
Im Urlaub arbeiten? Wer so etwas tut, der kann nicht mehr ganz frisch sein! Dachte ich mir auch lange Zeit, bis ich mich bei unserem Vereinskollegen René als Scuba Slave verdingte.
Einen Urlaub in der Sonne, gutes Wetter, klares und warmes Wasser, kühles Amstel und abartige Sichtweiten unter Wasser. Klingt gut was? Dazu auch noch umsonst tauchen? Genau das hatte ich! Und ihr könnt es vielleicht auch haben!
Es war so toll wie es klingt, ließ sich allerdings nicht ohne eine gewaltige Menge Schweiß bewerkstelligen: Ich hatte mich Ende letzten Jahres mit René abgesprochen. In den Sommerferien wollte ich zu ihm nach Zakynthos kommen und bei Zante Diving arbeiten. René leitet diese Tauchbasis in Laganas, dem Touristenzentrum der Insel.
Im März bestellte ich mein Ticket und am 31. 8. 01 ging der Flieger. René empfing mich und meinen neuen Kollegen Matze am örtlichen Flughäfchen mit einer Dose Amstel und ich dachte mir: „Das fängt ja gut an!“
Fing es auch! Kaum 10 Minuten später kamen wir auf der Basis an und wurden von denjenigen Assis begrüßt, die auch an ihrem einzigen freien Tag in der Woche nichts besseres zu tun hatten, als an der Tauchbasis herumzulungern und auf Frischfleisch zu warten. Ruckzuck ging es ans Einarbeiten.
Wer denkt, dass Arbeit auf einer Tauchbasis einen Tauchurlaub machen bedeutet, der hat sich ziemlich geschnitten. Bei drei Ausfahrten täglich kommt ein Assi im Schnitt nicht öfter als einmal pro Tag zu einem Tauchgang. Der ganze Basisbetrieb muss laufen, jeder tut alles und das sobald es nötig ist, nicht erst morgen. Ein ganz normaler Tagesablauf eines Assis bei Zante Diving sieht etwa wie folgt aus:
8.10 Uhr
Aufstehen, anziehen (Badeshorts und T-Shirt) und auf dem Moped zur Basis fahren
8.30 Uhr
Basis aufmachen; dh. Dinghi von der Kette machen, Motor an Dinghi schrauben, Basisfegen, Leihanzüge von innnen nach außen drehen und richtig sortiert aufhängen, Büro richten für Publikumsverkehr (Infos, Zeitschriften auslegen, CD in Computer legen,...)
8.50 Uhr
Die ersten Kunden kommen und wollen tauchen: Namen auf der Liste checken, eventuelle Leihausrüstung ausgeben und in Kundenkartei eintragen, dafür sorgen, dass alle ihre Flaschen und Kisten auf den Sackkärren haben, zufrieden sind und wissen, was sie tun sollen
9.30 Uhr
Boarding! Alles marschiert an den Strand, das Dinghi wird beladen und muss zum Schiff gefahren werden. Das ist kein Spaß, so ein Gummiböotchen zu manövrieren, ohne dabei die Ladung zu versenken oder das Tauchschiff zu entern. Manch einer bekam da schon die große Piratenflagge verliehen, Autoren nicht ausgenommen.
10.00 Uhr
Wer guidings oder Kurs macht, der wartet nun, bis er bzw. sie am Tauchplatz ankommt, wirft den Anker, macht das briefing und springt mit seinen Schützlingen über Bord. Im Wasser hat man nun 30 bis 90 Minuten Zeit, sich von seinen Lieben so richtig fordern zu lassen. Nach dem Tauchgang: Alles vom Schiff ins Dinghi laden (incl. Kisten und Flaschen), an den Strand, ausladen, neu beladen und wieder los
12.00 Uhr
Nächste Ausfahrt. Für den Assi/TL an Bord wieder die gleiche Arbeit.
15.00 Uhr
Nächste Ausfahrt. Für den Assi/TL an Bord wieder die gleiche Arbeit.
10.00 Uhr
Alternative: Kurs oder Schnuppertauchen unterrichten. D. h. Theorie und übungen in der Bucht.
10.00 Uhr
Nächste Alternative: Nebenher Basis hüten und Anfragen bearbeiten, Rechnungen schreiben, Gäste aufnehmen, aufräumen, Putzen, Kompressor bedienen, Parkplatz fegen, ...
Zwischendurch wechseln die verschiedenen Aufgaben (Boot, Schnuppertauchen, Basis, Kompressor oder Kurs), damit jeder mal alles tut.
17.30 Uhr
Das Schiff kommt von der letzten Ausfahrt des Tages wieder. Gerödel waschen, Flaschen abspülen und füllen, Basis nass fegen, vor allem die Wege und Flächen davor, um den ewigen Feind den Sand zurückzudrängen.
18.00 Uhr
Die lang ersehnte HAPPY HOUR!!! Jetzt gilt es parallel zur Arbeit so viele von den gespendeten Bieren wie möglich wegzuputzen, was manchmal nicht einfach ist.
19.00 Uhr
Alles geht dem Ende zu: Der Kompressor rattert immer noch, der Dinghimotor ist abmontiert, abgespült und im Trockenraum, alle Sackkarren gespült und geölt.
20.00 Uhr
Alles ist fertig! Zeit für ein letztes Amstel, über dem die allabendliche Frage „Was nun?“ verhandelt wird.
21.00 Uhr
Immer noch an der Basis. Mit viel Gück macht Anthony jetzt das Driftwood zu und wir müssen uns endlich entscheiden.
Damit ist der Tag noch lange nicht zu Ende, denn jetzt beginnt der Abend erst richtig. Aber das erzähle ich euch vielleicht ein anderes Mal, wenn es wieder heißt „Klausimausis Märchenstunde“.
K. Bardele