Clubausfahrt Maggiatal/Verzascatal (Tessin)
24.–26. September 1999 von Steffi Köber und Matthias (Matze) Stoll
Freitag, 24.9., 10 Uhr, Tübingen (Strahlender Sonnenschein, angenehme Temperatur) Toms VW-Bus (bzw. dessen französische Imitation) geht schon ganz schön in die Knie, als er mit der gesammelten Tauch- und vor allem Freßausrüstung vollgepackt wird. Dann noch schnell den Sven abholen (so dachten wir uns das), müssen aber lernen, daß es im verträumten Kilchberg ein wenig geruhsamer zugeht als anderswo. Wir treffen dort noch auf Joe und Sabine Gronbach, Joe voll strahlender Vorfreude auf eine Fahrt in die Schweiz so ganz ohne Dach (Golf Cabrio macht's möglich).
14 Uhr, Neuhaus-Bargen (Schweizer Grenze bei Blumberg) Der freundliche (!) Schweizer Zöllner weist uns darauf hin, daß die Verzasca jedes Jahr eine Menge Taucher-Opfer fordert ("Das ischt gefährlichch!"); wir sind also ausreichend vorgewarnt.
16 Uhr, Vierwaldstätter See Beim Blick vom Aussichtspunkt an der Axenstraße auf die blauen Wasser des Sees, umrahmt von majestätischen Bergen, können wir uns nur schwer zurückhalten, direkt in den See zu springen (mit oder ohne PTG). Was schlußendlich doch dagegen spricht, ist der vertikale Abstand des Aussichtspunktes zur Seeoberfläche (ca. 100 m).

18 Uhr, Ponte Brolla, Maggiatal (Sonnenschein und noch angenehmere Temperatur) Nach der Fahrt entlang des Flusses Ticino und einem kurzen Blick auf den Lago Maggiore kundschaften wir schon mal den ersten Tauchplatz am Eingang des Maggiatales aus. Kristallklares Wasser und schön ausgewaschene Granitfelsen versprechen tolle Tauchgänge für den nächsten Tag...
19 Uhr, Cevio, Maggiatal In unserem Quartier, dem "Centro dell' Artigianato del Ticino" (Zentrum des Tessiner Kunsthandwerks), sind natürlich die besten Zimmer schon belegt (gell, Klaus B.), und die Bunker mit ihren dicken Stahltüren im Keller scheinen uns bei der derzeitigen sicherheitspolitischen Lage in Europa als Übernachtungsplatz doch etwas übertrieben. So ziehen wir uns ganz nach oben unters Dach zurück (hier herrschen angenehme Saunatemperaturen), nachdem wir die ganz in Edelstahl gehaltene Küche ausgiebig bewundert haben und uns gefragt haben, wer das alles essen soll... Als dann gegen acht Uhr alle da sind und sich gestärkt haben, geben unsere Reiseleiter Frank und Tom die Pläne für die nächsten Tage bekannt. Perfekt organisiert das Ganze, es gibt nicht nur einen Tauchgangsplan, sondern auch einen "Wer-macht-das-Essen-Plan"!
Samstag, 25.9., 7 Uhr, Cevio (Nieselregen und mittelmäßige Temperatur) Liebevoll und sanft geweckt von lautem Tellerklappern und Tischerücken stärken wir uns für den ersten Tauchgang. In zwei Gruppen fahren wir los, eine nach Nordosten zur Wolfsschlucht, wir anderen Richtung Talausgang bei Ponte Brolla. Der Nieselregen beeindruckt uns nicht weiter, unsere Rottenburger Mario und Rolf spannen eine Strömungsleine und ab geht's in die Maggia.
Was soll man sagen: da hat der "Tauchen"-Autor wohl nicht richtig hingeschaut, als er von "außer Forellen keine Tiere" schrieb: Flußbarben, Elritzen, Döbel, Bachforellen und sogar ein Bachneunauge und das alles während eines Tauchgangs. Von den Kleintieren unter Steinen ganz zu schweigen... Erstaunlich ist die geringe Scheu der Fische, vielleicht finden sie es aber einfach nur spannend, Frank zuzuschauen, wie er von seiner eigenen Flasche überholt wird? Zu sehen gibt's außer Fischen ein tolles, von der Strömung ausgewaschenes Felslabyrinth in Form von Riesenkieseln und sogar einen kaputten Stuhl; trotz "nur" maximal 14 m Tiefe ein sehr interessanter Tauchgang.

15 Uhr, Cevio (immer wieder mal Regen) Aufbruch zum zweiten Tauchgang. Gruppentausch, wir fahren zur Wolfsschlucht. Unter den bewundernden Blicken einer Gruppe deutscher Trockentaucher mit Karlskrone-Bierbüchsen in der Hand schleppen wir die Ausrüstung hinab zum Fluß und tauchen ab. Eine unglaublich gute Sicht und fantastische Felsformationen - man fühlt sich wie der "Hauptdarsteller in einem Dalí-Gemälde" (O-Ton Joe). Am Ende des Gumpens muß die Ausrüstung bis zum nächsten Becken über rutschige Steine getragen werden, wo es genauso schön ist wie im ersten. Noch einen kurzen 15°C Waschgang direkt unter einem Wasserfall eingelegt, und dann geht's auch schon wieder zurück. Dieser Tauchgang war für alle, auch für die "alten Hasen", etwas ganz Besonderes...
18 Uhr, Cevio (immer mehr Regen) Schade, nachmittags war der Platz bei Ponte Brolla wegen zunehmender Strömung und schlechter Sicht schon nicht mehr zu betauchen. Darüber hinweg trösten die von Gerd, Klaus und Gunda hervorragend zubereiteten Spaghetti Bolognese. Flaschen in einer Pizzeria füllen zu lassen, mal was ganz Neues: Frank und Sven müssen ihre ganzen Italienischkenntnisse zusammenkratzen ("Porca madonna, che cazzo vuoi?"), und dann ist auch noch das "Kompressorle" des Restaurants mit der Riesenmenge Flaschen hoffnungslos überfordert... Bottiglie finito domani, capisce?
20 Uhr, Cevio (noch mehr Regen) Wir müssen erfahren, daß das Tauchen in der Verzasca wegen zu starker Strömung leider ausfällt. Raus kann man bei dem Wetter auch nicht, also zeigt die Rottenburger DLRG einen Film über Eiskanalschwimmen, Marlies erklärt den Notfallkoffer, und ein "Knotenkurs" beschäftigt so manchen den ganzen Abend (überall sitzen Leute und binden Schnüre um Bierflaschen - eine neue Gruppentherapie?)...

Sonntag, 26.9., 10 Uhr, Cevio (Regen, was sonst?) Am Sonntagmorgen sind die Flaschen dann endlich voll, nur Svens Flasche hat der Koch wohl direkt in der Küche gefüllt und außen kräftig mit uraltem Pommes-Fett eingerieben. Ob das an Svens Italienisch lag? Auch das Frühstück verläuft nicht ganz unfallfrei: Milch im TetraPak anfassen für Anfänger (in den Hauptrollen Tom H. und Steffi K.)!
Die Ersten fahren dann fluchtartig nach Hause, den Frust über das Wetter ins Gesicht geschrieben, die Angst vor Riesenkieseln auf der Straße im Nacken. Nur ein Grüppchen Unentwegter trotzt der Bergsturz- und Überschwemmungsgefahr und entschließt sich, nochmal zur Wolfsschlucht zu fahren. Leider ist die Sicht dort eher bescheiden, die Strömung dafür umso stärker. Trotzdem wird getaucht, auch wenn es nicht alle um die Ecke schaffen. Auch Strömungsschnorcheln bringt viel Spaß!
Nach ausgiebigem Putzen treten wir den Heimweg an, um noch im Radio zu hören, daß das Maggiatal kurz nach unserer Abfahrt wegen eines Erdrutsches gesperrt wurde. Gerade nochmal davongekommen...!
26.9. 24 Uhr, Tübingen (kein Regen, dafür a....kalt)
Fazit der Ausfahrt: Das Maggiatal ist ein tolles Tauchgebiet, das man sich auf jeden Fall anschauen sollte (auch für Warmduscher hervorragend geeignet) - und die Verzasca soll ja noch viel schöner sein!
Im Namen aller einen herzlichen Dank an die Organisatoren Frank und Tom, die Essens-Einkäufer Ursel, Gerd und Riki und an Marlies für die Erklärungen zum Notfallkoffer!!
Steffi Köber und Matthias (Matze) Stoll