August 1993 von Christina Erben

Tunesien im Hochsommer? – das muss wohl eine Idee von Tauchhungrigen sein. Dementsprechend groß war die Vorfreude auf ganz viele und tolle Tauchgänge...

Der Abflug ab München war kurzfristig vorverlegt worden, so dass auch die letzten das Flugzeug im Laufschritt erreichten. Nach bereits 2 Stunden erreichten wir Tabarka bei Nacht. Ein Bustransfer kutschierte uns zu unserem Hotel "Les Mimosas", das am Hang etwas oberhalb des Ortes lag. Das Hotel hatte, ursprünglich eine Villa, die später zum Hotel erweitert wurde, bereits eine 100-jährige Geschichte und entsprechend den Charme alter Gemäuer mit weitläufigen Gartenanlagen und sogar einem Swimming Pool.

Die große Überraschung brachte das Auftreten Paul Kehrers. Ja, das mit der Tauchbasis würde doch alles noch nicht so recht klappen. Planungs- und Koordinierungsschwierigkeiten, die Mentalität... Kurzum: Die Tauchbasis, auf der wir eigentlich tauchen wollten und die uns überhaupt nach Tunesien gelockt hatte, existierte noch gar nicht. Ratlose, erstaunte Gesichter – was nun?

Uli H. als großer Manager beruhigte die erwartungsvollen Taucherherzen mit der Möglichkeit, unsere Gruppe bei der alteingesessenen Tauchbasis unterzubringen. Wie das nun alles vonstattengehen sollte, würde der nächste Tag zeigen. Jedenfalls waren uns bereits für den 1. Urlaubstag Tauchgänge zugesichert.

Erfrischt nach der 1. Nacht auf den guten Matratzen der 2-Bett-Zimmer (von wenigen Ausnahmen abgesehen) freuten wir uns auf das angekündigte Frühstücksbüffet, das immerhin Weißbrot, Marmelade, Butter, Käseecken und süße Brötchen anbot. Für "Spätaufsteher" gab's sogar noch Eier. In 10 Minuten legten wir den Weg vom Hotel durch die Stadt bis zur Tauchbasis im Hafen zurück. Da für unsere Gruppe zusätzliche Ausfahrten organisiert worden sind, legte das 1. Tauchboot bereits um 8 Uhr ab. Wir waren auf die Bootsausfahrten angewiesen, da Landtauchgänge leider verboten waren. Pech war eben, dass maximal 15 Personen mit dem Boot hinausfahren konnten. Da wir aber 22 Leute waren, musste alles so organisiert werden, dass am Ende des Tauchurlaubs alle die gleiche Anzahl an Tauchgängen hätten machen können. Das bedeutete manchentags nur 1 Tauchgang, abgesehen von leichten Verschiebungen durch Krankheit oder starkem Windaufkommen mit entsprechendem Wellengang, der Ausfahrten ganz ausfallen ließ bzw. Einzelne im Voraus schon blass werden ließ.

Wir konnten 3 verschiedene Tauchplätze kennenlernen. Da war der sogenannte "Zackifels" mit, wie der Name bereits verrät, Zacken- und anderen Barschen in allen Größen, bis... also mindestens... na riiiesig eben. Die Präsenz der riesigen Exemplare wurde durch etwas Fischfutter aus der Hosentasche unterstützt. Das Tauchgebiet zeichnete sich durch zerklüftete Felsformationen mit Einschnitten, Schluchten und verschiedenen Erhebungen aus, was die Orientierung durch Verwechslungsmöglichkeiten erschwerte (also einmal rechts den Fels umrunden, dann müsste die Sonne links stehen, dann durch die Schlucht und links herum und wie find ich jetzt die Ankerleine wieder?).

Der 2. Tauchplatz, das "Cap Tabarka", war da für Orientierungserfolgserlebnisse schon einfacher – ein großer Fels von Absprengungen, Einschnitten umgeben, der bei einem Tauchgang gut umrundet werden konnte. Immer wieder gut zu erkennen waren v.a. die Biologen unter Wasser, die in jedem Spalt, jedem Loch etwas Interessantes zu finden erhofften und dazu war dieser Tauchplatz optimal, zumal die Maximaltiefe bei ca. 16 m lag. Da waren zu sehen Drachenköpfe, Einsiedlerkrebse, Anemonen, Garnelen, Nacktschnecken, Seesterne, Igelwürmer, Brassen, Meerraben, um nur mal was zu nennen...

Am 3. Tauchplatz schien der Meeresgrund wie ein Schweizer Käse durchlöchert zu sein. Unter Führung eines einheimischen Tauchlehrers tauchten wir ab in Gänge hinein, um Ecken herum, aus einem Gang raus und wieder runter durch Felsöffnungen ins nächste Gangsystem. Ein faszinierendes Unterwasserlabyrinth, in dem ich mich ohne Führung hoffnungslos verirrt hätte. Die Gänge zeichneten sich weniger durch Bewuchs als durch glatte Wände aus, die z.T. wie ausgewaschen waren, und es war ein tolles Erlebnis, darin zu tauchen.

Insgesamt möchte ich die fachkundige Aussage Uli H.'s wiedergeben, der das Tauchgebiet als intakte, unberührte Unterwasserwelt beurteilte, mit einem Reichtum an Lebewesen verschiedenster Arten. Man/Frau stelle sich vor: das Boot schippert gemütlich aus dem Hafen, strahlend blauer Himmel, ebensolche Gesichter, dann der Blick auf die Weite des Meeres, das intensive Blau – wir schippern der Küstenlinie entlang. Das Tauchgerödel in nächster Nähe, bald alles bereit und dann – der Sprung ins Wasser, abtauchen in die faszinierende Welt unter Wasser. Irgendwann waren auch die letzten Luftvorräte erschöpft (natürlich abgesehen von einer obligaten Reserve) und wir mussten (meist ohne Ankerleine) wieder auftauchen. Manchmal reichte es noch für ein paar Vergnügungssprünge von Bord (die die Bootsmannschaft freudestrahlend unterstützte), baden und rumplanschen. Doch die Zeit war knapp kalkuliert und die nächste Tauchgruppe wartete bereits ungeduldig an der Hafenmauer.

Bei Coca Cola oder Tee tauschten wir unsere Erlebnisse in der Hafenkneipe aus und ließen die vielen Eindrücke nachwirken, von denen wir heute noch zehren. Was die Tauchbasis betrifft: Das war alles nicht ganz einfach, denn täglich musste neu abgesprochen werden, wann und wie oft wir am nächsten Tag hinausfahren konnten – ohne Gewähr. Es war auch mal die Rede von Nachttauchgängen, doch die wurden ständig verschoben, bis keiner mehr stattfinden konnte. Aber wir waren froh, dass doch alles ganz gut ablief und wir auf unsere Kosten kamen, auch wenn im Logbuch nun doch nicht so viele Tauchgänge stehen wie erhofft.

In den freien Stunden erkundeten wir die kleine Stadt Tabarka, durchstreiften die Markthalle, probierten einheimische Speisen, erklommen die Festung oder faulenzten am Swimming Pool mit Blick aufs Meer. Abends trafen wir uns bei einem herrlichen mehrgängigen Abendessen, das auch 2x unter freiem Himmel als Buffet serviert wurde, und beschlossen den Tag bei gemütlichem Beisammensitzen in lauen Nächten. Zum krönenden Abschluss gehörte die Tauchertaufe am letzten Abend, bei der wohl alle auf ihre Kosten kamen.

Inzwischen laben wir uns an den schönen Erinnerungen, an vielfältigem Bildmaterial und dem Versuch, die tunesische Küche in die heimische zu integrieren.