Und da ist er: Der zweite Bericht eures Afrikaners!

Aliwal Shoal ist wohl der am zweithäufigsten frequentierte Tauchspot Südafrikas. Das Shoal liegt etwa 65 km südlich von Durban an der South Coast, zwischen den Orten Umkomaas und Scottburgh. Die Küste ist hier relativ dicht besiedelt und man vermisst die Ruhe und Abgeschiedenheit Sodwanas ein bisschen. Die kleinen Städtchen zwischen Durban und Margate liegen, wie Perlen auf einer Kette, neben der Autobahn N2, die an der Küste entlang führt. Alle 5 - 10 km trifft man auf einen kleinen Ort.
Umkomaas ist der Ausgangspunkt aller Touren zum Shoal. In Umkomaas selber gibt es mehrere Tauchbasen, deren Preise ähnlich sind und die alle sowohl das Riff selber als auch die beiden Wracks anfahren. Die bekannteste und größte Basis ist der "Whaler", direkt an der Küste, mit eigenem Shop, Unterkünften und einem Restaurant gleich nebenan.
Beste Reisezeit:
Der Tauchreiseführer rät dazu, zwischen Mai und September zu tauchen, da sich in dieser Zeit die umherziehenden "ragged tooth sharks" (dt: Sandtiger) hier aufhalten und außerdem der Wassereintrag aus den Flüssen im Sommer zu viel Dreck mit sich bringt.
Das Wasser ist eine Mischung aus dem wärmeren Wasser der Korallenriffe des Nordens und der Kaltwasserriffe weiter südlich. Im Winter (August) können die Wassertemperaturen allerdings schon auf unangenehme 18°C fallen (Mai: 24°C, Okt.: 24°C). Die Sicht ist nicht immer berauschend und bewegt sich im Schnitt um die 15 m, kann aber bis zu 40 m betragen.
In den allermeisten Fällen starten die Touren an der Mündung des Umkomaas River. Das neun Meter lange Zodiac mit den beiden 85 PS Motoren wird dort ins Wasser gelassen. Ist das fertig montierte Tauchgerät am Ständer in der Bootsmitte befestigt, können alle Mann das Zodiac ins Wasser schieben und auf Kommando des Skippers über die Pontons ins Boot hüpfen. Jetzt heißt es: "Feet in the footstraps and hold on tight!". Auf dem Fluss, unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, über eine Sandbank hinweg geht es dann mit Vollgas in die Brandungszone hinein. Der Skipper wartet dort ständig kreisend auf eine Lücke zwischen den Wellen und jagt dann sein Boot auf die offene See.
Aliwal Shoal rühmt sich, die härtesten "launches" der Welt zu haben. Ich habe es schon erlebt, dass bei schlechterem Wetter über fünf Meter hohe Wellen in der Brandungszone über das Boot hereinbrechen. Auch hinter der Brecherlinie hat man gelegentlich noch mit 1-2 m Dünung zu tun. Das ist allerdings ein nettes Abenteuer und noch lange kein Grund, nicht tauchen zu gehen.
Aliwal Shoal wird aus zwei Gründen betaucht: Zum einen natürlich wegen der berühmten Raggies, denen die Taucher recht nahe kommen können und vor denen sich keiner fürchten muss (es sei denn, sie machen einen Buckel, das ist dann eine Aufforderung, sich zu entfernen) und wegen der beiden Wracks.
Die Wracks:
Die "Nebo" rammte das Shoal 1884 und ging mit ihrer Ladung an Eisenbahnmaterial schnell unter. Sie liegt kieloben auf 30 m Tiefe und ist angeblich noch in einem mäßigen Zustand. Ich selber habe sie nicht betaucht, da sie nur selten angefahren wird.
Sehr interessant ist die "Produce", ein norwegischer Frachter, der 1974 das nord-östliche Ende des Shoals touchierte, leck schlug und dann an seinen jetzigen Standort driftete.
Auch die "Produce" liegt in 30 m Tiefe, leicht auf ihre Steuerbordseite geneigt. Das Wrack lohnt sich nicht nur wegen seiner eindrucksvollen Dimensionen sondern auch der es besiedelnden Fische wegen. Durch große Löcher in der Seite und im hinteren Teil kann man in die "Produce" eindringen. Im Schiffsinnern muss man sich sehr vorsichtig bewegen, da der vielen rostigen Metallkanten wegen Verletzungsgefahr besteht. Neben den üblichen "goldies" und den "blue-banded snappers" sind die vielen Rotfeuerfische im Bauch des Schiffes ein toller Anblick. Ich kann jedoch nur zur Vorsicht raten: Von ihnen im Wrack eingekreist zu werden sorgt nicht unbedingt für ein wohliges Gefühl. Schaut dass ihr langsam aber sicher Land gewinnt, wenn das der Fall sein sollte.
Der absolute Bringer sind jedoch die beiden "brindle bass", die unter dem Kiel bei der fehlenden Schraube hausen. Diese zwei Zackies sind gut und gerne zwei Meter lang und extrem beeindruckend!
Das Riff:
Zwei Tauchspots zählen zu meinen Favoriten:
"Raggie Cave bzw. Shark Alley", Tiefe um 15 m, jede Menge tropische Fische und natürlich die Raggies. Die Gefahr an diesem Spot ist, dass er übertaucht wird und die Taucher sich in der Haisaison nicht daran halten, dass sie nicht in die Höhle tauchen sollen, wen sich Haie darin befinden. Die Haie ruhen sich dort aus und dürfen nicht gestört werden!
"Cathedral", Tiefe 28m, ist ein spektakuläres Loch im Riff, mit einem seitlichen Torbogen, durch den man in die Kathedrale eindringen kann. Auch an diesem Platz gilt die Regel: Wenn Haie drin sind - draußen bleiben! Neben den vielen Kleinfischen leben hier viele Rochen und Muränen.
Fische:
Auf dem Shoal selber findet man Drachenköpfe, Rochen, Zackies, Muränen, Mantas Shrimps, Lobster, Octopusse, Kofferfische, Loggerhead Schildkröten und natürlich die Haie.
Anreise am besten von Durban her kommend. Wohnen kann man entweder in Pensionen oder den von den Tauchschulen angebotenen Unterkünften. Obwohl es im südafrikanischen Winter selten regnet, ist das Klima hier generell feuchter als weiter im Norden. Alles ist grün und auch Nichttaucher kommen hier auf ihre Kosten: Es können Krokodilfarmen, Naturreservate, lange Strände oder das Wild Coast Sun Spielcasino besucht werden.
Infomöglichkeiten:
K. Bardele