durch den Schnorchel geschlürft; als Hauptgericht dann würzigen, extrascharfen Löwensenf - für jeden einen ganzen Löffel (mmhh!!); und zum Dessert wurde jeder noch liebevoll mit dem guten Wein übergossen und mit Mehl bestäubt.

Und dann hieß es leider schon Abschied nehmen von der gastlichen Villa, nachdem das Werk der Reinigungskolonnen endlich dem strengen Blick des Zivi standhalten konnte. Der hatte ein gar anstrengendes Wochenende als offizieller Haushüter hinter sich: Blicken lassen hatte er sich nur wenige Minuten, denn er war meist mit einem Freund zum Skilaufen ausgeflogen. Tja, Zivi müsste man sein...

Wohlbehalten zurück in Tübingen mochten wir noch gar nicht auseinandergehen, sondern begossen noch mit den Neuen ihren Eintritt in die höheren Sphären der Bronzetaucher: und vor allem den Eintritt von Matze, Petra und Sabine in die heiligen Hallen des Tauchclub Triton. (Angeblich hat ihnen der Kurs und unser Bodensee-Wochenende gaannz doll gefallen!) Herzlich willkommen!

P.S.: Alle drei haben sich nicht abschrecken lassen von den finsteren Gestalten, die montags und mittwochs das Uhlandbad bevölkern, sondern springen jetzt tapfer mit in die wogenden Fluten.

Riki