1.9.-16.9.1999 von Uli Egert & Michaela Nohel

Malediven Velidhu, auch Velidhoo oder Avi genannt, ist eine Halbmond-Insel im nördlichen Ari-Atoll. In der Spitze des Atolls liegt die Insel im Einzugsbereich beider Außenriffseiten und bildet eine Ausgangsbasis für Ausflüge bis ins Rasdhoo-Atoll im Nordosten, Fishhead im Süden und die Außenriff-Tauchplätze des Ari-Atolls in diesem Bereich.

Der größte Teil der Besucher war in unserer Zeit einfach zum Entspannen dort; selbst Segeln und Surfen wurden kaum genutzt, und das Motorboot war sowieso gerade kaputt.

Die Insel

Velidhu ist etwa 300x200m groß mit einer großen Lagune im Osten. Während unseres Besuchs waren die ca. 100 Bungalows (alle mit Einzel-Klimaanlage und Ventilator, Warm- und Kaltwasser) zu etwa 80% belegt. Alle Bungalows sind aus Korallengestein (inzwischen verboten) und fast überall einzeilig entlang der Peripherie angeordnet. Im Allgemeinen ist nur ein schmaler Grüngürtel aus Pandanus und Kokospalmen zum Strand zu überwinden. Nur eine Handvoll Bungalows haben direkten Meerblick. Eine Doppelzeile hölzerner Wasserbungalows mit jeweils 2 Apartments pro Einheit ist über einen gemeinsamen Steg in Richtung Südost erreichbar.

Die Anlage wird derzeit noch erweitert. An dieser Ecke der Insel liegt auch der Anlegeplatz für die Wasserflugzeuge und die Dhonis, es muss daher mit etwas höherem Lärmpegel gerechnet werden. In den Bungalows am Ufer ist an dieser Stelle auch der Generator gut zu hören. Feinsandigen Strand gibt es rundum und immer erreichbar - entsprechend ruhig war es am Strand. Die Insel ist in dieser Jahreszeit auf jeden Fall nicht überfüllt.

Bungalows

Sehr schön. Geräumig, sauber und 2x täglich gefegt. Liegestühle, Wäscheleine und Wasserhahn zum Ausspülen der Badesachen gibt's an jedem Bungalow. Die Klimaanlagen sind individuell regelbar - Oberluxus im Vergleich zu Dahab. Nachts wird die Stromversorgung auf einen 2. Generator umgestellt, während der Zeit wird der 1. gewartet. Beim Umschalten fällt für 1-2 Minuten auf der ganzen Insel der Strom aus. Das ist die einzige Gelegenheit, den Sternenhimmel unbeleuchtet zu beobachten. Wer Ladegeräte mit fester Ladezeitsteuerung verwendet, fängt in diesem Moment wieder von vorne an. Die Steckdosen (220V) sind „3-polig“, ein Eurostecker passt in die Pole rein, wenn man mit einem Kuli die mechanische Sperre im oberen Loch herunterdrückt (gefahrlos).

Tauchen

Die Eurodivers-Basis

Die Eurodivers-Basis (5* PADI) ist für ca. 40 Taucher ausgelegt und wird von dem Holländer Karel geleitet. Karel ist seit 13 Jahren für Eurodivers tätig, die professionelle Routine ist angenehm. Pro Tag werden 2 entsprechende Ausfahrten angeboten (keine Mindestteilnehmerzahl, maximal 12 Taucher) zu Zielen in bis zu 60 min Entfernung. Wenn die Gruppen hinsichtlich der Taucherfahrung zu heterogen werden (z. B. nach Anfängerkursen) oder jemand den ausgewählten Tauchplatz nicht nochmal betauchen möchte (wir wurden extra vorher gefragt), wird ein zweites Ziel angeboten, auch wenn insgesamt weniger als 12 Taucher zusammenkommen. Wir sind z. B. mehrmals mit nur 3-4 Tauchern auf einem Boot gefahren.

Zur Teilnahme musste man sich bis 19h am Vortag in die aushängenden Listen eintragen. Wenn man es sich anders überlegt, kann man allerdings auch noch am gleichen Tag dazukommen (Platz am Boot vorausgesetzt) oder abspringen. Null Problemo.

Die Tauchplätze werden jeweils am Tauchtag mit den Dhoni-Kapitänen hinsichtlich Wetterlage, Gezeiten, Strömung und Zusammensetzung der Tauchgruppe ausgewählt und sind deshalb am Vortag meistens noch nicht bekannt. Sonderwünsche werden, wenn möglich, gerne berücksichtigt. Vor der Ausfahrt werden die Tauchgänge mit Zeichnungen beschrieben, die Buddy-Paare eingeteilt und jedes Mal nochmal die Spielregeln (max. 30m/60min, 3 min Sicherheitsstopp auf 5 m, keine Dekotauchgänge, Ausstieg mit 30 bar Reserve, Buddy-System) heruntergebetet. Vorm Abtauchen findet dann nur noch ein kurzes Briefing statt (vielleicht waren da mal Schwaben, die scheinen jedenfalls das württembergische Kurzbriefing zu kennen).

Die Ausrüstung ist längst auf dem Boot. Die Crew prüft die Strömung (meistens stimmt's), hilft beim Anziehen der Flaschen und bei der Rückkehr ins Boot. Alles unaufdringlich und professionell. Einer der Kapitäne ist selbst Divemaster. Die Boote ankern am Tauchplatz nicht und sammeln jeden da ein, wo er auftaucht. Nach dem Tauchgang werden die Tauchgangsdaten gesammelt (kontrolliert hat keiner). Diese Reglementierung und Listenführung ist Vorschrift auf den Malediven und wird (angeblich) gelegentlich geprüft.

Diese Regelung hat während unseres Aufenthalts reibungslos und zu aller Zufriedenheit funktioniert. Die Tauchpartner werden nach Erfahrung bzw. vorhandenen Gruppen eingeteilt. Zwiespältig fand ich, dass immer Taucher mit ähnlicher Erfahrung zu Buddy-Paaren zusammengestellt wurden. So tauchen dann 2 Leute mit je 20 TGs beim Strömungstauchgang zusammen. Das hat zwar den Vorteil, dass der Luftverbrauch in der Gruppe ähnlich ist und erfahrenere Taucher ihre Interessen besser ausleben können, unter Sicherheitsgesichtspunkten finde ich die Strategie allerdings fragwürdig.

Zusätzlich werden noch 2 Tagestouren angeboten, jeweils mit Wrackbesichtigung. Dabei werden je 2 Tauchplätze in weiterer Entfernung angefahren, zwischendurch gibt es ein einfaches aber reichliches Mittagessen an Bord und einen Inselbesuch. Als Kick gibt's noch eine Ausfahrt zur Hammerhai-Besichtigung bei Madivaru im Rasdhu-Atoll mit kurzem Besuch auf der Einheimischen-Insel Rasdhu.

Zustand der Riffe

Um es von vornherein zu sagen: an allen Tauchplätzen waren die Korallen oberhalb von 10-15m sehr stark bis 99% zerstört. Auf dem Riffplateau haben, wenn überhaupt, nur einzelne Porenkorallenköpfe überlebt, am ehesten noch am Außenriff. Sämtliche Acropora-Korallen (Geweih-, Tischkorallen usw.) sind zerstört - die teilweise beschriebene Erholung der Weichkorallen begrenzt sich derzeit noch auf einzelne Sacrophyton-Kolonien (diese ledrigen Pilze). Mit den Korallen sind meist auch die mit ihnen verbundenen Wirbellosen untergegangen. Dagegen ist die Fischwelt immer noch sehr reich und vielfältig. Den Pflanzenfressern scheint es jedenfalls prächtig zu gehen. Da dies mein erster Maledivenbesuch war, fehlt aber ein wirklicher Vergleich.

Tauchplätze

Das Hausriff liegt im Süden und Westen und kann direkt vom Strand über einen kurzen Riffkanal erreicht werden. Der Riffhang ist im Einstiegsbereich steil und endet auf ca. 25m im Sand. Nach Westen hin (in Richtung Lagune) ist die Riffkante stärker strukturiert, die Formen abwechslungsreicher. Schade nur, dass die Korallen tot sind. Für Schnorchler gibt's auf Velidhu nur Fische (davon allerdings viele) und Seegurken, kaum lebende Korallen! Am Hausriff werden öfter Delfine, Schildkröten, Schwarzspitzenhaie und Muränen gesichtet. Wenn außerdem der Haus-Riesendrücker zügig auf einen zuschwimmt, sobald man ins Wasser kommt, weiß man wieder, warum es auf der Insel verboten ist, die Fische zu füttern, und dass es manche trotzdem tun (vor allem italienische Gäste).

Die mit dem Dhoni angefahrenen Plätze sind vielgestaltig und ermöglichen dem Interessierten einen Überblick über die Riffstruktur an verschiedenen Positionen im Atoll. Genau das fand ich sehr positiv, da Strömungskanäle und Außenriffhänge zwar Großfische, aber sonst nicht so viel bringen und die Strömungstauchgänge mir zu wenig Zeit zum Schauen lassen. ICE- und Actiontauchen eben. Haie sehen sich nach einiger Zeit auch ziemlich ähnlich. Wer eine Beschreibung der betauchten Plätze will, kann bei uns nachfragen.

Was gab es zu sehen (bei Sichtweiten von 20-50 m)? Graue Riffhaie, Weißspitzen-Riffhaie, Schwarzspitzen-Riffhai, Ammenhai, Hammerhaie, Stachelrochen, Adlerrochen, Napoleon, Thunfische, Schildkröten, Mantas (leider nicht für uns), große Zackis, Muränen und natürlich viele, viele bunte kleinere Flossenträger. Delfine und fliegende Fische gab es für uns nur über Wasser - Wirbellose auch.

Leihausrüstung

10- und 12-l-Aluflaschen nach Wunsch, immer mit ca. 215 bar gefüllt. Die Leihausrüstung sah tadellos aus, uns sind auch keinerlei Klagen zu Ohren gekommen. Da wir unsere eigene dabei hatten, habe ich jedoch keine Erfahrung aus erster Hand damit. Die Anzüge sind allerdings Shorties mit 3 mm Neopren, in denen es manchem nach knapp einstündigem Tauchgang etwas kühl wurde. Die gesamte Ausrüstung kann an der Basis gelagert werden. Für Schnorchler wird auch ABC-Ausrüstung verliehen. Bemerkenswert ist noch die sehr gute, mehrsprachige Bibliothek mit Bestimmungsliteratur (Fische und niedere Tiere) und Information über Korallenriffe, die aus Karels persönlichem Bestand zur Verfügung gestellt wird.

Tauchpreise

Die Tauchpreise sind eher in der oberen Hälfte des Spektrums anzusiedeln. Vorausbuchungen sind zwar teilweise beim jeweiligen Reiseveranstalter möglich, aber teilweise teurer als vor Ort. Wie schon von anderen Tauchern berichtet, stellt Karel aus den angebotenen Paketen die günstigste Kombination zusammen, die auf die Tauchgänge passt, z. B. aus 6-Tage NL (296 US$) + Teile von 10er Packs. Bei meinen 20 TG wurden daraus dann 493 US$, macht 25 $/TG, zzgl. Bootskosten. Da das Hausriff nicht mehr viel hergibt, kann das Non-Limit Paket leider nicht sonderlich ausgenutzt werden. Wer richtig Druck braucht, sollte sich deshalb eine Insel suchen, die diesbezüglich mehr bietet. Vollmundigen Versprechungen der lokalen Basis ist allerdings mit Vorsicht zu begegnen - wer gibt schon gerne zu, dass an seinem Riff nix los ist, und Korallensterben gibt es auf jeder Insel.

Wetter

Sommer und Herbst sind Regenzeit. Öfters nachts Regen, tagsüber höchstens kurze Schauer. Für 3 Tage war es trübe und regnerisch, sonst sonnig mit gelegentlichen Wolken, eigentlich prima. Wassertemperatur oben 29°C, unten 1-2° weniger.

Alles in allem hatten wir einen Super-Urlaub und schöne Tauchgänge, die einen breiten Eindruck des Tauchreviers Malediven vermittelt haben. Preislich war es mittlere Lage; ob man für dasselbe Geld etwas Besseres bekommt, wird der nächste Urlaub zeigen. Sicher gibt es immer etwas zu verbessern, aber man muss sich ja nicht selber schlechte Laune einreden.