Vereinsausfahrt ans Mittelmeer (15. bis 22. Mai 2016)

Karte von Giglio

Jährlich lädt der Tauchclub Triton Tübingen 80 e.V. zu seiner Jugendausfahrt ein, die den Verein im Mai 2016 nach Italien, auf die toskanische Insel Isola del Giglio (Abb. 1) führte. Mit drei Auto Bussen und einem mit Tauchequipment voll beladenen Anhänger, starteten wir die Anfahrt aus Tübingen. Unser Weg führte uns über die Grenze zur Schweiz, ohne Stau durch den Gotthard Tunnel und weiter durch den Norden Italiens. Die letzte Etappe stellte die Fähre hinüber nach Giglio Porto dar. An der nordwestlichen Küste, bei Campese, bezogen wir jeweils zu viert oder fünft unsere Quartiere. Diese lagen in nächster Nähe zueinander und unweit von der Tauchbasis Campeses Diving Center entfernt. Nur wenige Schritte über den Hof der Basis erwartete uns das tyrrhenische Meer. Klar, in türkiser und dunkelblauer Farbe – bereit für unsere Tauchgänge und unsere Erkundungen – von der Sonne hell erleuchtet bei minimalem Wellengang. In der Ferne zu erkennen: die Insel Elba.

Abbildung 3: Markante Felsformation Faraglione dell’isola del Giglio an der Spitze der Nordwestküste.
Abbildung 3: Markante Felsformation Faraglione dell’isola del Giglio an der Spitze der Nordwestküste.
Abbildung 4: Blick auf die Bucht von Campese beim Aufstieg nach Castello – mit den 3 Fördertürmen, wobei nur noch der dritte Turm voll erhalten ist. Im Hintergrund in blasser Silhouette, die Insel Elba.
Abbildung 4: Blick auf die Bucht von Campese beim Aufstieg nach Castello – mit den 3 Fördertürmen, wobei nur noch der dritte Turm voll erhalten ist. Im Hintergrund in blasser Silhouette, die Insel Elba.
Abbildung 6: Gerüst des zweiten Förderturms mit Mönchsfischen und Pflanzenbewuchs.
Abbildung 6: Gerüst des zweiten Förderturms mit Mönchsfischen und Pflanzenbewuchs.

Dennoch zog es eine kleine Gruppe nach der Ankunft, noch vor dem gemeinsamen Kochen und Essen, ins Wasser. Aufgebrochen mit ABC-Ausrüstung und Bojen das Gewässer erstmals zu erkunden – dabei machten einige auch ihre ersten Erfahrungen im Meer zu schnorcheln und Apnoe zu betreiben. Nahe den Fördertürmen, östlich der markanten Felsformation Faraglione dell’isola del Giglio (siehe Abb. 3 & 4) auf ca. 13 – 16 Metern Tiefe, wurden wir auf das Mineral Pyrit aufmerksam. Golden funkelte es von der Sonne angestrahlt am Meeresboden zwischen den Sandriffelungen und Pflanzen. Schnell waren viele Stücke gesammelt und gab Aufschluss über die Geschichte der Insel. Auch weswegen mitten im Meer drei Stahlbetonplattformen und ein metallener Förderturm aus dem Wasser herausragen. Sowohl Pyrit, als auch Granit und Eisenerz wurden auf Giglio abgebaut.

Abbildung 7: Perfekt getarnt am dritten Förderturm auf knapp 15 Metern beim Apnoe entdeckt – den Drachenkopf.
Abbildung 7: Perfekt getarnt am dritten Förderturm auf knapp 15 Metern beim Apnoe entdeckt – den Drachenkopf.
Abbildung 8: Meerbarben, auf dem Rückweg zum Ufer entdeckt.
Abbildung 8: Meerbarben, auf dem Rückweg zum Ufer entdeckt.
Abbildung 9: Seestern am steinigen Uferbereich entlang der Felsformation Faraglione.
Abbildung 9: Seestern am steinigen Uferbereich entlang der Felsformation Faraglione.
Abbildung 10: Leuchtqualle nahe dem Uferbereich der Bucht Campese, leicht vom Wellengang bewegt.
Abbildung 10: Leuchtqualle nahe dem Uferbereich der Bucht Campese, leicht vom Wellengang bewegt.

Während des einwöchigen Aufenthalts in Campese, wurden die Fördertürme wohl am häufigsten angetaucht, darüber hinaus sind reichlich Tauchplätze vorhanden (Abb. 5). Zunächst bei den Fördertürmen verbleibend: interessant war besonders (vom Strand ausgesehen) der zweite, eingestürzte Förderturm (Abb. 6), der von Flora und Fauna angenommen wurde und neue Lebensräume für unterschiedliche Lebewesen bot – in jedem Falle einen Tauchgang wert. Eine noch größere Attraktion stellte jedoch klar und unangefochten der dritte, erhaltene Förderturm dar. Zwar findet sich hier kein metallenes, niedergefallenes Gerüst, dafür aber allerlei Pflanzen- und Fischarten. Die einen mehr, die anderen weniger gut getarnt. Dazu kommen veralgte Taue und Steine sowie große Felsblöcke. Besonders für Taucherinnen und Taucher, die über noch nicht viel Erfahrung verfügen oder ihre Ausbildung absolvieren, sind diese Tauchplätze wunderbar. Nicht zu tief, übersichtlich mit guter Orientierungsmöglichkeit und bei allen Tauchgängen war keine Strömung vorhanden – außerdem gab es allerlei zu sehen.

Abbildung 11: Tauchgruppentreffen nahe dem dritten Förderturm.
Abbildung 11: Tauchgruppentreffen nahe dem dritten Förderturm.
Abbildung 12: Entspanntes Austauchen und Rückweg zum Ufer.
Abbildung 12: Entspanntes Austauchen und Rückweg zum Ufer.
Abbildung 13: Anker östlich der Fördertürme, ca. 14 Meter.
Abbildung 13: Anker östlich der Fördertürme, ca. 14 Meter.

Unter anderem wurden folgende Fisch- und Pflanzenarten von uns bestaunt: Conger, Sepia, Mondfisch, Drachenkopf (Abb. 7), Brasse, Mönchsfisch (Abb. 6), Einsiedlerkrebs, Schnecke, Stechmuschel, Schirm- und Trichteralge, Neptungras, Petermännchen, Meerbarbe (Abb. 8), Dorsch, Seestern (Abb. 9), Barrakuda, Moräne, Oktopus, Seeigel, Zacken- und Schriftbarsch, Sardine, Grüner Lippfisch, Meerjunker, Pfauenlippfisch, Leuchtqualle (Abb. 10), Segelqualle und viele mehr…

Abbildung 14: Blick auf die Bucht von Campese, hinabkommend von Castello
Abbildung 14: Blick auf die Bucht von Campese, hinabkommend von Castello
Abbildung 15: Faraglione dell’isola del Giglio.
Abbildung 15: Faraglione dell’isola del Giglio.
Abbildung 16: Den Sonnenuntergang genießen (Foto: Arne)
Abbildung 16: Den Sonnenuntergang genießen (Foto: Arne)
Abbildung 17: Gemeinsames Essen in einer Pizzeria.
Abbildung 17: Gemeinsames Essen in einer Pizzeria.

Neben den häufig angetauchten Fördertürmen (Abb. 11, 12, 19 & uvm.), fanden auch Bootstauchgänge statt. Hauptsächlich wurden hier Tauchplätze im Norden der Bucht Campese gewählt, einige Bootsausfahrten führten uns allerdings auch gen Süden – unterhalb der herausragenden Landmasse (Abb. 5). Bei mäßigen Wellengang, entsprechenden Winden und wechselnden Wetterverhältnissen, entdeckten wir den Tauchplatz Secca I, gelegen im nördlichen Teil der Bucht Campese nahe dem Campingplatz.

Abbildung 18: Bucht Campese mit bekanntem Turm.
Abbildung 18: Bucht Campese mit bekanntem Turm.
Abbildung 19: Der dritte Förderturm (Foto: Michael).
Abbildung 19: Der dritte Förderturm (Foto: Michael).
Abbildung 20: Der zweite Förderturm auf ca. 9-12 Meter
Abbildung 20: Der zweite Förderturm auf ca. 9-12 Meter

Bei 18°C Wassertemperatur und der größten Tiefe von 25 Metern sahen wir uns 50 Minuten lang in mehreren Tauchgruppen um, meist zu dritt oder zu viert. Vom Boot ausgehend hielten wir aufs klare Blauwasser zu und ließen die felsige Brandung zu unserer Rechten. Mit dem Wellengang dann und leichter Strömung kehrten wir bei einem Viertel der Strecke um, Felsbrandung nun zu unserer Linken und tauchten mit einem Bogen zurück zum Schiff. Unter uns stets sandiger Boden, als auch großblockiger Fels, dazu Gräser und eine Vielzahl von genannten Fisch- und Pflanzenarten (angeblich auch ein Wal…). Der Aufstieg erfolgte an der Ankerleine – auch dies war für Viele eine neue Erfahrung und nicht jedem bekam der mäßige Wellengang, vor allen nicht bei praller Sonne und mit dem ganzen Equipment auf den Schulten. Dennoch war es alles in allem ein sehr spannender und gelungener Bootstauchgang für uns. Ähnlich lässt sich Secca II beschreiben: Felsiger Untergrund, klare Sicht und gleichlange Tauchdauer. Ein überaus besonderer Tauchplatz stellte jedoch der südlich gelegene „Appenin“ dar. Kräftiger Sonnenschein, kein Wellengang, ca. 30 Meter Sicht und das Abtauchen im Blauwasser ohne Fixpunkt bei bis zu einer Tiefe von 50/60 Meter. Auch auf diesem Tauchgang begegnete uns ein Schwarm Barrakudas, Moränen u.v.m. Ein sehr netter Tauchgang war auch jener, der zum Anker, östlich der Fördertürme führte (Abb. 13).

Abbildung 21: Sonnenuntergang mit Segelschiff.
Abbildung 21: Sonnenuntergang mit Segelschiff.
Abbildung 22: Felsen und Bewuchs am dritten Förderturm
Abbildung 22: Felsen und Bewuchs am dritten Förderturm

Abgesehen vom Tauchen fanden sich immer wieder kleinere Gruppen für alternative Aktivitäten zusammen. Beispielsweise für Wanderungen hinauf nach Castello (Abb. 14), dem Südleuchtturm, dem Gipfelkreuz oder der markanten Felsformation Faraglione dell’isola del Giglio (Abb.15), bei der wir den Sonnenuntergang genossen (Abb. 16). Aber auch das gemeinsame Schnorcheln, Apnoen und Schwimmen, das Beisammensitzen und Musikhören oder das Quatschen in eines der nahe gelegenen Cafés und Restaurants wurde immer wieder wahrgenommen. Besonders auch an Tagen, an denen aufgrund von starkem Wellengang oder schlechter Sicht nicht getaucht werden konnte. Gerade auch beim Frühstück, dem Mittagessen und dem Abendbrot fand sich die ganze Tauchmannschaft zusammen. Es wurde in kleinen Teams durchwechselnd gekocht und abgespült, eingekauft und sich umeinander gekümmert. Zur Feier der Ankunft in Giglio und zum Abschluss des gemeinsamen Urlaubes gönnten wir uns jeweils einen Besuch in den Pizzerien (Abb. 17).

Zu jeder bestandenen Tauchausbildung gehört als Neuabkömmling von Neptun eine Weihung durch das Meerwasser und das Erhalten eines Taufnamens. So wurden vier Taucherinnen und Taucher in stürmischer Nacht bei brausender Brandung von Neptun mit folgenden Namen getauft: Segelqualle (*), Neon Riffbarsch (**), Nordseerobe (*) und _______ (*). Besonders einprägsam dürfte der zusammengebraute Trank gewesen sein, bestehend aus Meerwasser, kleingehakten Knoblauchzehen, Milch, Bratensoße und weiteren undefinierbaren Substanzen. Gefüllt in den Schnorchel lag es nun an den Getauften das Gemisch zu trinken, wohlgemerkt mit aufgesetzter Maske. Amüsant so wie unappetitlich zu gleich, aber ein Muss! Alles in allem ein sehr gelungener, mit guten Wetter und „guter Luft“ begleiteter Urlaub, wenn auch mit kleinen Niederschlägen, wie beispielsweise das nicht Vertragen des Wellengangs bei Bootstauchgängen. Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke:

Abbildung 23: Gasse in Castello (Foto: Matze).
Abbildung 23: Gasse in Castello (Foto: Matze).
Abbildung 24: massiver Felsbrocken, herabgefallen von Castello.
Abbildung 24: massiver Felsbrocken, herabgefallen von Castello.
Abbildung 25: Blick von Castello auf Giglio Porto (Foto: Arne).
Abbildung 25: Blick von Castello auf Giglio Porto (Foto: Arne).
Abbildung 26: Leuchtqualle im seichten Wasser.
Abbildung 26: Leuchtqualle im seichten Wasser.
Abbildung 27: Sonnenuntergang mit den drei Fördertürmen (Foto: Arne).
Abbildung 27: Sonnenuntergang mit den drei Fördertürmen (Foto: Arne).
Abbildung 28: Mondaufgang über Campese.
Abbildung 28: Mondaufgang über Campese.
Abbildung 29: Fördertürme von der markanten Felsformation aus (Foto: Michael).
Abbildung 29: Fördertürme von der markanten Felsformation aus (Foto: Michael).
Abbildung 30: Wanderung nach Castello (Foto: Matze).
Abbildung 30: Wanderung nach Castello (Foto: Matze).
Abbildung 31: Fels in der Brandung mit Giglio Turm (Foto: Arne).
Abbildung 31: Fels in der Brandung mit Giglio Turm (Foto: Arne).
Abbildung 32: Blick von Castello auf Giglio Porto (Foto: Michael).
Abbildung 32: Blick von Castello auf Giglio Porto (Foto: Michael).

Ein besonderer Dank gebührt Michael für die Organisation und Planung sowie seinen Helfer/innen.

J. Mahlitz